Studieren ohne Grenzen

Universitäten am Oberrhein vereinbaren eine engere Zusammenarbeit

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Fr, 13. April 2018 um 08:22 Uhr

Bildung & Wissen

Studenten und Wissenschaftler der Oberrhein-Region sollen es künftig leichter haben, an Partner-Universitäten in Frankreich, Deutschland und der Schweiz zu lernen und zu forschen.

Eine entsprechende Absichtserklärung zur Weiterentwicklung des sogenannten Eucor-Programms unterzeichneten am Donnerstag in Straßburg Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), die Rektorin der Uni Straßburg, Sophie Béjean, und Frankreichs Europaministerin Nathalie Loiseau.

Emmanuel Macrons Aufruf zur Gründung europäischer Universitäten vor französischen Studierenden klang im September 2017 visionär wie so vieles, was der frisch gewählte Staatspräsident anzubieten hatte. Dabei dürfte er nicht einmal gewusst haben, dass es seine Vision längst gab. Eucor, den Verbund der Universitäten am Oberrhein bietet mit seinen Standorten Basel, Freiburg, Mulhouse, Straßburg und Karlsruhe gleich fünf Spitzenuniversitäten auf engem Raum und in drei Ländern.

Seit 1989 gibt es diesen Verbund. Sein amtierender Präsident, der Freiburger Universitätsrektor Hans-Jochen Schiewer, bezeichnete Eucor in Straßburg am Freitag als "ein Gravitationszentrum der Wissenschaft". Ins Haus der Region, den Amtssitz der Region Grand Est, waren mit Schiewer neben weiteren Vertreterinnen und Vertretern der oberrheinischen Universitäten auch politische Entscheider gekommen. Gemeinsam unterzeichneten sie eine Absichtserklärung, damit die fast 30 Jahre bestehende Kooperation zu einem neuen Gebilde, einer regelrechten Universität werden kann, wie sie dem französischen Staatspräsidenten in seiner Rede wohl vorschwebte, einer europäischen Universität nämlich.

"Wir können stolz sein, dass wir die Ideen schon vorher hatten", würdigte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann anlässlich der Unterzeichnung die grenzüberschreitende Leistung der fünf oberrheinischen Wissenschaftsstandorte. "Von dieser Unterzeichnung", sagte Kretschmann, "soll auch ein Signal nach Europa ausgehen, welchen hohen politischen Stellenwert wir einer europäischen Wissenschaftsunion einräumen". Deutschland und Frankreich – die Partner aus der Schweiz werden sich der Vereinbarung später anschließen – wollen nun nicht nur weitere gemeinsame Studiengänge auflegen. Tri- und binationale Abschlüsse gibt es bereits Dutzende.



Wichtig wird es von jetzt an sein, Studienpläne und Strukturen anzugleichen, und ganz besonders die Mobilität zwischen den Universitätsstädten durch ein Semesterticket zu erleichtern. Eine gemeinsame Strategie, gemeinsame Professoren, auch Studiengänge "à la carte" soll es für die derzeit 120 .000 Studenten und 15.000 Forscher und Lehrer geben. Für Eucor-Präsident Hans-Jochen Schiewer handelt es sich ohnehin um eine historische Chance und um einen Glücksfall, dass am Oberrhein fünf Spitzenuniversitäten versammelt seien.

"Als europäische Universität wollen die Eucor-Universitäten mit den bedeutendsten Wissenschaftsstandorten weltweit konkurrieren", betonte Schiewer. Eine eigene Governance gibt es seit 2015: Vor drei Jahren gründeten die Eucor-Partner einen Europäischen Zweckverband für territoriale Zusammenarbeit.

Nun ist nicht zuletzt die Politik gefragt. Die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer fand in Straßburg besonders an der Finanzierung gemeinsamer Professuren Gefallen, damit "auch Professoren das Leben von zwei Hochschulen von innen sehen können."

Eine Anschubfinanzierung für die Umsetzung der Europa-Universität finanziert die Landesregierung bereits mit 870.000 Euro für die Universität Freiburg und das Karlsruher Institut für Technologie. Zusammen mit europäischen und anderen Fördergeldern verfügt der "European Campus" damit über eine Anschubfinanzierung in Höhe von insgesamt 4,2 Millionen Euro.

"Wer will, der kann", zitierte Regionspräsident Jean Rottner ein altes Deutsch-Schulbuch und forderte von der ebenfalls anwesenden französischen Europaministerin Nathalie Loiseau die volle Unterstützung des Projektes aus Paris ein. Gefragt, ob das Universitätsmodell am Oberrhein denn in den für Herbst angekündigten neuen Elysée-Vertrag Eingang finde, antwortete die Ministerin, man wolle dort darstellen, was Deutschland und Frankreich gemeinsam leisten könnten.