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23. August 2017

Ein Verfechter der Menschenrechte

Ignaz Stegmiller hat die zweite Richterstelle am Amtsgericht Titisee-Neustadt angetreten – aber nur bis Dezember.

  1. Ignaz Stegmiller Foto: A. Zwick

TITISEE-NEUSTADT. Das Beständigste ist der Wechsel, so scheint es: Am Amtsgericht gibt es nach eineinhalb Jahren wieder eine Veränderung bei der zweiten Richterstelle. Melanie Raschke hat sich in den Mutterschutz verabschiedet. Für sie ist zum 15. August Ignaz Stegmiller angetreten, allerdings nur bis Ende Dezember.

Der 37-Jährige wurde von der Staatsanwaltschaft in Waldshut, wo er knapp ein Jahr tätig war, in den Hochschwarzwald abgeordnet. 2018 soll er seine Assessorenzeit in Freiburg fortsetzen. Dort wohnt Stegmiller seit dem Wechsel nach Süddeutschland mit seiner Frau, einer Historikerin, und dem kleinen Sohn, "dort haben wir Freunde und Anschluss."

Geboren wurde Ignaz Stegmiller 1980 in Hannover. Seine Eltern stammen allerdings aus Bayern, was die Wahl des Vornamens erklärt. Aufgewachsen ist er in Bad Nenndorf in der Nähe der niedersächsischen Landeshauptstadt. Nach Abitur und Zivildienst begann er, in Gießen Jura zu studieren. Damit kam er in Berührung, als in der Schule Berufe vorgestellt wurden. Während seines Zivildienstes setzte er sich in der Universität mal in Vorlesungen und fand Gefallen an der Materie. Für Menschenrechte und Völkerstrafrecht hatte er schon vorher großes Interesse, erzählt der junge Jurist.

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Von Gießen wechselte Stegmiller nach Berlin, wo er 2006 sein erstes Staatsexamen ablegte. Drei Jahre später promovierte er in Göttingen in Völkerstrafrecht. Sein Referendariat machte er bis 2011 in Bremen. Danach ging der junge Jurist für ein Jahr als Entwicklungshelfer nach Kambodscha: Er arbeitete in einem Programm der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zum Sondertribunal Rote Khmer mit, wo sich die überlebenden Hauptverantwortlichen des Regimes für ihre Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bürgerkriegs verantworten mussten. Nach seiner Rückkehr 2012 lehrte Stegmiller bis 2016 als Dozent an der Uni Gießen.

Zum Wechsel in den Justizdienst entschloss sich der Wissenschaftler wegen der besseren beruflichen Perspektiven, wie er sagt. Er wollte gern an ein Gericht – in Neustadt hat das nun geklappt.

Seinen ersten Verhandlungstag als Richter hat der Neue ruhig und souverän bewältigt (die BZ berichtet noch). Das Strafrecht liegt ihm näher, doch er wird sich auch ins Zivilrecht einarbeiten und diese Fälle mit Amtsgerichtsdirektor Hans-Peter Kuhn teilen.

"Der Einstieg war gut", sagt Ignaz Stegmiller über seinen Start am Amtsgericht. Nach Neustadt pendelt der Hobbyfußballer, der in Freiburg schon ein Team gefunden hat und auch Mitglied des Sportclubs geworden ist, mit dem Zug.

Autor: Annemarie Zwick