"Hilla gehört zu Teningen"

Patrik Müller

Von Patrik Müller

Do, 14. Juli 2016

Teningen

Das Rebay-Haus hat einen neuen Ausstellungsraum.

TENINGEN. Erst war es ein Badezimmer, dann eine Rumpelkammer, jetzt ist es ein Ausstellungsraum: Die Mitglieder des Fördervereines haben ein Minizimmer im Rebay-Haus leergeräumt, renoviert und umgebaut – und zeigen auf knapp zehn Quadratmetern Exponate, die sich mit Hillas Verhältnis zu ihrem Heimatort Teningen befassen.

Alte Postkarten und sepiafarbene Fotos hängen hinter Glas, in durchsichtigen Kästen liegt eine Kinderpuppe neben Damenschuhen und einer abenteuerlich geriffelten Blumenvase. Eine Vitrine an der Wand gegenüber zeigt Handtaschen und Schmuckstücke. "Wir haben auch noch jede Menge anderes Zeug", sagt Bernd Müller.

Er und Christina Beck-Nägele leiten den Förderverein, der sich um das Museum in Hilla von Rebays früherem Wohnhaus in der Emmendinger Straße kümmert. Der hat in den vergangenen Jahren in Tausenden von ehrenamtlichen Arbeitsstunden zwei von drei Stockwerken in ein Museum verwandelt, in dem heute sogar acht Werke aus dem Fundus des New Yorker Guggenheim-Museums gezeigt werden (die BZ berichtete). Der neue Ausstellungsraum erweitert das Museum um eine neue Komponente – es geht um Hilla von Rebay und ihren Bezug zu Teningen.

Ein braves Mädchen wollte Hilla von Rebay nie sein

Der wird vor allem in alten Fotos und Postkarten deutlich. 1919 waren Hillas Eltern nach Teningen gezogen, im Jahr 1927 wanderte sie nach Amerika aus und schrieb häufiger an alte Bekannte und Dienstboten. Auf den Vorderseiten sind Touri-Motive aus den Vereinigten Staaten zu sehen – das Rockefeller Center in New York, das Kapitol in Washington, das Chrysler Motors Building auf der Weltausstellung in Chicago. Die Rückseiten sind eng und krakelig beschrieben, Hilla nutzte den Platz voll aus und gab statt Straße und Hausnummer nur "Rebay Haus" an.

"Hilla gehört zu Teningen", sagt Müller. "Sie war eine ungewöhnliche Frau, die für die damalige Zeit viel erreicht hat", ergänzt seine Kollegin Beck-Nägele. "Wenn sie ein braves Mädchen gewesen wäre, hätte man sie verheiratet."

Der neue Ausstellungsraum war früher ein Badezimmer, später wurde er vor allem als Abstellkammer genutzt. "Man konnte nur drei Meter rein, hinten waren ein Kühlschrank und aufgestapelte Stühle", erzählt Müller. "Das Zimmer war zugemüllt."

Eigentlich dachten die Museumsmacher, sie bräuchten den Raum nicht. Doch dann erhielten sie "einen Haufen" (Müller) alte Fotos für ihre Sammlung und entschieden sich um. In einigen der Handtaschen fanden sie noch Schmuck – kein Gold, kein Silber, nur Blech. "Ich bin extra nach Emmendingen zum Juwelier gefahren", sagt Christina Beck-Nägele. "Wir wollten nicht, dass sich ihre Familie beschwert." Mit der pflegt der Förderverein aber ohnehin ein gutes Verhältnis. Müller: "Konstanze von Rebay erzählt immer: Wenn Tante Hilla sehen würde, was man hier für sie tut – sie wäre im Himmel!"

Info: Rebay-Haus Teningen. Geöffnet Sonntags 14 bis 17 Uhr (am 25. Juli beginnt die Sommerpause) sowie auf Anfrage: rebay-foerderverein@t-online.de.