Grenzen und Träume

Marion Klötzer

Von Marion Klötzer

Di, 16. Januar 2018

Theater

"Café Europa", die neuste Produktion des studentischen Mondo Musiktheaters, hatte Premiere.

Tresen, Sofa, Bistro-Bestuhlung – viel mehr Bühnenbild braucht es nicht beim neuen Musical "Café Europa" des studentischen Mondo Musiktheaters, das jetzt in der ausverkauften Freiburger Mensabar Premiere feierte. Wer in den zehn Jahren seit Gründung (2007, anlässlich des 550-jährigen Bestehens der Universität) Gelegenheit hatte, einige Produktionen des freien und ständig wechselnden Ensembles zu sehen, weiß um die Güte der Arbeit von Regisseurin Stephanie Heine und des musikalischen Leiters Dominik Hormuth: Selten bekommt man bei einem Laien-Musical soviel sprühende Kreativität und Dynamik zu sehen, zumal Storyline, Charaktere, Arrangements und Choreografien dieses mal von der Truppe selbst entwickelt wurden.

Um Europa geht es, um Grenzen und Träume, Politik und Kapitalismus, vor allem aber um ganz unterschiedliche junge Menschen, die einander begegnen. Und wo wäre solch Aufeinandertreffen von Meinungen und Kulturen schlüssiger, als in einem Café? – Eben noch beseitigt die resolute Bedienung Hanna (Marie Lemor) das Vorabend-Chaos, während der konservative Joschi (Philipp George) und Weltenbummler Gianni (Juy Chu Chak) über Heimat schwadronieren, da wirbelt schon die aufgekratzte Anja aus Tschechien (Nora Marieke Pfützner) herein, die hier mit ihrem One-Night-Stand verabredet ist. – Sie wird im Laufe dieses turbulenten Abends nicht die einzige bleiben, hat jener geheimnisvolle Hatch doch auch noch Jenna aus England, Jannika aus Schweden (Sophie Hänsler), Anaïs aus Frankreich, Joya aus Argentinien und Ivona aus Rumänien (Pia Rafalski) per SMS ins Europa-Café bestellt.– Zur Freude der Barkeeperin und ihres Chefs Joe (Nassrat Rogh), die nun Zeugen eines emotionsgeladenen Spektakels werden.

Stoff genug also für Zickenkrieg, wilde Diskussionen, Streit und Versöhnung, vor allem aber für tolle Songs und mitreißende Choreografien, von der Live-Band (Dominik Hormuth, Johannes Willrett und Heiko Schulze) mit viel Schwung begleitet. So gibt es nicht nur komplex arrangierte Medleys und Lieder aus "Cabaret", von Kurt Weill, Astor Piazzolla oder Leonard Bernstein, sondern auch selbstgeschriebene Raps, Slam Poetry- und Kabarett-Texte. Auch eine besonders schöne Europa-Hymne ist dabei…

Überhaupt sind Niveau und Energie beeindruckend, die Rollen nicht nur passgenau besetzt, sondern auch mit allerlei kulturellen Besonderheiten und Macken ausgestattet: Susanne Reinfeld gibt ihre Miss Brexit als ebenso verschnupfte wie hysterische Lady, Angelina Marina Hamacher ist eine hinreißend-versoffene Französin, Carolina Attoumani Diaz spielt Joya mit Gefühl und Temperament. Dazwischen gibt es originelle Beatboxing- und Tanzeinlagen. Als dann noch Lukas Mak als Hans aus Tennessee auftaucht und seinen Senf zur europäischen Vielfalt gibt, ist längst klar, dass es hier nicht um Hatch geht, sondern um die Sehnsucht nach Freiheit und Heimat. Fazit: Eine musikalische Liebeserklärung an ein Europa ohne Grenzen…

Weitere Vorstellungen: Am 19., 20., 21., 26., 27. Januar, jeweils um 20 Uhr, am 28.1. um 17 Uhr. Mensabar, Rempartstrasse, Freiburg. Zusatzvorstellung: 2. Februar, 19 Uhr, Theatersaal des Augustinums St. Georgen. BZ Karten-Service: Tel. 0761/4968888.