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15. November 2017 10:35 Uhr

Internes Gespräch

Wird Akw Fessenheim doch schon 2018 abgeschaltet?

EdF-Chef Philippe Sasseigne hat in Fessenheim mit der Belegschaft über ein mögliches Ende des Atomkraftwerks gesprochen. Angeblich könnte die Abschaltung doch schon 2018 erfolgen.

  1. Wann wird der Fessenheimer Pannenmeiler vom Netz genommen? Foto: dpa

In Paris diskutiert man, wann das Atomkraftwerk Fessenheim vom Netz gehen soll – im nächsten Jahr oder doch erst später, womöglich erst 2025. Doch der Betreiber des Akw, der Energiekonzern Electricité de France, der sich lange gegen den Gedanken einer Stilllegung gesträubt hatte, scheint sich damit allmählich abzufinden. Philippe Sasseigne, Chef der Atomsparte von EdF, war jetzt zu Besuch in Fessenheim und hat dort, so weit dies bekannt wurde, erstmals vor der Belegschaft über das Thema gesprochen. Er habe möglichst vielen Beschäftigten Gelegenheit geben wollen, um Fragen zu stellen, heißt es dazu aus Gewerkschaftskreisen. Weil es eine interne Veranstaltung gewesen sei, gebe es dazu auch keine öffentliche Verlautbarung.

Angebliche Abschaltung 2018

Dennoch machte insbesondere unter Atomkraftgegner die Runde, was dort besprochen worden sein soll. Sasseigne, heißt es, habe den Beschäftigten des zur Stilllegung verurteilten Akw das Aus für Ende 2018 angekündigt und bereits konkrete Zahlen über Versetzungen genannt. Damit sei klar, dass nun auch der Konzern selbst zur Stilllegung entschlossen sei – in dieser Deutlichkeit war dies vorher nie geäußert worden.

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Doch der so kolportierte Inhalt der Belegschaftsversammlung wird sogleich dementiert durch die EdF-Betriebsrätin Anne Laszlo. Der Badischen Zeitung sagte sie: "Der Besuch von Philippe Sasseigne war seit Monaten geplant." Er habe keine präzisen Ankündigungen gemacht über einzelne konkrete Schritte. "Wir als Gewerkschafter und als Beschäftigte sind weiterhin gegen eine Schließung des Standortes", betont Laszlo, die für die Gewerkschaft CFE Énergies dem Betriebsrat des Akw angehört. Das bedeute jedoch nicht, dass man Ohren und Augen vor der laufenden Diskussion verschließe. Entsprechend habe Sasseigne in Fessenheim mit der Belegschaft durchgesprochen, wie die bevorstehenden Monate ablaufen könnten.

Es geht auch um die Personalplanung

Für Laszlo liegt es auf der Hand, "dass EdF der möglichen Stilllegung Fessenheims nicht ohne eigene Planung entgegengehen wird, auch wenn nach wie vor in der Schwebe ist, wann sie kommt". Zudem bedeute das Ende der Stromproduktion nicht den Beginn des Rückbaus. Der Übergang müsse aber auf alle Fälle unter sicheren Bedingungen geschehen. Dazu gehöre, dass neben vielen anderen Fragen auch geklärt werde, wer gegebenenfalls von den heute 750 in Fessenheim Beschäftigten auch künftig bei der EdF bleiben wolle und vorziehe, an einen anderen Standort versetzt zu werden.

Die Pläne für die Stilllegung des inzwischen 40 Jahre alten Akw gehen auf den Wahlkampf der französischen Sozialisten unter François Hollande 2011/2012 und ein Zugeständnis an die Klientel der französischen Grünen-Partei zurück. Ségolène Royal, die letzte Umweltministerin in der Amtszeit Hollande, hatte die Schließung des Akw-Standortes Fessenheim noch vor der verlorenen Wahl im Frühjahr 2017 per Dekret veranlasst. Allerdings muss der Betreiber EdF diese Stilllegung selbst beantragen.

Auf Zeit gespielt

Vergangene Woche hatte Royals Nachfolger Nicolas Hulot eine Kehrtwende angekündigt. Die noch von Royal geplante Reduzierung des Atomstromanteils in Frankreich von heute 75 auf 50 Prozent werde nicht bis 2025 erfolgen. Die Stilllegung des Akw Fessenheim verortete Hulot für den Zeitraum der laufenden Amtszeit. Noch am selben Tag versicherte allerdings ein Staatssekretär im Umweltministerium der Straßburger Zeitung Dernières Nouvelles d’Alsace, dass die Regierung sehr wohl an dem bislang gehandelten Datum Ende 2018 für die Abschaltung der beiden Reaktoren in Fessenheim festhalte.

André Hatz, Sprecher der atomkritischen Initiative Stop Fessenheim, hält es für positiv, dass der Betreiber endlich gegenüber den Beschäftigten Klartext rede. "Man hat auf Zeit gespielt", beklagt er. "Eine Aussprache hätte längst stattfinden müssen." Er bedauert die derzeitige Unklarheit über die Zukunft des Akw. "Es gibt keinen Grund", sagt Hatz, "noch länger zu warten."

Autor: Bärbel Nückles