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27. September 2016

Operette „Ball im Savoy“ mit dem Freiburger Musiktheater Die Schönen

Paul Abrahams Operette "Ball im Savoy" mit dem Freiburger Musiktheater Die Schönen.

  1. Funkelnde Revuesterne: Daisy (Nicole Haas) und Mustapha Bey (Leopold Kern) Foto: Brian Barnhart

"Du hast einen Mann, der dich liebt", singt Herbert Wolfgang alias Marquis Aristide de Faublas mit viel Schmelz und Inbrunst ins Ohr seiner angebeteten Madeleine; auf dem Bühnenprospekt im Musiktheater Die Schönen im Freiburger E-Werk funkeln dazu tausend Sterne. Gerade sind diese beiden Turteltäubchen aus der High Society von ihren zwölfmonatigen Flitterwochen nach Nizza zurückgekehrt, noch hängt der Himmel voller Geigen...

Doch wäre die Operette "Ball im Savoy" nicht vom ungarisch-deutschen Komponisten Paul Abraham, würde es bei diesem rosaroten Erwachsenenmärchen bleiben. 1932 im Großen Schauspielhaus in Berlin uraufgeführt, spiegelt dieses erfolgreiche Bühnenstück mit seinen jazzigen Rhythmen, seiner Lebenslust und Freizügigkeit den Zeitgeist der Weimarer Republik wieder und verweist schon im Titel auf den legendären "Savoy Ballroom" in New York, in dem sich Schwarze und Weiße gemeinsam amüsierten. Treue und Promiskuität, Wahrheit und Intrige – in "Ball im Savoy" trifft all das in einer rauschenden Nacht aufeinander. Frei nach dem polyamourösen Motto von Tänzerin Tangolita: "Öffnet die Herzen, herzt die Öffnungen".

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Für den jüdischstämmigen Abraham und seine Kunst war mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten dann die Karriere beendet; seine Musik wurde geächtet. Angemessener Stoff für Die Schönen, die neben Musikwerken aus der Weimarer Republik auch schon Abrahams "Blume von Hawaii" für ihre kleine, feine Bühne adaptierten. Zumal 2013 die verloren geglaubten Originalpartituren wiederentdeckt wurden, die sich als weit weniger glatt als ihre 50er-Jahre-Version entpuppten und durch die Inszenierung an der Komischen Oper in Berlin eine Abraham-Renaissance auslösten.

Umso schöner, dass Die Schönen jetzt von den Erben die Erlaubnis bekamen, "Ball im Savoy" in kleiner Klavierfassung aufzuführen (Musikalische Bearbeitung: Richard Doust, Mihai Grigoriu).

Stimmungsvolles Bühnenbild, minimale Requisite

Das macht von Anfang an viel Spaß: Geboten wird ein stimmungsvolles Bühnenbild mit minimaler Requisite und großer Wirkung (Herbert Wolfgang), dazu fantastische Beamerprojektionen (Jerome Tromson), vor allem aber ein quicklebendiges Ensemble, tolle Lieder und viel Slapstick und Dynamik (Regie: Martin Schurr, Leopold Kern). Dass die Geschichte in typischer Operettenmanier etwas hanebüchen ist, macht da nichts.

Und so trifft beim Ball im Savoy nicht nur der frischvermählte Aristide auf seine Ex-Geliebte Tangolita (absoluter Hingucker: Michael Gugel), sondern wird aus Rache auch noch im Séparée nebenan von seiner Frau Madeleine (mit beeindruckender Stimme: Kathryn Magestro) betrogen, während deren Freundin Daisy (kess trotz Krücke: Nicole Haas) ihr Pseudonym als berühmter Jazzkomponist Pasodoble lüftet und sich gleichzeitig mit dem türkischen Botschafter Mustapha Bey (charmantes Schlitzohr: Leopold Kern) verlobt. So weit, so turbulent.

Dabei lebt diese Inszenierung von ihrer Liebe zum Detail, und so überzeugen auch die Nebenrollen: Michael Gugel und Tobias Ziebold bezaubern als tanzende Bedienstete und laszive Boygroup, Mihai Grigoriu am Klavier gibt souverän den Kammerdiener Archibald und den teufelshörnigen Pomerol.

Es gibt kleine, witzige Modernisierungen und viel Körpertheater. Über achtzig kurzweilige Minuten lang wird getanzt, geliebt, gelacht und gelitten – vor allem gesungen, darunter echte Ohrwürmer wie "Toujours l’amour", "Känguru", "Mister Brown" oder "Wenn die Türken küssen". Eine Operetten-Revue mit Witz und Glamour!

Weitere Aufführungen: jeweils Freitag und Samstag, 20 Uhr. Bis Ende Februar, Musiktheater Die Schönen im E-Werk, Freiburg. BZ-Kartenservice, Tel. 0761/ 496 8888

Autor: Marion Klötzer