900 Jahre Freiburg

Teures Stadtjubiläum: Mundel kritisiert den Gemeinderat

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Mo, 13. Februar 2017 um 19:46 Uhr

Freiburg

Die Freiburger Intendantin Barbara Mundel ist stinksauer. Ihr Konzept für ein neun Millionen Euro teures Stadtjubiläum wurde abgelehnt. Erfahren hat sie das aus der BZ. Das sei kein guter Stil, so die Kuratorin.

Im Streit um das neun Millionen Euro teure Konzept für den 900. Stadtgeburtstag 2020 hofft Theaterintendantin und Kuratorin Barbara Mundel, dass es noch einmal einen "geregelten Austausch" mit dem Gemeinderat gibt. Mundel selbst sagt, das Rathaus habe als Rahmen für das Budget "eine Summe im oberen einstelligen Millionenbereich" vorgegeben. Dass die Kuratorin aus der BZ erfahren musste, dass sich eine deutliche Ratsmehrheit gegen ihr Neun-Millionen-Konzept stellt, kritisierte Mundel als "keinen guten Stil".

Am Montag hat sich erstmals die Intendantin geäußert. Die Debatte sei für sie "rufschädigend und existentiell", sagt sie. Die 58-Jährige scheidet bekanntlich im Sommer als Intendantin des Theaters aus und sollte im Anschluss daran im Fulltimejob das Stadtjubiläum auf die Beine stellen. Einen Vertrag hatte sie noch nicht unterzeichnet.

Andere Jobs abgesagt

Sie geht davon aus, dass das Rathaus in diesem Punkt eine Verständigung mit ihr herbeiführen werde. Anfragen für Leitungsjobs bei anderen Theatern habe sie, so Mundel, mit Blick aufs Stadtjubiläum abgesagt. Ist vor diesem Hintergrund das Vorgehen des Gemeinderates für sie nicht besonders ärgerlich?

Die Umschreibung "ärgerlich" treffe den Vorgang "noch nicht einmal zu zehn Prozent", sagt die Intendantin. Die Frage, ob sie in der interfraktionellen Konzeptvorstellung genug Rückendeckung von der Stadtspitze gespürt habe, lässt sie unbeantwortet: "Dazu möchte ich mich jetzt nicht äußern."

Konzept mit bundesweiter Ausstrahlung

Die Intendantin betont, dass sie sich bei den Kosten für ihr auf bundesweite Ausstrahlung zielendes Konzept "Brücken bauen und neue Wege finden" an die Budgetvorgaben aus dem Rathaus gehalten habe. Auch mit dem Gemeinderat sei die Summe immer wieder rückgekoppelt worden.

Am Freitag vorvergangener Woche war das Konzept Vertretern der Ratsfraktionen vorgestellt worden. Die Rückmeldungen sollten noch in das sieben Seiten umfassende schriftliche Konzept eingearbeitet werden. Doch bevor dies dann verschickt wurde, stand das Nein der Ratsmehrheit. Die will aufgrund der Haushaltslage und diverser Kürzungen keinen zusätzlichen Millionenkredit wegen des Stadtjubiläums aufnehmen.

Kleiner Spielraum beim Budget

Barbara Mundel sagt, sie sei auf Diskussionen eingestellt gewesen. Und ihr sei klar, dass das Stadtparlament die Budgethoheit habe: "Wenn der Gemeinderat sagt: Wir können das unseren Wählern nicht verkaufen, ist das ein klares Votum." Sie sei nicht beauftragt worden, ein Konzept für eine Million Euro zu erstellen und daran vier Jahre zu arbeiten.
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Die Kuratorin sagt, sie hätte bei ihrer Berufung im Mai 2015 schon gerne gewusst, welches Budget der Gemeinderat zur Verfügung stellt. In ihrem Budgetrohentwurf sei zwar noch etwas Spielraum: "Aber man kann nicht das Grundkonzept halbieren und denken, man habe das Gleiche", sagt sie. Gehe es nun darum, einfach nur alles, was es in Freiburg gebe, zusammenzuholen, dann sei sie für diese "Sammeltätigkeit" eine Fehlbesetzung. Ihre Grundidee sei gewesen, dass sich eine Stadt sich auf den Weg mache, um über ihre Zukunft nachzudenken.

Am heutigen Dienstag werden die Gemeinderäte in der nichtöffentlichen Sitzung über das Thema Stadtjubiläum reden. Einen Beschluss wird es nicht geben. Aber das weitere Vorgehen soll besprochen werden.

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