Was zählt, sind Taten

Marion Klötzer

Von Marion Klötzer

Do, 10. April 2014

Theater

Bernd Bosse inszeniert "Die Fürchterlichen Fünf".

FREIBURG. Wer Wolf Erlbruchs großartiges, 1990 erschienenes Bilderbuch "Die Fürchterlichen Fünf" nicht kennt, der ist bei gleichnamigem Kinderstück im Freiburger Spielraum erst einmal irritiert: Schälen sich im Dämmerlicht doch nur im Minutentakt Bewegungen, Geräusche und schließlich seltsame Gestalten aus einem Obdachlosenlager mit viel Holz und Müll, gesprochen wird kein einziges Wort dabei (Bühne: Manfred Loritz). Das hat zwar Länge, aber auch viel Witz: Nackte Füße, die sich hektisch aneinander reiben, ein schmatzender, grunzender Deckenberg, der nach mehreren Anläufen endlich auf die Beine kommt und befremdliche Frühstücksrituale samt Blecheimer-Piss zelebriert.

In diesem Sinne geht es weiter, zeigt Bernd Bosse in seiner rund einstündigen Inszenierung doch kein Sprechtheater im herkömmlichen Sinne, sondern lässt seine Figuren fast ausschließlich durch expressives Körperspiel agieren. Der Spannungsbogen steckt da in den Pausen, die Situationskomik im Setting und der trefflichen Besetzung: Denn hier spielen fünf Männer im Alter zwischen 26 und 73 Jahren sehr eigenartige Zwitterwesen. Die Bilderbuch-Namen fallen nicht, erkennen lassen sich Kröte, Ratte, Spinne oder Fledermaus aber unbedingt und so fühlt man sich wie beim Zoobesuch mit Blick in einen verwahrlosten Exotenkäfig.

Dabei gibt’s jede Menge herrlich skurril gespielte Ticks: Hilflos fuchtelt und flattert Torsten Buchholz mit den Händen, immer wieder bespringt und umklammert Walther Meumann seine Mitspieler mit dünnen Spinnenbeinen, während Benedikt Baur mit den Zähnen raspelt (Zweitbesetzung: Oliver Lange) oder Karl Hagdorn phlegmatisch – krötig – vor sich hinsabbert (Kostüme: Ives Pancera). Allein, die Stimmung ist bescheiden: Man hängt rum und tut sich selber leid. Wird das zu tröge, wird gepiesackt. Doch plötzlich dringt Gelächter aus der Ferne, Sekunden später entert Bastian Wienands als Quatschtüten-Hyäne die Szene: Großmäulig, strahlend und trotz Achselkrücke berstend vor Tatendrang. "Ob andere meinen, man sei hässlich oder schön ist vollkommen unwichtig. Was zählt, sind Taten! Man muss was tun! Für sich – und für die anderen!", posaunt er in den Trauerhaufen und spielt zum Beweis gleich eine Runde auf dem Saxophon (Musik: Mike Schweizer).

Seine Botschaft schlägt ein wie eine Bombe. Denn kann Ratte nicht Ukulele spielen? Kann Flattermann nicht tanzen? Und ist Kröte nicht eigentlich ein Koch? Erst schüchtern, dann zunehmend euphorisch wirbeln die Fünf für ihren großen Plan: Eine Pfannkuchenbude mit Musik wollen sie eröffnen, schon heute Abend unter dieser Brücke. Aber ob auch Gäste kommen? – Originelles Mutmachtheater mit viel Situationskomik und Raum zum Weiterfantasieren.

– Weitere Aufführungen: 10., 11., 12. April, jew. 20.30 Uhr, 13. April, 18 Uhr. Karten: Tel. 0761/286305. Ab 8 Jahren.