Festival

"Die chinesische Nachtigall" – Kindertheater bei den Breisacher Festspielen

Thomas Steiner

Von Thomas Steiner

Mo, 22. Juni 2009 um 15:13 Uhr

Theater

"Die chinesische Nachtigall" heißt das Kinderstück bei den diesjährigen Breisacher Festspielen. Ein farbenfrohes und fröhliches, munteres und muikalisches Spektakel frei nach dem Märchen von Hans Christian Andersen.

Es gibt einen leibhaftigen Kaiser von China mit seinem feinen Hofstaat. Eine echte Nachtigall, die wunderbar singt, und eine künstliche Nachtigall, die auch wunderbar singt und noch dazu tanzt. Einen beeindruckend langen Drachen, in dem 15 Menschen stecken. Aber am süßesten sind die Frösche: Wie sie in ihrem Teich herumhüpfen und quaken, sind die jüngsten, fünf- oder sechsjährigen Darsteller die Sympathieträger.

"Die chinesische Nachtigall" heißt das diesjährige Kinderstück der Festspiele Breisach. Seit dreißig Jahren gibt es das "Junge Theater" in der schönen Freilichtbühne über der Stadt – 1979 ging’s los mit "Räuber Hotzenplotz". Und einmal mehr bietet es ein fröhliches und farbenfrohes, munteres und musikalisches Spektakel.

Frei nach dem Märchen des Dänen Hans Christian Andersen wird die Geschichte des chinesischen Kaisers erzählt, der in seinem Park die schönste Brücke und den schönsten Teich hat. Doch zu höchsten Glück fehlt ihm ein allabendlicher Auftritt der Nachtigall, der Meistersingerin. Weil die sich nicht einsperren lassen will in seinen Palast, wird für den Kaiser eine künstliche Nachtigall gebaut. Die ihn erst entzückt, dann kaputtgeht. Was den Kaiser so deprimiert, dass er sterbenskrank wird. Das Mädchen Li Yang, das alle Vögel kennt, geht auf die Suche nach der echten Nachtigall...

In einem einfachen, aber eleganten Bühnenbild (von Stephanie Breidenstein, alle Pappmaché-Arbeiten hat das Ensemble selbst gemacht) spielen drei Dutzend Darsteller in schön farbig abgestuften Kostümen (aus der Nähstube unter der Leitung von Rita Oslath) und in mehr als aufwendigen Masken (entworfen von Brigitte Paulsen-Uhl). Dieses China ist eine bezaubernd andere Welt.

Damit nicht genug: Regisseur Peter W. Hermanns – der auch schon zum fünften Mal in Breisach inszeniert – fügt dem Anders’schen Märchen einiges hinzu. Zum Beispiel den lustigen Wettbewerb "China sucht die Super-Nachtigall", kurz "CSDSN". Unter den Kandidaten: "drie Chinisin mit dim Kintribiss". Oder die Drachen: Es gibt nicht nur den kleinen grünen Hui (vorwitzig gespielt von Samuel Czerwinski), der Li Yang bei der Vogelsuche begleitet, sondern auch noch drei große und noch größere Drachen, denen sie unterwegs begegnen. Was dann vielleicht doch einer zu viel ist, zeitweise geht die Geschichte nicht recht voran. Zumal auch noch eine Pekingoper-Einlage, die karatekämpfende Palastwache und ein lebendes Orakel konzentriertes Mitdenken verlangen.

Was sich dagegen gleich erschließt: das schöne Lied der Nachtigall (Judith Stubert), von Sascha Bendiks komponiert und eingespielt – und verfremdet, wenn die künstliche Nachtigall es singt. Wenn deren Federwerk kaputtgeht, blökt sie auf einmal wie ein Schaf – und bewegt sich erst wie eine Popsängerin à la Britney Spears, dann eben wie ein defekter Apparat. Die zehnjährige Laura Engist tanzte diese Einlage so präzise, dass sie Szenenapplaus bekam (alternierend tritt in den nächsten Wochen Sophie Laurenat auf).

Neben schön choreographierten, wuseligen Gruppenszenen gibt es auch – für die Erwachsenen im Publikum – die zarte Begegnung des von Elke Bürgin vornehm gespielten Kaisers mit dem Tod (Angela Libal), der in China weiß trägt und den Herrscher das Loslassen lehrt. Für Groß und Klein sind aber die Frösche: Wenn sie bei "CSDSN" als quakende Band auftreten und Luftgitarre spielen, wenn sie auf auf kleinen grünen Fahrrädern über die Bühne rollen, dann fliegen ihnen die Herzen zu. Am Ende dann großer, verdienter Applaus für alle.
– Weitere Aufführungen: 5., 12., 19., 26. Juli, 23., 30. August, 6., 13. September, jeweils 15 Uhr; 28. August, 19 Uhr; BZ-Kartenservice 01805/556656.