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03. Januar 2011 08:10 Uhr
Boulevardkomödie
Methusalems-Premiere: Inflationäre Überfülle
Exzellent gespielt, ausgesprochen turbulent, aber auch absehbar und plakativ: Die Freiburger Methusalems spielen Georges Feydeaus Schwank "Der Floh im Ohr" mit einigen Durchhängern.
Dass Die Methusalems mittlerweile stadtbekannt sind, liegt nicht nur am biblischen Gesamtalter und damit dem "Exotenstatus" der Freiburger Seniorentheatergruppe. Vielmehr hat Regisseur Helmut Grieser seine theaterinfizierten Darstellerinnen und Darsteller in den letzten Jahren aus der Laienhaftigkeit in eine beeindruckende Professionalität geführt und das, obwohl die meisten die Siebzig bereits überschritten haben. In ganz unterschiedlichen Produktionen wie dem zuletzt gezeigten Mehrgenerationenprojekt "Der Hund auf meinem Schreibtisch" beschäftigten sich Die Methusalems immer wieder mutig mit Erinnerung, Alter und Tod und zeigten dabei auch schauspielerisch eine große Ausdruckskraft. Nach dem Erfolg von "Arsen und Spitzenhäubchen" hat man sich jetzt mit Georges Feydeaus Schwank "Der Floh im Ohr" (Uraufführung: Paris, 1907) wieder der Komödie zugewandt – und damit leider keine besonders gute Wahl getroffen.
So hat das Stück zwar alle Zutaten, die eine Boulevard-Komödie so braucht, doch das in geradezu inflationärer Überfülle. Was das Vorpremieren-Publikum im ausverkauften Kleinen Haus des Theaters Freiburgs dann erlebte, war zwar exzellent gespielt und auch ausgesprochen turbulent, aber trotz aller Verwicklungen und Verwechslungen auch so absehbar und plakativ, dass der Spannungsbogen dann doch stellenweise mächtig durchhing. Hier wäre weniger ganz eindeutig mehr gewesen – und das betrifft nicht nur die Länge dieser Posse mit über zwei Stunden.
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Dabei ist die Exposition ebenso klassisch wie unterhaltsam, gibt es doch in der eleganten Villa des Versicherungsdirektors Victor-Emmanuel Chandebise (beeindruckend: Wim Geerlings) von Anfang an jede Menge rasanter Auftritte und Abgänge (Bühne: Alexander Albiker). Kein Wunder, schließlich dreht sich hier alles um Liebe, Sex und Eifersucht – und die ganze bürgerliche Doppelmoral dahinter. So jagt der sprachbehinderte Neffe Camille (köstlich: Armin Holzer) heimlich das Dienstmädchen Antoinette (Heide Cerny) durch die Betten, während Hausarzt Dr. Finache (Harald Jeske) deren gehörnten Ehemann (Bernhard Kuner) zu dubiosen Unterleibsproblemen berät und Chandebises Ehefrau Raymonde (spritzig: Anke Lehmann) eben ihrer besten Freundin Lucienne (Maja Schaber) ihr Herz über die entlarvte Untreue ihres Mannes ausschüttet. Indiz ist ein Päckchen mit Hosenträgern, Absender das Hotel zum Wilden Kätzchen. Schnell ist ein Plan gefasst, und die beiden Frauen schreiben dem Missetäter einen anonymen Brief, in dem ihn eine verliebte Unbekannte zum heimlichen Rendevouz bestellt.
Was die zwei nicht wissen: Die Hosenträger gehören Camille, Chandebise ist unschuldig und gibt den Brief weiter an seinen Freund Tournel (Hans-Dieter Helmeke), der seinerseits schon lange ein Auge auf Raymonde geworfen hat. Als dann noch Luciennes eifersüchtiger und schießwütiger Gatte Carlos (Hans-Joachim Burgert) in jenem Schreiben die Handschrift seiner Ehefrau erkennt, ist das Chaos absolut perfekt. – Auf zum großen Showdown ins Hotel zum Wilden Kätzchen!
Schrill wird es jetzt, ganz Klamotte und Klamauk: Die Kostüme (Bärbel Albiker) ein Potpourri aus Glitzer und clownesker Extravaganz, die Bühne ein geplüschter Dschungel mit Drehbühne und Doppelbett. Dazwischen flüchten, toben und kreischen im Turbotempo aufgebrachte Paare, seltsame Gäste (Thomas Schelenz) und exzentrisches Personal (Jochen Loh, Mechthild Blum, Regina Jäger, Dieter Kottler). Denn nicht nur, dass sich Verdächtigungen und Missverständnisse wüst überschlagen, man packt auch noch einen oben drauf: Ausgerechnet der allzeit besoffene Hausdiener Poche ist ein Doppelgänger von Chandebise ...
– Weitere Aufführungen: Am 7. und 30. Januar, am 3., 5., 15. und 26. Februar, jeweils um 20 Uhr. Am 20. Februar um 16 Uhr. Kleines Haus, Theater Freiburg. Karten unter: Tel. 0761/ 496 8888.
Autor: Marion Klötzer
