Tanz, Gesang und eine furiose Show

Bianca Flier

Von Bianca Flier

Mo, 09. Oktober 2017

Sulzburg

Der südafrikansiche Lesedi Show Choir gastierte am Donnerstag in der Kirche St. Cyriak in Sulzburg.

SULZBURG. Ein außergewöhnliches Gastspiel gab der Lesedi Show Choir aus Südafrika in der ehemaligen Klosterkirche St. Cyriak in Sulzburg. Unter der Leitung von Thabang Mokoena begeisterte das Ensemble mit facettenreichen Liedern, Tänzen und Showeinlagen die zahlreich erschienenen Afrika-Freunde. Der Lesedi Show Choir kommt aus Heidelberg in der südafrikanischen Provinz Gauteng.

Mokoena und sein Team boten eine unterhaltsame Folklore-Show – ihr Anliegen aber geht weit darüber hinaus. Die Musiker haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihrem Publikum Historisches und Gegenwärtiges aus ihrer Heimat nahezubringen. Dabei greifen sie aber nicht nur auf die Kultur ihrer südafrikanischen Heimat zurück, sondern präsentieren auch Stammestänze und Lieder anderer ethnischen Gruppen und Regionen Afrikas, beispielsweise aus Kenia und Ghana.

Schon der Konzertauftakt mit dem Einzug in die Kirche war eindrucksvoll. Singend und tanzend bewegten sich die zwölf Männer und Frauen von Lesedi durch den Mittelgang nach vorne. Die Show, die folgte, war an mitreißender Intensität und rasantem Tempo kaum zu überbieten. Gesänge voller Temperament, aber auch zarte Lieder, immer begleitet von Bewegung und Tanz, wirkten wie magisch auf das Publikum.

In Afrika singt und tanzt man in der Kirche

Chorleiter Mokoena kommentierte die Darbietung immer wieder, unterstützt durch Mitorganisatorin Eva Buckman, die übersetzte. Gospels, Liebeslieder und Alltagslieder bilden die Schwerpunkte des Repertoires. Das Besondere, das die Darbietungen Lesedis von westlichen Shows und Songs abhebt: Die Musiker sind sehr glaubensverbunden. So sind Titel und Texte wie "Gott segne uns", "Gott schütze uns" oder "Watch your Soul" keine Seltenheit. In Afrika, so Mokoena, singe und tanze man auch in der Kirche, anders wäre der Gottesdienst nicht vorstellbar. Selbst die wildesten Tänze und Vorträge sind von der engen Verknüpfung aus Musik und Glauben geprägt, da machte sogar ein fulminanter Kriegstanz der Zulu keine Ausnahme. Musik, Singen und Tanzen, das sei auch Medizin. So erzählte einer der Ensemble-Sänger von der Scheidung seiner Eltern, die für ihn sehr traurig gewesen sei, doch durch die Musik sei seine Familie wieder "geheilt" worden. Darin spiegle sich die afrikanische Weisheit, dass Erkrankungen der Seele durch fröhliches Singen überwunden werden könnten. Der Lesedi Show Choir zeigte seinem Publikum, wie eine solche Therapie funktioniert, und das Publikum ließ sich mitreißen und sang, klatschte und lachte mit – ganz nach dem Motto: "Wenn du traurig bist, sing einfach ein Lied". Die meisten Lieder waren dem Publikum nicht bekannt, aber es gab Ausnahmen wie "The Lions sleeps tonight", wobei die intensive und geheimnisvolle Interpretation des bekannten Songs ihm neuen Charme verlieh.

Im zweiten Teil ihrer Show traten die Chor-Mitglieder als südafrikanische Minenarbeiter auf. Der "Gamboot-Song" – übersetzt "Gummistiefel-Song" – mit seinen witzigen Show-Elementen war dabei nur vordergründig komisch, denn die Arbeiter in den Diamant-Minen hätten ein schweres Leben, was der Lesedi-Choir in traurigen Geschichten vermittelte. Der Chor zeigte aber auch, wie wichtig Humor ist: Mit Bewegungen, die dem bayrischen Schuhplatteln ähneln, verständigten sich die Minenarbeiter untereinander und machten sich über ihre "Herren" lustig.Jede Darbietung wurde vom Publikum mit ohrenbetäubendem Applaus honoriert. In der Pause wurde selbst gemachter afrikanischer Schmuck und eine CD des Chores verkauft. Der Erlös davon geht, wie das mit dem Verkauf von Erfrischungen erzielte Geld, an den Lesedi Show Choir. Denn das Ensemble organisiert und finanziert sich komplett selbst, dank vieler Engagements.