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21. August 2015 09:29 Uhr

Pilotprojekt kommt ins Stottern

Carsharing scheitert in den Funklöchern des Schwarzwalds

Die Idee ist klasse: Elektroautos sollen Einheimische und Touristen im Hochschwarzwald umweltfreundlich mobil machen. Es gibt nur ein Problem: die Löcher im Mobilfunknetz.

  1. E macht mobil – aber nur dann, wenn sich auch Daten übers Mobilfunknetz aufs Auto übertragen lassen. Foto: Peter Stellmach

  2. Attraktiv und beliebt: der BMW i3 Foto: Peter Stellmach

  3. Überall dort, wo es Mobilfunk gibt, ist alles ganz einfach: einsteigen und losfahren. Foto: Ingo Schneider

Leise schnurren sollte die E-Mobilität im Hochschwarzwald. Doch sie ruckelt noch ein wenig. Die Flotte von 25 stromgetriebenen BMW i 3 ist zwar in Fahrt gekommen, aber nicht überall. Weil das Mobilfunknetz fehlt. Betroffen sind Eisenbach, Breitnau und Lenzkirch. Und weil in Grafenhausen zwar das Netz vorhanden, aber überlastet ist. Das Problem zu lösen gestaltet sich schwierig.

Mitte April war es, als die Hochschwarzwald Tourismus Gesellschaft (HTG) nach eingehender Vorbereitung das erste E-Carsharing Deutschlands vorstellte. Die 14 E-Smarts von Mercedes, die bis dahin im Tourismus die E-Mobilität bewegten, wurden abgelöst durch familientaugliche i 3 von BMW. 25 Fahrzeuge stehen zur Verfügung.

25 Elektroautos von BMW sind im Einsatz

Zwölf davon haben sich Hotels gesichert: Die Gäste können sie nach Belieben nutzen, und nach allem, was HTG-Geschäftsführer Thorsten Rudolph gehört hat, wird dieses Angebot "sehr gut" angenommen.

13 Fahrzeuge verwaltet die HTG, eins davon zum eigenen Gebrauch, ein Dutzend für das öffentliche E-Carsharing Hochschwarzwald. Urlauber und Einheimische können sich einen E-BMW mieten, Kosten 6,90 Euro je Stunde oder 99 Euro für einen 24-Stunden-Tag.

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"Das Problem muss gelöst werden" Tourismus-Geschäftsführer Thorsten Rudolph
Das Verfahren ist einfach. Man bucht online, bekommt eine Bestätigung und einen Chip, begibt sich zum Auto, öffnet es und braust los, um es später am selben Ort wieder zu parken. Überall klappt das. Nur eben nicht in Eisenbach, Breitnau, Lenzkirch und Grafenhausen. Hier standen die Leute vor Autos, die sich ihnen partout nicht öffnen wollten. "Es gab schon Ärger", fasst Rudolph die Reaktionen zusammen.

Das Auto lässt sich nicht öffnen

Man ging dem Versagen auf die Spur und fand heraus, dass die Buchungsdaten nicht übertragen wurden, weil das Mobilfunknetz eine Lücke hatte. Sodass das Auto mit Fug und Recht sagen konnte: Ich kenne dich nicht. Ärgerlich für die HTG war, dass die Partner, Vodafone und BMW, die hier kooperieren, laut Rudolph nach einer Messung versichert hatten, es funktioniere mit dem Vodafone-Netz flächendeckend. Das hat sich nicht bestätigt.

Seit Mai kämpft Rudolph gegen den Missstand. Die Autos hat man rasch von den betroffenen Orten abgezogen, denn noch mehr Kratzer am Lack des Pilotprojekts wollte man nicht riskieren. Die Fahrzeuge tun seither woanders ihren Dienst. Man will sie natürlich möglichst bald wieder zurückholen. Wann das sein wird, ist offen. Mit anderen Netzen – etwa von Telekom – ist das System nicht kompatibel, zudem sind Vodafone und BMW feste Partner.

Die Löcher im Netz sollen jetzt gestopft werden

Nach dem neuesten Stand der Diskussion könnte eventuell eine sogenannte Femto-Zelle helfen, ein Netzverstärker. Vom Gedanken zur Umsetzung scheint es aber ein weiter Weg zu sein. Im Gewirr der Zuständigkeiten zieht sich die Angelegenheit hin, Rudolph findet es "nervig". Er beharrt darauf, "das Problem muss gelöst werden", denn es wäre ja sinnvoll, wenn ein Netz ohne Löcher auskäme.

Gespräche stehen an, er sieht vor allem Vodafone in der Pflicht. Was geschieht, wenn die Lösung nicht gelingt, "weiß ich auch noch nicht", sagt er. Ein wenig Trost zieht er aus der Erkenntnis, dass man sich "nicht auf einem routinierten Feld bewegt". Um so mehr hofft er darauf, dass seine Partner den Ehrgeiz beweisen, in diesem aus HTG-Sicht so prestigeträchtigen Projekt Erfolg zu haben.

Unterdessen werden bald die nächsten Ladestationen montiert: St. Blasien ist am 25. August dran, Ühlingen-Birkendorf folgt Anfang September und St. Märgen Anfang Oktober.

Das öffentliche E-Carsharing wird bisher noch recht verhalten genutzt, Rudolph sieht "noch Luft nach oben". Auch das ein Grund, den Netzproblemen möglichst schnell abzuhelfen.

Autor: Peter Stellmach