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30. September 2009 18:16 Uhr

Spielzeiteröfnung

Theater Freiburg: Fünf Premieren – fünf Porträts

Zur Eröffnung der Spielzeit am Theater Freiburg stehen fünf Premieren an, darunter Bühnenklassiker wie die "Orestie", Richard Strauss’ Oper "Salome" und eine Bühnenfassung von Thomas Manns "Buddenbrooks". Fünf Mitwirkende berichten.

  1. Mathias Lodd. Foto: Thomas Kunz

  2. Jennifer Lorenz. Foto: Thomas Kunz

  3. Tonio Schneider. Foto: Thomas Kunz

  4. Sigrun Schell. Foto: Thomas Kunz

  5. Ruth Feindel. Foto: Thomas Kunz

MATHIAS LODD
Auch Nebenrollen können ihren Reiz haben. Die Rolle des Ägist, die Mathias Lodd in der "Orestie"-Inszenierung von Felicitas Brucker spielt, ist eine so kleine, schwere. Denn kaum ist Ägist an der Macht, ist er schon wieder tot, von Klytämnestras Sohn Orest ermordet. Will heißen: Lodd muss die Figur in wenigen Szenen so markant spielen, dass sie dem Publikum im Gedächtnis bleibt. Ägist ist für Lodd die Verkörperung des Bösen. Er ist extrem ehrgeizig und geht über Leichen, um seine Ziele zu erreichen. Er kann im Hintergrund die Fäden ziehen, aber nicht das Volk für sich gewinnen.
Als Klytämnestras Liebhaber plant er mit ihr den Mord ihres Mannes Agamemnon, als dieser aus dem Trojanischen Krieg zurückkehrt. Lodd kannte mal jemanden, der in seiner Jugend viele Demütigungen ertragen hatte und dies später andere von einer starken Machtposition aus hat spüren lassen. "Ich habe versucht, das auf Ägist zu übertragen, und entdeckt, dass das passt – dieser Widerspruch, extremen Ehrgeiz und Unsicherheit zusammenzubringen.

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Biografie
Mathias Lodd wuchs im brandenburgischen Oranienburg auf. Er studierte Schauspiel an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam. Nach Engagements am Schauspielhaus Köln (2005 bis 2007) und am Staatstheater Darmstadt ist der 30-Jährige seit dieser Spielzeit am Theater Freiburg engagiert.

JENNIFER LORENZ
Als Jennifer Lorenz Thomas Manns Nobelpreis-Opus "Buddenbrooks" in der Schule lesen musste, war sie keineswegs Feuer und Flamme. "Ich habe mich da sehr durchkämpfen müssen, obwohl ich sehr viel und sehr gerne gelesen habe", erinnert sich die Schauspielerin. Die Beschreibungen waren ihr zu detailliert, die großbürgerliche Welt der hanseatischen Kaufmannsfamilien war ihr zuwider. Natürlich sieht sie den Roman heute mit anderen Augen. Ohnehin erzählen die Regisseure Jarg Pataki und Viola Hasselberg die Familiengeschichte nicht wie in Heinrich Breloers Kinofilm (den Jennifer Lorenz bewusst nicht angeschaut hat) von A bis Z, sondern bauen eine Außenperspektive ein – eine utopische Gesellschaft, die auf die Buddenbrook’sche zurückblickt. Lorenz spielt die Musikerin Gerda, die Ehefrau von Thomas Buddenbrook. Schwierig zu greifen sei diese Figur. " Sie ist ein riesengroßes Geheimnis – undurchschaubar. Nach außen verschlossen, als ob sie in einer eigenen Welt lebte." Was Gerda mit Thomas verbinde, wisse man nicht genau. "Wie stellt man so jemanden dar? Man muss unglaublich basteln, damit die Figur stimmig wird."
Biografie
Für die 28-jährige Jennifer Lorenz ist das Theater Freiburg ihre erste Station als festes Mitglied in einem Theaterensemble. Zunächst hat sie hier ein Engagement für zwei Jahre. Geboren ist Jennifer Lorenz in Berlin. Ihre Ausbildung als Schauspielerin machte sie an der renommierten Folkwang-Hochschule in Essen.

TONIO SCHNEIDER
Das Musical "Flokati" spielt an einem ungewöhnlichen Ort – in der Krabbeltierstadt Flokati, einem flauschigen Wohnzimmerteppich, wo allerlei Insekten hausen. Ungewöhnlich ist auch die Rolle, in die der Schüler Tonio Schneider schlüpft: Er spielt eine romantisch veranlagte Ameise, die sich in eine schöne Spinne verliebt. Das Problem: Die Spinne träumt von einem Spinnenprinzen und denkt keine Sekunde daran, dass die freundliche Ameise in sie verliebt sein könnte. Tonio Schneider muss in "Flokati" nicht nur spielen und tanzen, sondern auch singen. Auf einer Bühne gesungen hat er noch nie, entsprechend aufgeregt war er beim Vorsingen. Inzwischen hat er großen Spaß daran und sich beim Tanzen auch an das sperrige Kostüm gewöhnt. Zwischen der Ameise und sich hat er übrigens Parallelen entdeckt – auch er ist eher der schüchterne Typ, wenn’s drum geht, ein Mädel für sich zu gewinnen.
Biografie
Tonio Schneider ist 18 Jahre alt und besucht die 13. Klasse des Droste-Hülshoff-Gymnasiums in Freiburg. Das Musical "Flokati" ist nach den Tanzprojekten "Fast Forward" und "Romeo und Julia" die dritte Produktion am Theater Freiburg, in der er mitwirkt. Tonio Schneider möchte seit seinem zwölften Lebensjahr Schauspieler werden. Er hat auch Schultheater gespielt, singt und tanzt auch gerne und möchte nach dem Abitur auf eine Schauspielschule gehen.

