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25. Oktober 2011 15:26 Uhr
Frankreich
TGV: In sechs Stunden von Freiburg an die Côte d’Azur
Frankreich schließt die letzte Lücke seiner Schnellzugverbindung – und setzt auf eine große Resonanz: Auf der Strecke Rhin-Rhône werden zehn Millionen Fahrgäste pro Jahr erwartet .
MULHOUSE. Es wird der Tag des TGV Rhin-Rhône: Mit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember nimmt die französische Bahn SNCF 140 Kilometer hochgeschwindigkeitstaugliche Schienen zwischen Petit-Croix in der Franche-Comté und dem burgundischen Dijon in Betrieb. Frankreichs ICE verkehrt fortan mit einer Reisegeschwindigkeit von 320 Stundenkilometern zwischen Mulhouse und Dijon und vervollständigt damit die TGV-Verbindung bis an das Mittelmeer. Zwischen Straßburg und Lyon verkürzt sich die Fahrzeit damit um 75 Minuten. Aus französischer Sicht gilt der TGV Rhin-Rhône zudem als kleine Revolution. "Er ist der erste TGV, der nicht nach Paris ausgerichtet ist", sagt der Regionaldirektor der SNCF im Elsass, Michel Loth, und meint damit, was man in Frankreich mit der Vernetzung innerhalb von Regionen, "von Provinz zu Provinz" beschreibt.
1900 Kilometer maß das französische Hochgeschwindigkeitsnetz bisher. Paris war im zentralistischen Frankreich auch in den 30 Jahren, in denen es den TGV gibt, stets das Zentrum aller Ausbauplanungen des schnellen Schienennetzes. Als 2007 der TGV Est zwischen Straßburg und der Hauptstadt in Betrieb genommen wurde, hatten die Elsässer nach zähem Ringen "ihren" TGV bekommen.
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Seitdem ist der Weg vom Elsass in Frankreichs Zentrum in etwas mehr als zwei Stunden zurückzulegen. Angesichts von zwölf Millionen Fahrgästen jährlich in diesem ostfranzösischen Teil des Hochgeschwindigkeitsnetzes nutzt das auch den elsässischen Weihnachtsmärkten, und den Unternehmen der Region.
Jene 3,7 Milliarden Euro Gesamtinvestitionen, von denen die Regionen entlang der Strecke für den Ausbau der Schieneninfrastruktur des TGV Rhin-Rhône einen gehörigen Batzen beigetragen haben – das Elsass beispielsweise steuerte 31,5 Prozent der Gesamtsumme bei – sollen sich für alle bezahlt machen.
Für den Anfang werden die Erwartungen, was die Fahrgäste betrifft, mit einer Million beziffert. Langfristig sollen es zehn Millionen und mehr werden. Eine Woche, nachdem Reservierungen für die neue Strecke überhaupt möglich sind, liegt ihre Zahl schon bei 70 000. Die schnellere Verbindung lohnt auch aus deutscher Sicht, und das nicht nur bis zum Mittelmeer. An der Strecke liegen mit der Kulturlandschaft der Bourgogne und ihren Weinbergen und der Franche-Comté einige lohnende Ziele für eine Kurzreise. Dennoch warten die beiden Bahngesellschaften bis kurz vor den Osterferien im März 2012 mit der ersten Direktverbindung ins deutsche Streckennetz, Frankfurt-Marseille.
Nach der Inbetriebnahme des TGV Rhin-Rhône wird es auch noch ein Jahr dauern bis zur Eröffnung der modernisierten Schienenverbindung Freiburg-Mulhouse. Von Dezember 2012 an bieten SNCF und DB – nach langen Anstrengungen muss man sagen: leider – nur einen direkten TGV nach Freiburg an. Zeitweise waren zwei Zugpaare im Gespräch. "Der TGV Rhin-Rhône wird allerdings auch von Straßburg aus mit dem deutschen Angebot, der Ortenau S-Bahn und den TGV aus Stuttgart vernetzt", so Loth.
Bevor der TGV aus Frankfurt kommend Straßburg erreicht, hält er in Deutschland in Mannheim, Karlsruhe und Baden-Baden. Von Freiburg aus dürften Reisende in etwa 30 Minuten Mulhouse erreichen. Von dort geht es in den neuen zweistöckigen Wagen vom Typ Euro Duplex in knapp einer Stunde nach Dijon und in drei Stunden nach Lyon. Sechsmal täglich fährt die SNCF dann nach Lyon, drei TGV fahren bis Marseille weiter. Fahrplanbeispiel: Abfahrt in Mulhouse um 7.07 Uhr, Ankunft in Marseille um 11.46 Uhr, das Ganze für 97 oder 120 Euro je nach Reisezeit. Zur Einführung gibt es die Tickets zu 22 Euro in der zweiten Klasse.
Zu Ende geschrieben ist die Geschichte des TGV Rhin-Rhône dabei längst nicht: Sobald die Finanzierung für die Anschlussstücke zwischen Petit-Croix und Mulhouse (35 km) und vor Dijon (15 km) gesichert ist – laut SNCF-Regionaldirektor ist man auf dem besten Weg – steht einer weiteren Beschleunigung nichts im Weg. Dann erreichen die TGV Mulhouse noch einmal zehn Minuten schneller.
In fernerer Zukunft folgt die nächste Etappe: Bislang fährt der TGV Rhin-Rhône von Mulhouse aus über Lyon auch nach Paris – für das Südelsass interessant, weil der Umweg über Straßburg wegfällt. Auf lange Sicht soll Dijon der Knotenpunkt für dann drei TGV-Arme werden. Ein dritter Ast wird aus dem Herzen des Burgund bis Paris, dem Zentrum aller französischen Anstrengungen, führen.
Autor: Bärbel Nückles
