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21. Juni 2010 18:10 Uhr

Elektrische Viktoria

Siemens-Projektleiter stirbt bei Fahrt mit Elektro-Oldtimer

Bei einer Probefahrt mit dem Nachbau der "Elektrischen Viktoria" ist Projektleiter Wilfried Feldenkirchen ums Leben gekommen. Vier mitfahrende Studenten der Technischen Universität Erlangen-Nürnberg wurden teils schwere verletzt.

  1. Schreckliches Ende einer Probefahrt: Die „Elektrische Viktoria“ im Straßengraben. Ihr Fahrer, Professor Wilfried Feldkirchen, starb bei dem Unfall. Foto: Dieter Maurer

  2. Der Nachbau des von 1905 bis 1910 von Siemens produzierten Elektroautos am 30. April in Berlin. Foto: ddp

Das Unternehmen Siemens hatte Professor Feldenkirchen als Projektleiter für den Nachbau der "Elektrischen Viktoria" eingesetzt, deren Vorbild von 1905 bis 1910 produziert wurde. Anfang Mai präsentierte er das in der Werkstatt von Hubert Drescher in Hinterzarten entstandene Gefährt in Berlin und stellte es Bundeskanzlerin Angela Merkel vor. Bei der Expo in Shanghai begeisterte der originalgetreue Nachbau die Besucher. Zurück von der Weltausstellung wurde das Fahrzeug bei der Einweihung des großen Siemens-Zentrums in Wien dem österreichischen Bundespräsidenten gezeigt. Feldenkirchen chauffierte das Staatsoberhaupt durch die Hauptstadt. In dieser Woche sollte der Oldtimer per Flugzeug nach Südafrika transportiert werden.

Probefahrt in Richtung Löffelschmiede

Vor der Reise nach Südafrika wartete Hubert Drescher das Fahrzeug. Am Wochenende kam Feldenkirchen nach Hinterzarten, am Montag stieß eine 14-köpfige Studentengruppe der TU Erlangen hinzu. Feldenkirchen wollte ihnen die "Elektrische Viktoria" auch in der Praxis vorführen und lud zu einer Probefahrt in Richtung "Löffelschmiede" ein. Dort sollte Drescher den Oldtimer wieder abholen.

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Mit voller Wucht in die Böschung

Von der Werkstatt ging es auf der abschüssigen Straße in Richtung Kreisstraße 4962. Feldenkirchen saß am Steuer rechts. Das Verdeck war nach hinten geklappt. Ein Student hatte auf dem linken Beifahrersitz Platz genommen, drei weitere auf dem Rücksitz. Nach nur rund 500 Meter bog das Auto in eine scharfe Rechtskurve ein. Spekuliert wird, dass das Gefährt, ausgestattet mit zwei unabhängig voneinander wirkenden Bremsen, zuviel Fahrt aufgenommen hatte und nicht mehr gestoppt werden konnte. Es prallte mit voller Wucht in die Böschung. Feldenkirchen wurde wohl über die Kühlerhaube nach vorne links geschleudert und tödlich verletzt. Zwei Studenten erlitten schwerste Verletzungen. Einer von ihnen musste mit dem Hubschrauber in die Uni-Klinik nach Freiburg gebracht werden. Zwei weitere Mitfahrer kamen mit leichteren Verletzungen davon.

Die Leichtverletzten unterrichteten die Kommilitonen telefonisch über den Unfall. Diese fuhren mit einem Bus zur Unglücksstelle. Ein in der Nähe mit Mähen beschäftigter Hotelier informierte Polizei und Feuerwehr Hinterzarten.

Das Auto ist beschlagnahmt und wird technisch untersucht

Notärzte und Rettungssanitäter des Roten Kreuzes und des Malteser Hilfsdienstes kümmerten sich um die Verletzten. Die Studenten standen unter Schock. Bürgermeister Hansjörg Eckert und sein Nachfolger Klaus-Michael Tatsch versuchten Trost zu spenden.

Zur Unfallursache konnte die Polizei noch keine Angaben machen. Der Oldtimer wurde beschlagnahmt und wird technisch untersucht.

Professor Feldenkirchen, 1947 in Köln geboren, zählte die Wirtschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts zu seinen Arbeitsgebieten. Seit dem Wintersemester 1990/91 hat er an der Universität Erlangen-Nürnberg einen Lehrstuhl für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte inne. Er war Autor zahlreicher Veröffentlichungen.

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Autor: Dieter Maurer