SIGRUN SCHELL
Ein Jahr lang hat Sigrun Schell sich mit der Rolle der Salome in Richard Strauss’ gleichnamiger Oper beschäftigt. "Die Salome ist für mich das Schwierigste und Anspruchsvollste, das ich bislang gesungen habe." Die Partie sei sehr hoch, das große Orchester zu übertönen nicht einfach. "Ich muss zudem viel Text sprechen, das nimmt einem den Klang. Das befriedigend hinzubekommen ist sehr schwer." Im Auge habe sie diese Rolle nie gehabt, sagt die frühere Mezzosopranistin, die vor zwei Jahren ins Sopranfach gewechselt ist. Auch wenn Schell eigentlich kein Strauss-Fan ist, findet sie "Salome" phänomenal. "Ich gucke mir die Noten an und frage mich, wie sich ein menschliches Gehirn so etwas ausdenken kann." Begeistert ist sie von Salomes poetischer Sprache, die im Gegensatz zur Kälte ihres Elternhauses stehe. "Sie hat eine große Sehnsucht nach Liebe." Dass sie für Jochanaan schwärmt und dennoch seinen Kopf fordert, erklärt sich Schell wie folgt: "Sie ist fasziniert von seinen Gedanken, die ihr so fremd sind, deshalb wünscht sie sich seinen Kopf."
Biografie
Sigrun Schell stammt aus Ulm und studierte Gesang und Flöte an der Musikhochschule und der Opernschule Stuttgart. Nach Engagements in Hof, Trier und Mannheim kam sie 1998 ans Theater Freiburg.

RUTH FEINDEL
Dramaturgin Ruth Feindel ist neu für das Programm der Kammerbühne verantwortlich. Nachdem sich dort zuletzt alles um "die Festung Europa" drehte, wird der Blick nun von außen auf Europa gerichtet. Afrika ist ein Schwerpunkt. Dazu gehört auch ein Projekt mit dem Arbeitstitel "Soccer City", das den Blick auf diejenigen Menschen richtet, die in Südafrika die Infrastruktur für die Fußball-WM mit aufbauen. Mit dem Münchner Autor, Regisseur und Komponisten Bülent Kullukcu und Kollegin Carolin Hochleichter hat Ruth Feindel auch das zweiteilige Hannibal-Projekt entwickelt, Teil eins "Hanib Ali Ante Portas Germany" hat kommende Woche Premiere. Mit dabei sind neben zwei Schauspielern auch in Freiburg lebende Afrikaner, zum Teil mit, zum Teil ohne Bühnenerfahrung. Sie alle erzählen Migrationsgeschichten. "Ich finde es ein sehr spannendes Projekt, mich beschäftigt das Thema Migration seit Jahren im Theater", sagt Feindel und verspricht auch Spaß: "Bülent Kullukcu hat die Begabung, dass seine Theaterabende immer einen hohen Humorfaktor haben und dennoch existenzielle Dinge verhandelt werden, ohne dass daraus Betroffenheitstheater wird."
Biografie
Die Augsburgerin Ruth Feindel studierte Kulturwissenschaften in Hildesheim, Paris und York. Sie arbeitete an den Münchner Kammerspielen als Dramaturgin. Seit dieser Spielzeit ist die 31-Jährige Dramaturgin am hiesigen Theater. Freiburg macht auf sie einen offenen und entspannten Eindruck.

SAISONERÖFFNUNG
"Orestie" nach Aischylos, Kleines Haus, Freitag, 2. Oktober, 20 Uhr; weitere Termine: 6., 7., 11., 21., 29., 31. Oktober, 20 Uhr.
"Salome", Oper von Richard Strauss, Samstag, 3. Oktober, 19.30 Uhr, Großes Haus; weitere Termine: 8., 16., 21. und 24. Oktober, jeweils 19.30 Uhr.
"Flokati", Musical mit Freiburger Jugendlichen, Kleines Haus, Freitag, 9. Oktober, 20 Uhr; weitere Vorstellungen:10., 13. und 25. Oktober, jeweils um 18 Uhr, und 14. Oktober, 11 Uhr.
"Hanib Ali Ante Portas Germany" Projekt mit Schauspielern und in Freiburg lebenden Afrikanern, Kammerbühne, Freitag, 9. Oktober, 20 Uhr; weitere Termine: 10., 17., 20. Oktober, 20 Uhr.
"Die Buddenbrooks", Hinterbühne des Großen Hauses, Samstag, 10. Oktober, 19.30 Uhr; weitere Termine: 11., 15., 17., 18., 23., 25. Oktober, 19.30 Uhr.

Autor: Frank Zimmermann