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08. August 2017 15:39 Uhr

Obduktionsergebnis

Wolf aus dem Schluchsee wurde erschossen

Der tote Wolf, der am 8. Juli aus dem Schluchsee geborgen wurde, ist erschossen worden. Bei der Untersuchung des toten Tiers wurde ein Projektil in der Leber gefunden.

  1. Der Wolf aus dem Schluchsee wurde erschossen Foto: dpa

Die Untersuchung fand statt im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin. Erstmals seit mehr als 150 Jahren hat ein Mensch einen Wolf in Baden-Württemberg getötet. Die Staatsanwaltschaft Freiburg könnte bald ermitteln.

"Einen Wolf zu erschießen, ist eine Straftat", sagte Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) laut einer Pressemitteilung des Umweltministeriums am Dienstag in Stuttgart. "Ich bedauere es sehr, dass ein Mensch das Leben dieses seltenen Geschöpfes mit Gewalt ausgelöscht hat."

Der tote Wolf, der am 8. Juli an der Staumauer aus dem Schluchsee geborgen worden war, hatte Verletzungen an der Brust. Sie stammten von dem Geschoss, das jetzt in der Leber gefunden wurde.

Weitere Infos zum möglichen Tathergang teilte das Ministerium bewusst nicht mit, um die Suche nach dem Täter nicht zu gefährden. Für das vorsätzliche Töten eines Wolfes sehe das Bundesnaturschutzgesetz eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor, so das Ministerium. Diese Tierart unterliegt zudem internationalen Schutzvorschriften. Bei der Staatsanwaltschaft Freiburg hieß es, man warte auf die Erkenntnisse der Landesregierung und entscheide dann über Ermittlungen. "Wir haben den Vorgang im Blick", sagte ein Sprecher.

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Von Niedersachsen an den Schluchsee

Der aus Niedersachsen stammende Wolf habe bis zum Schluchsee mehr als 600 Kilometer zurückgelegt und sei mindestens zwei Wochen in Baden-Württemberg unterwegs gewesen. Nach Angaben der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg war es dasselbe Tier, das im Juni und Juli bei Überlingen am Bodensee und dann nahe Stockach, Bad Dürrheim und bei Breitnau im Hochschwarzwald gesehen worden war. Hinweise darauf, dass er bei seiner Wanderschaft Nutztiere wie Schafe oder Ziegen angegriffen oder gerissen hat, gebe es nicht, hieß es am Dienstag im Umweltministerium.

Im IZW ist der Schluchsee-Wolf untersucht worden. Ein hochentwickelter Computertomograf kann sogar feinste Geschosswolken nachweisen, wie eine Tierpathologin des Instituts der BZ im Juli erklärt hatte. Jeder tote Wolf aus Deutschland wird dort eingehend untersucht.

Langwierige Untersuchungen

Warum die Untersuchungen so lange gedauert haben? Diese Frage hatten in den vergangenen Wochen immer wieder auch Leser an die Badische Zeitung gerichtet. "Normalerweise dauern solche Untersuchungen zwischen zwei und vier Wochen", sagt Institutssprecher Steven Seet . Aber: "Wir haben am Institut natürlich nicht auf diesen einen Wolf gewartet", fügt der Sprecher hinzu. "Die Obduktion an sich geht sehr schnell – was dann zeitaufwändig ist, sind die Laboruntersuchungen im Anschluss", so Seet. "Wir schauen uns das Tier im Gesamten an – dazu gehört zum Beispiel auch, was für Parasiten das Tier hatte, welche Krankheiten, zu welchem Rudel er gehörte."

Der Prozess setze sich aus vielen kleinen Teilen zusammen. Dass der Schluchseewolf aus Niedersachsen stammte, hatte das Umweltministerium vor zwei Wochen aus Berlin erfahren. "Das sind Bruchstücke, die dann vorher bekanntgegeben werden können", sagt Seet.

Rückkehr des Wolfs

Wölfe sind in den vergangenen Jahren in immer mehr Bundesländer zurückgekehrt. Geschätzt leben derzeit rund 60 Rudel vor allem in Ostdeutschland. In Baden-Württemberg sind seit 2015 vier Tiere gesichtet worden. Zwei wurden überfahren, einer ist wohl verendet – der Vierte erschossen worden. Der Wolf war im 19. Jahrhundert ausgerottet worden. Das letzte Tier wurde in Württemberg 1865 im heutigen Kreis Heilbronn erlegt. Der letzte badische Wolf starb 1866 im heutigen Neckar-Odenwald-Kreis.

Laut Naturschutzbund Nabu ist das Schluchsee-Tier seit dem Jahr 2000 bundesweit bereits der 24. illegal getötete Wolf. Offenbar gebe es Menschen, die gezielt Jagd auf Wölfe machten, sagte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Behörden und Minister müssten entschlossener gegen illegale Wolfstötungen vorgehen und die Täter strafrechtlich verfolgen. Bislang gab es drei Verurteilungen – jedes Mal hatte sich der Täter gestellt.
Der Schluchsee-Wolf


Schneverdingen/Niedersachsen:
Der Wolf stammt laut Angaben des Senckenberg-Instituts für Wildtiergenetik ursprünglich aus Schneverdingen in Niedersachsen. Das Tier war eines von drei Welpen, die vor rund einem Jahr nachgewiesen wurden. Er war unter dem Kennzeichen GW 630 M registriert.

Überlingen/Stockach: Dort wurde der Wolf am 21. und 25. Juni gesehen.

Bad Dürrheim: Am 27. Juni wird östlich von Bad Dürrheim ein junger Wolf fotografiert. Es handelt sich laut Forstlicher Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg um den Wolf vom Bodensee.

Breitnau: Der Landwirtschaftsmeisterschüler Moritz Schuler aus Breitnau fotografiert am 4. Juli beim Mähen am Fahrenberg einen Wolf. Damit hat er den ersten lebenden Wolf der Gegenwart im Hochschwarzwald gesichtet.

Schluchsee: Am 8. Juli zieht die Feuerwehr ein totes Tier aus dem Schluchsee. Zunächst ging sie davon aus, es handele sich um einen toten Hund. Der Kadaver lag mehrere Tage tot im Wasser, sein Erhaltungszustand war schlecht. Eine zufällig involvierte Tierschützerin vermutete, dass es sich um einen Wolf handele, und informiert die FVA.

Freiburg: In der FVA wird das Tier untersucht und als Wolf identifiziert.

Berlin: Im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung wird der Kadaver obduziert – und ein Projektil gefunden.

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Autor: Susanne Gilg, Anika Maldacker und dpa, aktualisiert um 20.23 Uhr