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26. August 2015

Hoch auf dem roten Wagen

Minister Alexander Bonde auf dem Reiterhof: Bei Xaver Königer in Nimburg sind Dünger und Spritzmittel überflüssig.

  1. Mit Kutscher Xaver Königer unterwegs Foto: Georg Voß

TENINGEN-NIMBURG. Der Landesminister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Alexander Bonde (Grüne) erkundigte sich am Dienstag auf seiner Sommertour hoch oben auf einer zweispännigen Kutsche auf dem Reiterhof Königer über die Landschaftserhaltungsverbände. Diese Verbände organisieren Landschaftspflegemaßnahmen in den Schutzgebieten des Landes und tragen so zum Schutz der biologischen Vielfalt maßgeblich bei.

"Es ist eine sehr gute Wahl", sagte Landrat Hanno Hurth bei der Begrüßung, "denn der Landschaftserhaltungsverband Emmendingen ist der älteste in Baden-Württemberg." Im Jahr 1991 wurde der erste Verband dieser Art in Emmendingen gegründet. Die Hauptakteure, die Landwirte, erhalten dabei einen fünfjährigen Vertrag. Am Anfang standen 200 Hektar unter Vertrag und mittlerweile seien es 1400 Hektar, so Hanno Hurth. Teningens Bürgermeister Heinz-Rudolf Hagenacker würdigt die Arbeit der Verbände. "Wir leben in einer Kulturlandschaft, in der der Landeserhaltungsverband eine flankierende Stütze darstellt."

24 Pferde, 14 Hektar und ein glücklicher Landwirt

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Der Reiterhof Königer hat 24 Pferde und mehr als hundert Reiter und Reiterinnen. "Ich bin der glücklichste Landwirt", sagt Xaver Köninger über sich und seinen Betrieb. Seit 15 Jahren sei er im Landschaftserhaltungsverband. Der Betrieb bewirtschaftet 14 Hektar extensives Grünland im Rahmen der Biotopvernetzungskonzeption der Gemeinde Teningen. "Ich brauche keinen Dünger und keine Spritzmittel", sagt Königer. Er produziert auf seinen Magerwiesen mehr Heu, als er selbst benötigt. Der Rest werde gelagert und später zu Mist verarbeitet – im Rahmen einer Kreislaufwirtschaft.

Für Minister Alexander Bonde ist es eine große Herausforderung, die Artenvielfalt zu bewahren. "Jede Art, die verloren geht, ist auch unwiderruflich ein Verlust für die Menschen. Bisher ist das Artensterben nicht gestoppt worden. Daher tragen wir eine große Verantwortung." Daher müsse die Kulturlandschaft erhalten und deren Identität bewahrt werden. "Dies geht nur gemeinsam mit den Landwirten, die auch leben müssen." Als Minister für den ländlichen Raum ist es ihm wichtig, flächendeckend Landschaftserhaltungsverbände zu errichten. Mittlerweile seien 30 Landkreise dabei. Xaver Königer selbst hielt die Zügel der beiden Pferde, die die Kutsche durch seine Wiesen und Felder zogen. In der Kutsche selbst Alexander Bonde, Hanno Hurth und Heinz-Rudolf Hagenacker. Neben Xaver Königer saß Hans Page, Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverbands Emmendingen.

"Mittlerweile rennen uns die Landwirte die Bude ein"

Unterwegs hielt der Tross direkt an einer extensiv genutzten Wiesenfläche. "Hier haben wir Altgrasstreifen stehen lassen", sagt Xaver Königer. Es sei das "top-up" im Landwirtschaftspflegevertrag. Solche Wiesen sind notwendig für die Erhaltung der Arten, prägen aber auch auf der anderen Seite als unverzichtbare Museumskulturen die Kulturlandschaft. "Wenn die Heuernte nicht reicht, wird der Minderertrag mittels der Verträge ausgeglichen", erklärt Hans Page. "Mittlerweile rennen uns die Landwirte die Bude ein". Durch die Fünfjahresverträge mit den Landwirten wird somit Raum gegeben für Heckenpflege, Streuobstwiesen und der Gewässerrenaturierung. Das Gesamtbudget des Landeserhaltungsverbands beträgt so 900 000 Euro. "Doch ohne Unterstützung durch die Landesregierung wäre das nicht möglich."

Autor: Georg Voss