Sich immer auf den Moment konzentrieren

Bettina Gröber

Von Bettina Gröber

Mi, 13. September 2017

Theater

Freiburg: Das Theater Komplex mit der Performance "Feind-Bild".

"Ich will auf der Bühne echte Menschen sehen", sagt Michael Labres. Mit diesem Credo leitet der 40-Jährige das "Theater Komplex", ein Projekt des Vereins "Schwere(s)Los". Erstmals trat die Truppe 2013 mit der "Konferenz der Tiere" auf, seitdem sind mehrere Inszenierungen und Performances auf die Bühne gebracht worden. "Komplex", so Labres, seien die Themen, die in den Stücken behandelt werden. In der bisherigen Arbeit ging es unter anderem um die künstlerische Auseinandersetzung mit Fremdheit oder Krieg. "Komplex" seien aber auch die Mitglieder der Truppe, erklärt deren Leiter: Sie setzt sich aus Darstellerinnen und Darstellern aus den Reihen der "Lebenskünstler", der früheren Gruppe "Zeitgenossen" und jungen Menschen aus dem Performance-Projekt "Strange" zusammen. Menschen aus unterschiedlichen sozialen Milieus, mit und ohne Psychiatrieerfahrung, vor allem mit den verschiedensten Lebensgeschichten treffen im "Theater Komplex" zusammen. Zudem kooperiert Michael Labres mit verschiedenen professionellen Künstlern.

Die Arbeit mit Laiendarstellenden sieht Michael Labres als etwas Prozesshaftes: "Da entwickelt sich im Laufe der Zeit etwas. Und es ist wichtig, sich immer auf den Moment zu konzentrieren." Spontanes Agieren und Improvisation sind Erscheinungen, die im "Theater Komplex" für die Performance nutzbar gemacht werden. Vieles entsteht aus dem inneren Erleben der Darstellerinnen und Darsteller heraus. Aber: "Ich bin diejenige, die entscheidet, wie viel ich von mir preisgebe", so Barbara Bode (58), eines der Mitglieder der Truppe. Es gehe immer um die Frage: "Was will ich nicht zeigen – und was sollte ich gerade zeigen, weil es vielleicht auch eine politische Aussage beinhaltet?" Die Mitspieler gäben dabei auch Halt und Unterstützung, sagt Nicola Rupp: "Ich kann hier sein, wie ich bin. Und ich werde auch aufgefangen", erklärt die 21-Jährige.

Die Texte, die als Grundlage der Performances dienen, stammen von den Darstellenden selbst. Entweder haben sie selbst etwas geschrieben, oder sie stützen sich auf die eigene Lektüre. Auf diese Weise ergibt sich eine multiperspektivische Annäherung an ein Thema: Wie reagiert man etwa auf "das Fremde"? Abwehrend, gar abwertend – oder aber offen, neugierig? In den Inszenierungen arbeitet Michael Labres nicht mit klassischen Dialogen, sondern monologisch oder chorisch. Große Bedeutung haben neben dem Schauspielerischen auch Tanz, musikalische Gestaltung sowie filmische Elemente wie Videoeinblenden. "Komplex" werden damit also auch die Performances als solche. Und "komplex" gestaltet sich dadurch auch die Rezeption: Es ist keine leichte Kost, die da serviert wird. Aber es ist eine, die anspricht – eben weil sie viel an Emotionen, an Menschlichem transportiert. "Theater beginnt eigentlich da, wo es über den Text hinausgeht", meint Amish Leßmann. Für den 47-Jährigen ist bei der Darstellung das Agieren mit Anderen einer der zentralen Aspekte.

Es sei ihm wichtig, "dass gerade die Arbeit mit Laien als etwas Professionelles wahrgenommen wird", so Labres. Die nächste Möglichkeit gibt es ab 28. September: Dann tritt das "Theater Komplex" mit seiner Performance "Feind-Bild" im Südufer auf.

Theater Komplex: Performance "Feind-Bild", Freiburg, Südufer, Do, 28. September, bis So, 1. Oktober, jeweils 20 Uhr.