Eine beeindruckende musikalische Rundreise durch die Kulturen

Thomas Biniossek

Von Thomas Biniossek

Mo, 03. Dezember 2018

Titisee-Neustadt

Stadtmusik und Jugendkapelle Neustadt präsentieren unter der Leitung von Klaus Stoy einen Konzertabend vom Feinsten.

TITISEE-NEUSTADT. Genau so muss Blasmusik klingen: Mal feurig, mal getragen, harmonisch im Klangkörper, stark bei den Soli, sicher im Rhythmus, spielfreudig und lebendig. Was Stadtmusik und Jugendkapelle Neustadt bei ihren Jahreskonzerten im Kurhaus Titisee präsentierten, war jedenfalls vom Feinsten. Die Orchester unter Leitung von Klaus Stoy nahmen die vielen Zuhörer mit auf eine beeindruckende Reise durch die Kulturen.

Unter dem Titel "Länder. Kulturen. Blasmusik" gab es viel Neues zu entdecken. So gleich zu Beginn beim "Wedding Day of Troidhagen von Edvard Grieg. Der Bläser-Nachwuchs präsentierte sich dabei im ersten Teil in tollen Piano-Passagen feierlich und im crescendo des Finales nachdenklich. Schwungvoll war der Start in Gene Raskins "Those were the days my friend", von Sven van Calster arrangiert. Fast symphonisch zeigte sich die Jugendkapelle dabei, präsentierte die Trompeten- und Posaunen-Soli souverän und die jungen Schlagwerker zeigten sich rhythmussicher. Der junge Niederländer Carl Wittrock schrieb sein Konzertwerk "Crossroads Aarwangen" mit vier ineinander übergehenden Sätzen. Wunderbar vorgetragen die Klarinetten-Soli, ein tolles Schlagwerk und ein Duett von Saxophon und Flöten, wobei das Thema von Klarinetten und Flöten harmonisch übernommen wurden. Als Zugabe gab es eine Einladung zum Tanz mit Adam Gorbs "Afrika Samba". Eine Stimmung am Lagerfeuer machte sich breit bei dieser Meisterkomposition des britischen Komponisten. Nein, um einen hoch qualifizierten Nachwuchs muss sich die Stadtmusik keine Gedanken machen.

Nach einer kleinen Umbauphase, schließlich wollten knapp 80 Musiker der Stadtmusik auf der Bühne Platz nehmen, zeigten sich die Blech- und Holzbläser bei der kraftvollen Konzertouvertüre "Appalachian Ouverture" von James Barnes, das 1984 in Nordamerika uraufgeführt wurde, in wahrer Spiellaune. Bei den Soli der Trompeter, Flöten und Oboe/Fagott, den starken Trommlern oder dem Tutti präsentierte sich der gesamte Klangkörper in den wunderbar getragenen Passagen und dem Da capo im dramatischen Finale als ein sensibel auf den Dirigenten reagierendes Ganzes. Das entführte die begeisterten Zuhörer schließlich auf die Iberische Halbinsel. Reverlano Soutullo und sein Partner Juan Vert komponierten mit "La Leyenda des Beso" eine Zarzuela, der spanischen Schwester der Operette, und erzählen dabei eine dramatische Legende einer Liebesbeziehung des adligen Mario mit der Zigeunerin Amapola. So dramatisch wie die Geschichte ist das Stück, bei dem die die tiefen Blechbläser (Euphonium, Tuba) ihr ganzes Können zeigen durften. Und gleich mehrstimmig präsentierten sich zudem die Hörner, vorzüglich auch die Schlagwerker und grandios das fanfarenhafte Finale.

Asiatisch ging es nach der Pause weiter. Michiru Ohshima schrieb die Filmmusik "Tenchijn" zu einer Geschichte des Samurai Naoe Kanetsugu. Dramatisch der Einstieg, getragen von Saxophon, Klarinette und Querflöte und wieder im Tutti mächtig führte Klaus Stoy seine Musiker sicher durch alle anspruchsvollen Passagen. Das galt auch für Dirk Brossés "Postcard from Beijing", der eine Weltreise mit zehn Musikpostkarten komponierte.

Eine besondere Herausforderung für jedes sinfonische Orchester sind die "Armenischen Tänze Nr. 1" von Alfred Reed. Hier eine zarte Melodie, dort ein großflächig angelegtes Tutti, kraftvoll und erhaben, dann ein feuriges Tempo mit einem Finale furioso. Zu Recht spendeten die begeisterten Zuhörer und auch der Dirigent den Musikern Applaus. Von Armenien ging es nach Israel. Typische jiddische Musik komponierte Adam Gorb mit seinem "Eine kleine Yiddishe Ragmusik", eine brillante Verbindung von Ragtime und jüdischer Volksmusik. Sauber akzentuiert, spielerisch, tänzerisch und dann wieder dramatisch mit wunderbaren Soli von Flöte, Oboe und Saxophon präsentierte die Stadtmusik dieses Werk. Das galt auch für den argentinischen Tango "Olé Guapa" des Niederländers Arie Malando. Unterstützt wurde das Orchester von Akkordeonspieler Waldemar Lang. Er war auch an Bord bei dem vielleicht den Zuhörern am bekanntesten Stück, dem "Paris Montmatre", arrangiert von Toshio Mashima. Der Japaner ließ sich vom Flair des Künstlerviertels verzaubern und zu diesem Medley mit den bekannten Liedern "La vie en rose", "Moulin Rouge" oder "Sous le ciel de Paris" inspirieren. Überzeugend dabei Schlagwerk sowie Trompete und Posaune in den Soli.

Die Stadtmusiker durften die Bühne nicht ohne Zugaben verlassen. Mit "Abel Tasman" von Alexander Pfluger und "Ein halbes Jahrhundert" von Very Rickenbach setzte das Ensemble einen glanzvollen Schlusspunkt.