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20. Juli 2013

Raum, Schauspiel und Musik

Erst in der Altstadt, dann in Ebnet: Seit zehn Spielzeiten gibt es die Produktionsreihe "Sommerlaune" in Freiburg.

  1. Regisseurin Susanne Franz. Foto: Melanie Schmidt Foto: Melanie Schmidt

  2. Casanova - ein Duell. Mit Simone Rosa Ott und Ullo von Peinen. Foto: Martin Koswig Foto: Martin Koswig

Die Altstadt von Freiburg in den Sommermonaten zu beleben mit Theater und Musik – das war das Konzept. Zur Idee hatte der Jahrhundertsommer 2003 sicher beigetragen – umso erstaunter war man, erinnert sich Regisseurin Susanne Franz rückblickend, dass es tatsächlich auch mal regnete, als sie mit ihrem Team, Elmar Wittmann und Christian Kempa, in den Innenhof des Augustinermuseums einzog, um dort Thomas Brussigs Fußballstück "Leben bis Männer oder Die Tragödie grünt im Rasen" aufzuführen. Seit zehn Spielzeiten gibt es die Sommerlaune, so der Name der kleinen aber feinen Produktionsreihe, nun bereits: Das feiert Susanne Franz mit einer Jubiläumsmatinee und zwei Wiederaufnahmen auf Schloss Ebnet.

Apropos Schloss Ebnet. Vom charmanten Innenhof des Augustinermuseums über den lauschigen Innenhof des Wentzingerhauses kam die Sommerlaune schließlich 2010 nach Ebnet. "Es war eine schwere Entscheidung aus der Innenstadt rauszugehen", sagt Franz. Stets hat die studierte Germanistin und Ethnologin den Raum mitgedacht, in dem sie ihre Stücke inszenierte. "Jeder Ort erzählt seine eigene Geschichte, hat sein eigenes Geheimnis", ist sie überzeugt. Heute ist Franz sehr froh, den Schritt aus der geräuschvollen Freiburger Innenstadt gewagt zu haben – schließlich ging das Publikum mit; neue Besucher, etwa aus dem Osten Freiburgs, kamen hinzu. Und mit dem Gartensaal des Schlosses von Nikolaus Freiherr von Gayling, später mit der Schlossscheune hat sie atmosphärische Stätten gefunden, in denen ihre sorgfältig inszenierten Schauspiele mit Musik wunderbar aufgehoben sind.

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Womit wir bei den Stücken wären: Nach Burssigs von Klaviermusik begleitetem Monolog des Fußballtrainers bearbeitete Susanne Franz Emmanuel Schmitts Erfolgsroman "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran". Es spielten Lisbeth Felder, Karl-Heinz Maurer und Hartmut Saam. Aus dem Risiko – Franz: "Ich wusste nicht, ob das Publikum nach dem Buch und dem Film auch noch ein Theaterstück zu der Thematik sehen will" – wurde ein großer Erfolg über zwei Spielzeiten hinweg. 2007 dann kam zum ersten Mal mit "Eduard. Eine Poetengeschichte con Musica" ein von Susanne Franz selbst geschriebenes Schauspiel mit Musik auf die Bühne – angelehnt an Eduard Mörikes Novelle "Mozart auf der Reise nach Prag".

Afrikanisches Theater inspirierte Franz zur Melange von Schauspiel und Musik. "Dort sind Sprache, Musik und Bewegung eine Einheit und auch mir lag diese Verbindung sehr nah", begründet die Regisseurin ihre Entscheidung, stets Darsteller und Musiker miteinander auf der Bühne agieren zu lassen. Das funktionierte bei allen weiteren Stücken der Sommerlaune: "Genoveva oder die weiße Hirschkuh" (2008), "Eva oder die Freiheit der Fische" (2009) und "Emilie und die Formeln des Glücks" (2010). Mit dem Solostück über die Geliebte Voltaires, Emilie du Chatelet, fürs Wentzingerhaus geschrieben, zog Susanne Franz in den Gartensaal des Ebneter Schlosses – nicht wissend, ob das Stück auch am neuen Ort funktionieren würde. Das tat es – "seither fragt mich das Publikum, wann Emilie wieder zu sehen ist", erzählt Susanne Franz.

In diesem Sommer ist es soweit – zum Jubiläum darf die Regisseurin erneut in den Gartensaal und zeigt zudem das Erfolgsstück von 2012: "Casanova – Ein Duell" in der Schlossscheune. Zuvor trifft man sich zur Jubiläumsmatinee, bei der Musiker und Schauspieler, mit denen Franz in den vergangenen zehn Jahren gearbeitet hat, Szenen aus Sommerlaune-Stücken zeigen. Wie es weitergeht, verrät Susanne Franz noch nicht – es gibt die Idee für ein Stück, für das sie einen bestimmten Schauspieler im Kopf hat... Dass es weitergeht, ist – auch dank ihrer treuen Sponsoren Volksbank und Lexware – keine Frage. Was es braucht, sind laue Sommerabende...
– Jubiläumsmatinee, 21. Juli, 11 Uhr, Schlossscheune, Ebnet. "Casanova", 25. Juli bis 4. August, Schlossscheune Ebnet. "Emilie und die Formeln des Glücks", 13. bis 18. August, Gartensaal, Ebnet. BZ-Kartenservice: Tel. 0761/496 88 88.

Autor: Heidi Ossenberg