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25. August 2015 19:42 Uhr

Baden-Airport

Thor-Steinar-Shirt bei Abschiebung getragen – Busfahrer gefeuert

Ein Busfahrer einer staatlichen Auftragsfirma soll abgewiesene Flüchtlinge zum Flughafen bringen. Dabei zeigt er sich mit Rechtsradikalen-Symbolik. Jetzt wurde er entlassen.

  1. Der Busfahrer mit Thor-Steinar-Emblem Foto: BZ

Begleitumstände einer Sammelabschiebung abgelehnter Asylbewerber vom Baden-Airport am Wochenbeginn haben Protest ausgelöst. Ein Fahrer des vom Regierungspräsidium Karlsruhe beauftragten Busunternehmens trug bei der Fahrt demonstrativ ein T-Shirt mit Thor-Steinar-Emblem, einer Marke, die bei Neonazis beliebt ist. Die Busfirma zeigt sich betroffen.

Es handelte sich, wie ein Sprecher der Karlsruher Behörde bestätigte, um eine jener Sammelabschiebungen, zu der es in letzter Zeit regelmäßig am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden kommt. Diesmal sind nach Angaben des Vereins Freiburger Forum etwa 75 Personen mit einer Maschine der Fluggesellschaft Bulgaria-Air nach Belgrad und Skopje ausgeflogen worden, darunter zur Hälfte Kinder und Jugendliche.

Busfahrer wurde gekündigt

Die Organisation, die sich gegen Abschiebungen wendet und für ein Bleiberecht in Deutschland einsetzt, weist darauf hin, dass die Abgeschobenen zum großen Teil Roma seien: Diese Gruppe werde in ihren Herkunftsländern auf dem Balkan – vor allem Serbien, Kosovo und Mazedonien – aus ethnischen und rassischen Gründen verfolgt.

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Der betreffende Fahrer der Pforzheimer Firma Eberhardt, der, wie Fotos belegen, im Dienst am Montag das Hemd mit der in der Szene einschlägig bekannten Marke getragen hat, sollte von der Firmenleitung befragt werden. Am Mittwochmorgen teilte das Busunternehmen der Badischen Zeitung mit, dem Fahrer sei noch am Vortag fristlos gekündigt worden.

Publik gemacht hatte den Fall der Grünen-Politiker Jörg Rupp aus Malsch. Er forderte Regierungspräsidentin Nicolette Kressl (SPD) schriftlich auf, dem Unternehmen umgehend den Auftrag für künftige Abschiebefahrten zu entziehen.

Die Karlsruher Behörde, die Sammelabschiebungen in Baden-Württemberg im Auftrag des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) organisiert, will erst die betriebsinterne Prüfung des Busunternehmens abwarten. Sprecher Uwe Herzel sagte, man erwarte, dass die Firma dem Sachverhalt nachgehe und gegebenenfalls "klar und eindeutig darlegt, dass sie das nicht toleriert". Der Busfahrer selbst ließ eine BZ-Anfrage zu seinen Motiven bis zum Abend unbeantwortet.

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Autor: Stefan Hupka