Bühne

Der "Roman de Fauvel" mit Musik am Theater Basel

Bettina Schulte

Von Bettina Schulte

Fr, 29. April 2016

Theater

Karmina Šilec inszeniert am Theater Basel den mittelalterlichen "Roman de Fauvel".

Fauvel ist eine Abkürzung. Sie steht für sechs schwerwiegende Laster: Flatterie (Schmeichelei), Avarice (Geiz), Uiléni (Niedertracht), Variété (Unbeständigkeit), Envie (Neid) und Lacheté (Feigheit). Der "Roman de Fauvel" entstammt der literarischen Unterwelt des Mittelalters und hat es von dort auf die Große Bühne des Basler Theaters geschafft.

Es handelt sich um eine musikalische Uraufführung mit der Musik ("Fauvel ’86") von Lojze Lebic (Jahrgang 1934), einem der führenden slowenischen Komponisten, unter der Regie von Karmina Šilec. Die gebürtige Slowenin ist Spezialistin für Vokaltheater. Bei ihr steht der Chor im Mittelpunkt. Das Ensemble – nicht einzelne Sänger – ist das Ereignis dieser ungewöhnlichen Produktion im Grenzland zwischen Oper, Tanz und Theater, das die Künstlerin selbst "Theater der Stimmen" genannt hat. Mit ihren Multimediaaufführungen hat sie neue Impulse im Musiktheater gesetzt.

Mit ihrem Ensemble Carmina Slovencia ist sie auf internationalen Festivals zu Gast – in Basel hat sie mit dem Opernchor gearbeitet, einem Ensemble aus 38 Sängern und Sängerinnen aus elf Nationen. Daneben gibt es zwei Solopartien: Fauvel, den Antihelden, eine Kreuzung aus Esel und Mensch (der Tenor Karl-Heinz Brandt) und Fortuna (die Sopranistin Meike Hartmann), die den Ehekandidaten Fauvel zurückweist und ihm stattdessen ihr Dienstmädchen anbietet, mit dem Fauvel in die Stadt Esperanza zieht, um sie dort zu ehelichen.

"Fauvel" ist ein Erzeugnis mittelalterlicher Gesellschaftskritik und damit ein Gegenstück zu den populären Heldenliedern. Fauvels absurder Aufstieg zum König ist Ausdruck einer auf den Kopf gestellten göttlichen Ordnung. Es handelt sich um eines der frühesten Musiktheaterstücke, das einen wichtigen Platz in der Literatur- und Musikgeschichte einnimmt.

Termin: Basel, "Roman de Fauvel", Theater, Große Bühne, Fr, 29. April, 19.30 Uhr