Burghof Lörrach

Kabarattistin Sarah Hakenberg und ihr Programm „Nur Mut!“

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Mo, 19. Dezember 2016

Theater

Die Kabarettistin Sarah Hakenberg im Burghof in Lörrach.

Es gibt 650 wissenschaftlich anerkannte Ängste. Vor allem Möglichen und Unmöglichen kann man sich ängstigen, nicht nur vor Spinnen und vor Schlangen, vor Terror oder Katastrophen. Es gibt auch Menschen, die ängstigen sich vor Truthähnen, gerade wieder modern ist die Angst vor ungesunden Nahrungsmitteln. Man müsse die Ängste der Menschen ernst nehmen, heißt es immer wieder. Sarah Hakenberg macht sich darüber lustig, mit jeder Menge Ironie und schwarzem Humor, dargeboten mit einem herzerfrischenden Charme. "Nur Mut!" heißt deswegen ihr aktuelles Kabarettprogramm, mit dem sie am Freitagabend vor annähernd 300 Zuschauern im Lörracher Burghof auftrat. Denn am Besten hilft gegen Ängste, wenn man über sie lachen kann.

Sie selbst, sagte Sarah Hakenberg, fürchte sich vor Spinnen. Dass sie ihr ins Gesicht springen und sie aufessen. "Das werden sie nicht tun", beruhigte sie sich und schränkte ein: "Meistens." Sie sang ein Lied von einer, die Angst um ihr Geld hat, doch jetzt ist sie blank, denn sie vertraute ihrer Bank. Oder einem, der Angst hat vor Haien, deshalb schwimmt er nicht hinaus und denkt, so könne ihm der Hai nichts machen. "Doch ausgerechnet heute schwimmt der Hai im Flachen." Eine ganze Reihe obskurer Ängste hat sie auch entdeckt: Aulophobie – die Angst vor Flöten. Gelotophobie – die Angst vor dem Lachen. Cenosillicaphobie – die Angst vor leeren Gläsern. Arachibutyrophobie – die Angst, dass Erdnussbutter am Gaumen kleben bleibt. Oder: Anatidaephobie – die Angst, von einer Ente beobachtet zu werden. All das sind wissenschaftlich anerkannte Ängste, versicherte Hakenberg. Völlig übertrieben seien oft die Ängste, die Eltern um ihre Kinder haben, und sie ließ sich über die Angst der Fußballer aus zu outen, dass sie schwul sind. So lange sie das nicht tun, müsse man eben Spielerfrauen noch ertragen, sang sie. Aber auch wegen der Kinder könne man Ängste entwickeln: "Unser Sohn ist Schalke-Fan – wenn das die Nachbarn sehn ..." Auf Anregung des Publikums ersetzte sie spontan Schalke gegen Stuttgart und bekam dafür viel (badischen) Applaus.

Einen großen Teil ihrer Texte verpackte sie in Lieder und erwies sich als tolle Sängerin und ausgezeichnete Pianistin. Sie erklärte, wie man mit Musik Stimmung erzeugen kann und Ängste. Besonders bedrückend wirke d-Moll, die Tonart in der Mozart sein Requiem geschrieben hat und Franz Schubert "Der Tod und das Mädchen", und sie ließ einen besonders teuflischen d-Moll-Akkord erklingen, nämlich die Tonfolge afd.

Sarah Hakenberg kommt aus Zorneding bei München, das vor einigen Monaten Schlagzeilen machte, weil ein katholischer aus Afrika stammender Pfarrer rassistisch angefeindet wurde. "Das ist schon eine Zumutung für uns Kabarettisten, dass wir jetzt katholische Pfarrer verteidigen müssen", meinte sie. "Dass Menschen Angst haben vor Menschen, nur weil sie in einer anderen Kultur aufgewachsen sind, ist völlig irrational", stellte sie fest und empfahl, sich ein Beispiel an Kindern zu nehmen, die Neuem und Anderem mit Neugier begegnen. Mit oft schwarzem Humor, den sie mit munterer Fröhlichkeit vorbrachte, sang sie vom Kinderfest der NPD, von der Torschluss- und der Torschusspanik von Jeanette, die mit jedem ins Bett geht, oder wie auf einen Heiratsantrag zu reagieren wäre.

Vom Seniorenyoga handelte ein makabres Lied, und wenn einen Menschen ärgern, empfahl sie: "Oft hilft ein kleiner Mord in Gedanken." Manches in den gesprochenen Texten wirkte auf glänzende Weise spontan improvisiert, wobei sie auch vor Selbstironie nicht zurückschreckte, wenn sie etwa meinte, das Publikum sei ihr milder gestimmt, weil sie schwanger ist. Durch die heitere, unbekümmerte Art kam auch schwärzester Humor freundlich an. Erfrischend charmant machte Sarah Hakenberg so Mut, mehr zu wagen.