Sulzburger Herbstkonzert mit großem Andrang

Jutta Geiger

Von Jutta Geiger

Di, 20. November 2018

Sulzburg

Konzert des Gesangvereins im Foyer der Ernst-Leitz-Schule stand ganz im Zeichen von Oper und Musical.

SULZBURG. Mit diesem Andrang beim Herbstkonzert des Gesangvereins Sulzburg hatte wohl keiner gerechnet, denn wer 15 Minuten vor Beginn erschien, fand nur noch besetzte Stuhlreihen vor und musste Glück haben, überhaupt noch einen Platz auf der Fensterbank oder der Treppe zu ergattern. Wer pünktlich kam, musste froh sein, einen Stehplatz zu finden, bei dem nicht irgend etwas die Sicht versperrte. Auch wäre eine Umgebung mit mehr Flair wünschenswert gewesen, denn die eng bestuhlte, kühl wirkende Aula ließ nicht wirklich Konzertstimmung aufkommen, ganz zu schweigen von dem zitronengelben Strahler, der den Sängerinnen und Sängern auf der rechten Seite eine Gesichtsfarbe bescherte, die alle krank aussehen ließ.

Doch die eher unvorteilhafte Kulisse war schnell vergessen, als das Konzert unter der Leitung von Harald Dringenberg und Antje Hepper, das ganz unter dem Motto "Oper und Musical" stand, begann. "Libertango" von Astor Piazzolla, gespielt von Carolin Wyneken am Cello und Gaidar Beskembirov am Klavier, stimmte die Konzertbesucher auf einen abwechslungsreichen Abend ein, der viele Höhepunkte bot. Bei "Zigeunerleben" von Robert Schumann wurde der gemischte Chor am Klavier begleitet, bevor zu den Highlights aus George Bizets Oper "Carmen" übergegangen wurde. Hier sah man im Publikum viele, die bei den Liedern mit dem Fuß im Takt wippten oder innerlich bei "Auf in den Kampf" mitsangen. Die musikalische Begleitung des Chors durch Andrana Domke und Wolfgang Rieder am Akkordeon sowie Antje Hepper an der Violine, sorgte für ein besonders rundes Hörerlebnis.

Für viel Erheiterung sorgte das Duett "Josef, ach Josef, was bist du so keusch?" aus der Operette Madame Pompadour, das durch den schnellen Text höchste Konzentration der Sänger, Heidi Schmidt und Samuel Greiner, forderte, die das Duett nicht nur stimmlich, sondern auch schauspielerisch wunderbar meisterten. Flott weiter ging es anschließend mit dem Titelsong und "Think of me" aus Andrew Lloyd Webbers Phantom der Oper, bevor zu den Highlights aus Leonard Bernsteins West Side Story übergegangen wurde.

Die Stücke "Tonight" sowie "One hand, one heart" sang der ganze Chor, bei "Maria" und "Somewhere" glänzten noch einmal Samuel Greiner und Heidi Schmidt als Solisten. Danach stellte sich der gemischte Chor kurzerhand nach Geschlechtern getrennt auf, da "America" auf Deutsch gesungen einem perfekten Schlagabtausch zwischen Frauen und Männern gleichkam.

Der "Tango El Día que me quieras", vorgetragen von Carolin Wyneken am Cello und Gaidar Beskembirov am Klavier, läutete die Umstellung auf andere Musik und die jüngere Garnitur an Sängerinnen und Sängern ein, denn nun betrat der zwölfköpfige Jugendchor "Alive2sing", dem immerhin zwei Jungs angehören, die Bühne und sorgte mit "Hit the Road, Jack", "Lavender’s blue" und "Bei mir bist du schön" für fetzige Rhythmen und gute Stimmung. Noch einmal eine andere Musikrichtung schlugen danach das Frauen-Ensemble des Gesangvereins und die Mädchen des Jugendchors ein, die gemeinsam "Amazing grace", ein Lied geistlicher Herkunft, das weltweit zu den beliebtesten Kirchenliedern zählt, sangen und mit dem Popsong "You raise me up", von dem es zahlreiche Coverversionen gibt, gleich noch eins drauf setzten. Zu guter Letzt trat noch einmal der gemischte Chor auf die Bühne, um mit dem Spiritual "Swing Low, Sweet Chariot" das Ende des Konzerts einzuläuten, was dem Publikum jedoch eindeutig zu kurz war. Mit lautem Klatschen forderten die Zuhörer eine Zugabe und bekamen sie dann auch – in Form einer Wiederholung aus der West Side Story-Sammlung.