In einer bunten Unterwasserwelt

"Die kleine Meerjungfrau" hat in Breisach Premiere

Thomas Steiner

Von Thomas Steiner

Mo, 21. Juni 2010 um 16:06 Uhr

Theater

Auf der Freilichtbühne auf dem Breisacher Schlossplatz hatte "Die Kleine Meerjungfrau", das Kinderstück der diesjährigen Festspiele, Premiere. Blut floss keines, auch wenn Schwertfische gegen Haie kämpften.

"Bei jedem Schritt, den du machst, ist dir, als ob du auf ein scharfes Messer trätest, als ob dein Blut fließen müsste." Hans Christian Andersens Geschichte von der Meerjungfrau, die einen Menschenprinzen vor dem Ertrinken rettet, sich in ihn verliebt und deshalb von der Meerhexe den Fischschwanz in Beine und Füße verwandeln lässt, ist nicht unbedingt ein schönes Märchen. Auf der Freilichtbühne auf dem Breisacher Schlossplatz freilich verwandelt sie sich in ein lustiges und buntes Theaterstück für die ganze Familie. Am Sonntag hatte "Die Kleine Meerjungfrau", das Kinderstück der diesjährigen Festspiele, Premiere. Blut floss keines, auch wenn Schwertfische gegen Haie kämpften.

Bunte Unterwasserwelt

Zum sechsten Mal hat Regisseur Peter W. Hermanns die Inszenierung des Jungen Theaters eingerichtet. Wieder lebt sie von der Vielzahl der Teilnehmenden: 41 kleine und große Akteure stehen auf der Bühne und bevölkern die bunte Unterwasserwelt. Die Meerjungfrau ist umgeben von blauen Putzfischen und orangen Clownfischen (namens Charlie und Rivel – nach einem weltberühmten Vorbild), von einer Seekuh und ihrem Kalb, einer Feuerqualle und einer Meeresschnecke (die bei allem die letzte ist), einem Trompeten- und einem Kofferfisch.

Sie alle stecken in wunderbar anzusehenden Kostümen die sich auch Hermanns ausgedacht hat. Mit vielen Details: Die Schnecke ist mit Badezimmer-Schwämmen bewachsen, die Putzfische haben Küchen-Schwämme auf dem Kopf. So dass man als Zuschauer oft gar nicht weiß, wohin schauen. Zumal einige Figuren immer in der Mehrzahl auftreten: Die Seesterne tanzen ein hübsches Ballett (Choreographien von Simone Engist). Die Gang der bedrohlichen Haie kämpft gegen ein Quartett eleganter Schwertfische.

Warum was passiert, ist nicht immer einfach zu verstehen. Das Märchen vorher gelesen zu haben hilft auf jeden Fall. Auch wenn in Hermanns’ Bühnenfassung einiges anders ist. Manches ist bei Disneys Meerjungfrau-Trickfilm "Arielle" entlehnt. Wie dort kommt eine Riesenkrake vor. Und wie dort gibt es eine Konkurrentin aus der Unterwasserwelt, die der Meerjungfrau das Herz des Prinzen streitig macht.

Die kleine Meerhexe, die Tochter der alten Meerhexe, ist schauspielerisch gesehen der Star des Stücks: Michaela Fritz spielt sie süffisant gemein und kokett zugleich, als böses Mädchen, das eigentlich nichts anderes will als das gute Mädchen: "Nach oben" – wie das schön sehnsüchtige Lied heißt, das der Musiker Sascha Bendiks für Meerjungfrau und Meerhexe geschrieben hat. Fritz singt es live. Ein regelrechtes Leitmotiv ist Bendiks’ Lied für die jüngsten Darsteller – die fünf Putzfische: "Schrubbe di schrubb, der Dreck muss weg", singen sie und besänftigen mit ihrer Körperpflege sogar den weißen Oberhai (cool gespielt von Holger Czerwinski-Klingenberg).

Die etwas undankbare Aufgabe, die Erklärungen für die Geschichte zu geben, könnten Angela Libul als Kofferfisch und Hannelore Stubert als alte Meerhexe vielleicht noch ein wenig langsamer angehen, damit auch die jüngsten Zuschauer folgen können. Und etwas mehr Ausstrahlung könnten die Rollen der kleinen Meerjungfrau (Jana Roos) und des Prinzen (Samara Binz) vertragen.

Ganz ohne Worte bringt Alina Bürgin ihre Rolle auf die Bühne. Als stummer Pinguin Ingo, welcher der kleinen Meerjungfrau zur Seite steht, spielt sie beredt Pantomime – und beißt am Schluss der kleinen Meerhexe in den Hintern, wie der kleine Hund der alten Hexe im Disney-Film.

Das Ende der Breisacher Inszenierung ist anders als das Happy End von "Arielle" und anders als das tragische von Andersens Märchen, in dem die Meerjungfrau zu einer Tochter der Luft wird. Hermanns’ Fassung bleibt lieber in der bunten Unterwasserwelt, und das passt viel besser.

Nächste Vorstellungen: 27. Juni, 4., 11., 18. und 25. Juli, 22. und 29. August, 5. und 12. September, jeweils 15 Uhr; 27. August, 19 Uhr. Info: BZ-Kartenservice

Fotos: "Die kleine Meerjungfrau" in Breisach