Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
09. März 2010
Dem großen Vorbild gerecht werden
Monica Arnó interpretiert im Krone-Theater "Lieder zum Fürchten" von Georg Kreisler.
TITISEE-NEUSTADT. "Schau, die Sonne ist warm und die Lüfte sind lau, geh mer Tauben vergiften im Park!" Mit solch makabren Texten, als Gegenpol unterlegt mit wunderbar leichten und heiteren Melodien, wurde der Kabarettist Georg Kreisler berühmt. Am Mittwoch interpretierte die Wiener Sängerin und Kabarettistin Monica Arnó seine Chansons im Krone-Theater Neustadt und wurde dem Anspruch eines jeden Kreisler-Kenners voll gerecht.
Monica Arnó gastierte bereits zum dritten Mal im Krone-Theater, um einen "makabarettistischen Abend" mit "Liedern zum Fürchten" zu gestalten. Sie steckte in der Zeitspanne ihres Programms sowohl alte, bekannte Chansons ab, wie zum Beispiel das anfangs zitierte "Tauben vergiften" und "Als der Zirkus in Flammen stand", als auch ein Spätwerk von 1998, "Wenn die Mädchen nackt sind". Abwechselnd mit Klavier oder Akkordeon begleitet – letzteres spielte sie selbst –, verlieh Arnó den meist bitterbösen Chansons die erforderte Lässigkeit und Ironie.
Kreisler, 1922 in Wien geboren, emigrierte 1938 mit seinen Eltern in die USA, wo er später als Arrangeur, Pianist und Dirigent arbeitete. 1955 kehrte er zurück nach Wien und wurde dort Mitautor im Wiener Kabarett. Seine kompromisslose Kritik an Politik und Gesellschaft, sein hintergründiger, schwarzer Humor und sein gekonnter Umgang mit der Sprache bescherten ihm viele Anhänger in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Unter ihnen auch Monica Arnó, selbst in der Nähe von Wien geboren. Die Künstlerin studierte Akkordeon und Orchesterleitung in Linz, danach folgte klassischer Gesangsunterricht bei Renate Holm in Wien. Seit 1995 gibt sie als freiberufliche Künstlerin unter anderem französische Chansons und Lieder von Georg Kreisler zu ihrem Besten.
Werbung
Zwischen den einzelnen Stücken erwähnte sie immer wieder Anekdoten aus dem Leben Kreislers, wodurch sie ihre Verehrung gegenüber dem Künstler unterstrich. Das Stück "Gelsenkirchen" leitete sie mit einer Geschichte über Kreislers Arbeit beim WDR ein: Der empörte Sender verbot dieses Stück aufgrund seines schmählichen Inhaltes im Rundfunk . Die detaillierte, satirisch-bissige Beschreibung der Kohle-Stadt setzte Kreisler in starken Kontrast zur Melodie, die zum Tanzen einladen möchte. Monica Arnó greift die Erwartungen Kreislers gekonnt in ihrer Interpretation auf; der komische wie auch der theatralische Aspekt kommen nicht zu kurz.
Die kabarettistischen Fähigkeiten seitens der Künstlerin kamen in Stücken wie "Triangel", "A bidla buh" und "Der General" zum Ausdruck; geplante Tanzeinlagen in Liedern wie "Zwei alte Tanten tanzen Tango" mussten wegen eines bandagierten Fußes entfallen, doch dem Unterhaltungswert der selbstbewussten Sängerin tat das keinen Abbruch.
"Eine kleine Gutenachtmusik" bildete den Schlusspunkt des Abends. Süffisante Texte über ein gehobenes, selbstgefälliges Publikum in einem klassischen Konzert, gelegt über die Melodie von Mozarts "Eine kleine Nachtmusik", brachte den einen oder anderen zum schmunzeln. Schade bloß, dass diesmal nur wenige Besucher den Weg ins Krone-Theater gefunden haben. Oder um es mit den Worten Kreislers zu sagen: "Bei jedem richtigen Konzert ist Musik ein Fremdkörper, der stört."
Autor: Annette Thoma
