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19. Januar 2010 16:58 Uhr
Auf dem Bankenhof in Titisee
Campingspaß in Schnee und Frost
Sommer, Sonne, Camping. Drei Worte, die für Camper nicht zwingend zusammengehören. Denn Wintercamping – selbst bei eisigen Temperaturen und Schnee – wird offenbar immer beliebter.
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Hart im Nehmen: Daniel van den Broek und Wouter Beenhevedt (von links) wohnen im Zelt. Foto: Eva Weise
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Dauercamper Heinz Frohmuth kocht in seinem Vorzelt. Foto: Eva Weise
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Gisela und Willy Petry aus Rüdesheim verbringen schon ihren 26. Winter auf dem Bankenhof. Foto: Eva Weise
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Alois Schubnell Foto: Eva Weise
Das gilt auch für den Campingplatz Bankenhof am Titisee. "Es kommen immer mehr Gäste", stellt Campingplatzbetreiber Alois Schubnell fest.
Über Weihnachten und Neujahr waren um die 140 Plätze mit knapp 300 Personen belegt. Die Hälfte davon waren Dauercamper, die im Winter immer wieder für einige Tage oder Wochen anreisen. Das sind 30 Dauergäste mehr als noch vor drei Wintern. Ein guter Abschluss für ein erfolgreiches Jahr mit zweistelligen Zuwachsraten, die die Zahl der Übernachtungen auf mehr als 30 000 ansteigen ließ. Bei Schnee waren die Voraussetzungen für Winter im Wohnwagen oder Wohnmobil in dieser Saison besonders gut. Aber auch bei schönstem Wetter kommen die Campinggäste nicht von alleine. Sie wollen auch etwas geboten haben. "Je besser das Angebot, desto mehr zieht es her", ist Schubnells Erfahrung. Denn die Gäste können nicht den ganzen Tag im Wohnwagen sitzen.
Tagsüber steht bei vielen deshalb Wandern oder Skifahren auf dem Programm. Wer Kinder dabei hat, geht auf dem kleinen Abhang hinterm Campingplatz Schlittenfahren. Weil die Campingnächte im Winter besonders lang sind, zieht es viele abends in das Campingplatz-Restaurant. An Silvester waren dort die Hälfte der Campinggäste zum Silvestermenü und zum Lagerfeuer mit Schwedenfackeln um Mitternacht. Zwei bis drei Tage sind manche da, bis zu acht Wochen jene, die länger Ferien machen können.
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Der Urlaub war für die meisten Wintercampinggäste Anfang Januar zu Ende – länger geblieben sind das Rentnerehepaar Gisela und Willy Petry aus Rüdesheim. Wo sie daheim sind, gibt es kaum Schnee. Deshalb gefällt ihnen ihr Urlaub am Titisee immer wieder so gut. Seit 26 Jahren fahren sie an Weihnachten für drei Wochen hierher. Früher waren ihre Kinder dabei, heute kommen sie alleine oder bringen eines ihrer Enkel mit. "Spazierengehen und die Landschaft genießen, das reicht uns", versichern sie und loben die familiäre Atmosphäre auf dem Platz, wo sich die langjährigen Wintergäste inzwischen kennen. "Ob Winter oder Sommer, das ist gleich für uns Camper", behauptet Willi Petry, "man muss sich nur warm anziehen, wenn man rausgeht." Im geheizten Wohnwagen lässt es sich gut aushalten. "Das ist gar kein Problem", erklärt er und zeigt auf die Gasheizung, die rund um die Uhr läuft. Nur aus gehen sollte der Ofen nicht, denn nach dem Wiederanheizen dauert es eine ungemütliche Stunde, bis es wieder warm wird.
Weniger kuschelig haben es zwei junge Männer aus Amsterdam, für die eine Woche Wandern auf dem Winterprogramm steht. Sie hausen im Zelt! Als Studenten haben sie wenig Geld in der Tasche, aber es gilt: "Hauptsache, man kommt weg von zu Hause." Wenn die Temperatur nachts auf minus zehn Grad fällt, wird es ihnen aber doch ein wenig kühl in ihren Schlafsäcken, und beide freuen sich am Morgen auf eine heiße Dusche. Trotzdem gefällt Daniel van den Broek und Wouter Beenhevedt ihr erster Winterurlaub am Titisee. Vor allem, wenn es frisch geschneit hat und sie vom Zelt aus gleich in den Schnee raus kommen. Nach einem wärmendem Kaffee brechen sie auf eine Wanderung zum Zweiseenblick auf.
Ruhe und Erholung sucht Heinz Frohmuth aus Ettlingen, der mit Frau und Katze hier ist. Der Dauercamper verbrachte zum zehnten Mal Weihnachten und Silvester in Titisee. Als Außendienstmonteur übernachtete er früher viel in Hotels und fuhr in den Urlaub nach Tirol. Das reizt den Rentner heute nicht mehr. "Campingurlaub ist viel individueller", sagt der 59-Jährige, während er im unbeheizten Vorzelt kocht. Aber an Kälte ist er längst gewöhnt, und der Wohnwagen ist gut isoliert. "Die verschneite Landschaft ist herrlich und auf den Wegen rund um den Campingplatz kann man schön laufen. Außerdem führt die Seebachloipe direkt an meiner Tür vorbei." Frohmuth fühlt sich rundum wohl. "Eine bessere Erholung gibt es gar nicht."
Abwechslung möchte auch Alois Schubnell, der den Bankenhof seit 1962 betreibt und mit den Söhnen Christian und Martin als Familienbetrieb führt, seinen Gästen bieten: Fackelwanderungen, Lagerfeuer oder ein gemütliches Zusammensitzen bei Glühwein und Waffeln sind Angebote, die bei den Urlaubern gut ankommen. Täglich spurt er die Seebachtalloipe und hält den "Winterberg" für Rodler in Schuss. Damit es den Campern in schneelosen Wintern nicht langweilig wird, setzt er außerdem auf ein hauseigenes Wellnessangebot und Kinderkino. "Dann kann der Camper auch verweilen, wenn das Wetter schlecht ist."
Autor: Eva Weise


