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02. November 2017

Ein federleichtes Spiel, virtuos, akzentuiert, präzise

Das chilenische Duo Mendieta-Orlandini mit einem beeindruckenden Auftritt in der evangelischen Kirche Köndringen .

  1. Das Duo Mendieta-Orlandini in der Evangelischen Kirche Köndringen Foto: Georg Voß

TENINGEN-KÖNDRINGEN. Die Winzerkapelle Köndringen präsentierte am Samstagabend in der evangelischen Kirche in Köndringen einen musikalischen Hochkaräter. Gut 150 Besucher kamen, um das klassische Konzert des chilenischen Duos Mendieta-Orlandini anzuhören.

Hinter den Namen verbergen sich der Musikdirektor und Flötist Alfredo Manuel Mendieta Vigueras und der klassische Konzertgitarrist Luis Orlandini. 2002 übernahm der 1963 in Santiago de Chile geborene Alfredo Mendieta die musikalische Leitung der Winzerkapelle Köndringen und unternahm mit ihr 2009 eine Konzerttournee durch Südbrasilien und 2013 durch Chile. Der ein Jahr ältere Luis Orlandini kommt ebenfalls aus Santiago de Chile. Neben seiner breit angelegten internationalen Konzerttätigkeit ist er auch Professor für Gitarre und Kammermusik an der Fakultät der Künste der Universidad de Chile sowie auch an der Pontificia Universidad Católica. Als Duo spielten Mendieta-Orlandini mehrere CD ein und tourten durch Europa und Südamerika.

Nun machten sie auch in der evangelischen Kirche Köndringen Station. Sie spielen virtuos, akzentuiert und präzise und das mit einer unnachahmlichen Leichtigkeit und Spielfreude. Das Duo eröffnet sein Konzert mit barocken Klängen von Johann Sebastian Bach. Bach schrieb das kammermusikalische Stück ursprünglich für Flöte und Basso Continuo. Das Duo spielt sich federleicht durch die viersätzige "Sonate BWV 1035", vom ruhigen Adagio über das fröhliche Allegro, dem süßlichen Siciliano und dem raschen Allegro zum Abschluss.

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"In Chlie gibt es kein einziges Stück für Gitarre und Flöte", kündigt Alfredo Mendieta das nächste Stück an. Der chilenische Komponist und Organist Miguel Letelier (1939-2016) widmete dem Duo die dreisätzige "Raveliana" aus dem Jahr 1984. Die Komposition fließt wie ein Bach mit vielen Verzierungen und nimmt mit dem Allegro auch Fahrt auf. Noch vor der Pause ein musikalischer Höhepunkt mit der "Fantasia pastoral húngara op. 26" aus der Feder des österreichisch-ungarischen Komponisten und Flötisten Albert Franz Doppler (1821-1883). Dieses Werk ist ursprünglich für Flöte und Klavier geschrieben worden, doch die Gitarrenstimme wurde von Luis Orlandini transkribiert und meisterhaft vorgetragen mit komplizierten Akkordfolgen und akzentuierten Pausen; dazu die zauberhafte Flöte von Alfredo Mendieta.

Nach der Pause unternehmen die Musiker eine Reise durch den Impressionismus. Zuerst spielt Alfredo Mendieta ein Solo für Flöte von Claude Debussy (1862-1918), während Luis Orlandini Debussys "La fille aux cheveux de lin" auf der Sologitarre folgen lässt. Die letzten beiden Stücke am Abend sind Tänzen gewidmet. Zuerst "6 rumänische Tänze" des ungarischen Komponisten und Pianisten Béla Bartók (1881-1945), ursprünglich geschrieben für Klavier. Mit Gitarre und Flöte bekommen diese Tänze einen grazilen folkloristischen Charakter. Zum Abschluss "3 Tänze aus dem Ballett Gajaneh" von Aram Khatschaturjan (1903-1978). Der im georgischen Tiflis geborene und in Moskau gestorbene Komponist schöpft ebenfalls aus dem Repertoire der armenischen-georgischen und kaukasischen Volksmusik. Zu hören sind in Köndringen der reizvolle "Tanz der Rosenmädchen", das sanfte, aber sich steigernde "Schlaflied" und "Lezghinka", ein kaukasischer Volkstanz. Als Zugabe spielen Mendieta-Orlandini Stücke aus Chile und Brasilien. Auch dafür gibt es den mehr als berechtigten und überaus verdienten langen Applaus.

Autor: Georg Voß