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30. März 2015

Kirchenvolksbewegung in Freiburg

"Wir sind Kirche" hofft auf Synode

Kirchenvolk erstmals in Freiburg / Kirchenrechtler: Laien können nicht Partner, nur Helfer sein.

FREIBURG. Wertschätzung hat die vom deutschen Episkopat bisher weitgehend ignorierte Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" am Wochenende in Freiburg bezogen. Zwar nicht von Erzbischof Stephan Burger, aber immerhin von seinem neuen Generalvikar. Axel Mehlmann anerkannte, "Wir sind Kirche" führe Menschen zusammen, "denen die Kirche nicht gleichgültig ist, sondern die sich für sie leidenschaftlich engagieren".

Mehlmann nahm das Wort von Papst Franziskus, die Laien stellten in der Kirche die "riesige Mehrheit", zum Anlass zu betonen, Ziel der Erzdiözese Freiburg sei ein enges Miteinander von Klerus und Laien. Einheit und Vielfalt machten den Reichtum der Kirche aus. Auf die Ziele von "Wir sind Kirche" – Abschaffung des Zölibats, Priesteramt für Frauen, Verzicht auf Klerikalismus, Mitwirkung der Laien bei der Bestellung von Bischöfen – ging der Generalvikar nicht ein.

Die von 70 Sympathisanten und Unterstützern besuchte Bundesversammlung von "Wir sind Kirche" tagte zum ersten Mal in Freiburg. "In unserer als liberal bekannten Erzdiözese", wie Vorstandsmitglied Hermann Schwörer in seinem Grußwort für den Diözesanrat betonte. Doch es habe allein an der Randlage Freiburgs gelegen, "weshalb wir nicht schon früher gekommen sind", sagte Christian Weisner, der Sprecher des Bundesteams.

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Thema der Versammlung waren auch die "defizitären Strukturen der Mitwirkung der Laien in der römischen Kirche". Professor Georg Bier, Ordinarius für Kirchenrecht an der Universität Freiburg, machte in seinem Referat "Partner oder Helfer?" denn auch unmissverständlich klar, welch subalternen Stellenwert die Laien in der römischen Kirche haben: "Der kirchenrechtliche Befund weist sie als Helfer, nicht als Partner des Klerus aus". Bier zufolge blockt das Kirchenrecht die Erneuerung der Kirche nicht, aber es folge strikt jenen theologischen Vorgaben, die deren hierarchische Struktur widerspiegelten. Schließlich sei die Kirche nicht demokratisch verfasst und ihre Lehre hänge "nicht von Mehrheiten, sondern allein von der Wahrheit ab".

Große Hoffnungen setzt die Bewegung auf die zweite Familiensynode, die Papst Franziskus für Oktober in den Vatikan einberufen hat. Sie solle, so Weisner, den "Verbotsmodus" überwinden, in dem die Kirche unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI. verharrt habe. Das setze voraus, dass sich die deutschen Bischöfe entschiedener für Fortschritte einsetzten. Sie sollten sich, fordert die Versammlung, an der Würzburger Synode orientieren, die bereits vor 40 Jahren wegweisende Beschlüsse für die Pastoral etwa von Katholiken verabschiedet habe, die geschieden und wieder verheiratet sind.

Bundessprecher Christian Weisner wie Generalvikar Axel Mehlmann tragen übereinstimmend die Motivation von Papst Franziskus mit, die katholische Kirche dürfe nicht um sich selber kreisen, sondern sie müsse "hinausgehen bis an die Ränder der Gesellschaft".

Autor: Gerhard Kiefer