Titisee-Neustadt

Am Hochfirst sollen 10.000 Kubikmeter Schnee den Sommer überstehen

Silas Schwab

Von Silas Schwab

Mo, 23. April 2018 um 14:33 Uhr

Titisee-Neustadt

Der Gletscher für den Skisprungweltcup im Dezember ist wieder angelegt worden. 63 Helfer beteiligen sich an der Aktion, bei der der Schnee fürs nächste Jahr geschützt werden soll.

Er ist mittlerweile schon zu einer Art Wahrzeichen Neustadts aufgestiegen: der Gletscher am Hochfirst. Hier übersommern seit 2013 jährlich rund 10.000 Kubikmeter Kunstschnee. Seit Samstag ist auch das Reservoir für den kommenden Weltcup vom 7. bis 9. Dezember vor der Schmelzkraft der Sonne geschützt. 63 Helfer bedeckten die Schneemassen unter der Anleitung von Joachim Häfker mit Styroporplatten und einer Folie. Die Macher setzen dabei auf Bewährtes.

Es erinnert an ein Bauvorhaben im alten Ägypten

Von Helfer zu Helfer werden große graue Styroporquader weitergegeben, einmal über die bereits bepflasterte Fläche, bis die Klötze ihren Platz für die nächsten rund sieben Monate finden. Am unteren Ende werden manche Quader mit Motorsägen zurechtgesägt. Aus dem gigantischen weißen Schneehaufen wird ein großer grauer und anschließend, dank Spezialfolie wieder ein großer weißer Berg: der Schwarzwaldgletscher. In den vergangenen Jahren konnten dadurch über 6000 Kubikmeter des kostbaren Weiß für die Weltcupspringen in den nächsten Winter gebracht werden.



Eine Hand hilft der anderen, die Stimmung ist sehr heiter, woran auch das gute frühsommerliche Wetter einen erheblichen Anteil haben dürfte. Die tüchtigen Helfer hat Joachim Häfker, Chef des Schanzenteams, fest im Griff. Entschieden, aber stets freundlich trommelt er die zahlreichen Unterstützer des Neustädter Weltcupspringens zusammen: "Jetzt muen die Plane mol nuff." Seit halb neun in der Frühe sind die 126 helfenden Hände mit großem Tatendrang im Einsatz, die Arbeiten reichen fast für den ganzen Tag. Dabei sind die üblichen Unterstützer des Skisports aus den umliegenden Vereinen, die Hornochsen Titisee-Neustadt, Anwohner, Interessierte – Männer und Frauen – von 16 bis über 70 Jahre. "Das ist alles Ehrenamt", betont ein Helfer stolz. "Aber sowas in unserer Stadt muss man auch unterstützen", ergänzt sein Nebenmann. Das Credo: Wenn wir im Winter einen Weltcup haben wollen, muss die Unterstützung auch unterm Jahr stimmen.

Mehr als die Hälfte des Schnees soll den Sommer überstehen

In kurzen Hosen kraxelt auch Dieter Rohrer vom Skiclub Bubenbach über das verbliebene Weiß. Er ist schon seit 2001 fester Bestandteil des Weltcups als Leiter der Weitenrichter. "Da muss man auch ein bisschen Vorbild sein, bei solchen Einsätzen wie heute", erklärt er. Wenn so viele Leute dabei seien, geht es auch ziemlich schnell.

Der schattige Platz am Fuße der Hochfirstschanze scheint ideal als Standort für einen kleinen Gletscher. Auch bei den Temperaturen am Wochenende von über 20 Grad rinnt kaum Schmelzwasser am Fuß des Gletschers auf den trockenen Boden. Rund 60 Prozent des Schnees soll in seiner gefrorenen Form auch die warmen Monate überstehen. Dass das funktioniert, weiß man mittlerweile und hat deshalb auch schon Nachahmer in anderen Skiorten des Mittelgebirges. Wofür die Helfer gekommen sind? Ganz sicher nicht zum Schwatzen – das wird bald klar. Lieber packen Sie mit an.