Der Rivale aus dem Jenseits

Laurie Tierce

Von Laurie Tierce

Mi, 25. Juli 2012

Theater

Theater Sommerlaune: Susanne Franz inszeniert "Casanova – Ein Duell" im Schloss Ebnet.

Giacomo Girolamo Casanova, Chevalier de Seingalt. Der Name klingt bekannt und geheimnisvoll zugleich. Was weiß man heute von ihm? In Wirklichkeit nicht viel. Dass Casanova ein venezianischer Abenteurer und Libertin des 18. Jahrhunderts war, der die Frauen verführte, bevor er sie dann sitzen ließ, ist in aller Munde. Dass er als großer Autor sowohl mit Prinzen und renommierten Literaten, mit Friedrich dem Großen oder Voltaire, in den adligen Salons verkehrte, ist weniger bekannt. In seinen Memoiren – auf Französisch geschrieben, heute als Weltliteratur betrachtet – wird klar, wie facettenreich Casanovas Persönlichkeit war. Weit vom Mythos des Abenteurers und ausschweifenden Hedonisten entfernt.

Das hat auch die Freiburger Regisseurin Susanne Franz gut verstanden. Mit ihrem neuesten selbst geschriebenen Stück "Casanova – ein Duell" bringt sie ein faszinierendes Porträt Casanovas auf die Bühne der Scheune von Schloss Ebnet. Zwei Jahre lang hat Franz an der komplexen und häufig missverstandenen Figur Casanovas gearbeitet. "Nach meinem Stück über die Geliebte von Voltaire – Émilie du Châtelet – hatte ich Lust, eine historische Männerfigur zu inszenieren", erzählt Franz. Gesagt, getan. Mit "Casanova – ein Duell" bringt die Regisseurin nicht nur einen, sondern gleich zwei Casanovas auf die Bühne. Und das ist noch nicht genug für den genialen Venezianer: Im großartigen Auftritt des Akkordeonspielers Hartmut Saam und des Kontrabassisten Markus Lechner findet er noch zwei weitere Alter Egos, die im Stile der Commedia dell’Arte für Stimmung sorgen.

Verführung und Verzweiflung

Die Geschichte ist schnell skizziert: Mehr als 200 Jahre nach seinem Tod flieht Casanova (Ullo von Peinen) aus dem Jenseits und landet im böhmischen Schloss Dux, wo er in seinen letzten 13 Lebensjahren seine Memoiren geschrieben hat. Dort trifft er auf einem Rivalen, der sich selbst für den wahren Casanova hält. Dieser heißt Giacomina Jakobus Casaneus (Simone Rosa Ott) und ist als Mann verkleidet. Casaneus ist fest entschlossen, seinen Platz nicht zu räumen: "Ich habe den Job seit Jahren." Was Casanova gar nicht billigen kann: "Sie sind eine billige Kopie! Casanova ist kein Job, das ist ein Beruf!"

Aus der Konfrontation der Figuren ergibt sich ein spritziges und burleskes Spiel von hohem Tempo, in dem Bonmots, Lebensdramolette, Erinnerungen, Verführungen und Verzweiflung einander folgen. Damit beleuchtet Susanne Franz berühmte Episoden aus den Memoiren von Casanova.

In ihren Rollen brillieren Ullo von Peinen und Simone Rosa Ott – letztere ist schon zum fünften Mal bei Franz’ "Sommerlaune"-Theater dabei. Beim Schreiben des Buches, erzählt Susanne Franz, habe sie immer an Ullo von Peinen gedacht, der nach seinem Ausscheiden aus dem Ensemble des Stadttheaters Freiburg seit dem vergangenem Jahr als freischaffender Künstler arbeitet. Spielfreudig und mit einer umwerfenden Energie beherrschen von Peinen und Ott Text und Geste über 90 Spielminuten. Der Reiz der Inszenierung liegt in der vermeintlichen Spontaneität und der lebendigen und humorvollen Präsenz der Schauspieler. Die zum Stück passende leichte, luftige Atmosphäre liefert der charmante Spielort, dessen Reiz auch eine Bühne auf zwei übereinander liegenden Ebenen ausmacht.

Als sich Giacomina schließlich dafür entscheidet, wieder ihr eigenes Leben zu leben, bleibt Casanova allein im schwächer werdenden Licht zurück. Doch wird nun der Schatten des Mythos aufgelöst. Viel Premierenapplaus – nicht nur für die Regisseurin, sondern auch für brillante Schauspielleistung.
– Weitere Aufführungen bis 11. August, mittwochs bis sonntags, jeweils 20 Uhr, Schloss Ebnet, Schwarzwaldstr. 278, 79117 Freiburg. BZ-Kartenservice: Tel. 0761/496 8888.