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07. Dezember 2011

Gutachter für die kniffligen Fragen

Bürgermeister beschließen den nächsten Schritt zur Behandlung des Themas Windenergie / Pix hegt Bedenken, Hinterseh kontert.

  1. Hansjörg Straub (links) möchte auf der Fürsatzhöhe eine Windkraftanlage errichten. Das Foto zeigt ihn mit Fürsatzbauer Karl Winterhalder, der das Grundstück einbringen würde. Die kleine Windmühle hatte Straub einst in der Schule gebaut, sie hat Symbolcharakter für sein heutiges Engagement. Foto: Peter Stellmach

TITISEE-NEUSTADT / HOCHSCHWARZWALD. Ein unabhängiges Fachbüro soll klären, welche Erhebungen im Hochschwarzwald als Standorte für Windkraftanlagen taugen. Denn wenn es darum geht, in einem gemeinsamen Planungsverband rechtsverbindlich die Grundzüge der alternativen Energiegewinnung festzulegen, wollen die Bürgermeister auf der sicheren Seite sein und sich weder auf den Windatlas noch auf die Investoren verlassen müssen.

Sie haben in einem Treffen am Montagabend aber noch nicht den Zuschlag erteilt. Vielmehr wurde Norbert Brugger (Löffingen) damit beauftragt, mit dem Favoriten, einer Firma aus Norddeutschland, Einzelheiten zu klären, die als wesentlich angesehen werden.

Es geht zum einen um die Windhöffigkeit, also die Frage, wie kräftig und stetig es bläst. Der Windatlas weist bekanntlich Unsicherheiten auf. Man will es aber genau wissen, beispielsweise, ob der Feldberg den Durchzug beeinträchtigt. Um genauen Aufschluss zu bekommen, bedarf es dreidimensionaler Berechnungen. Der zweite Punkt betrifft mögliche Einschränkungen durch die Lebewelt, bezogen auf die Aussage der Landesregierung, dass keine Arten gefährdet werden dürften. Deshalb will man etwa wissen, welche Auswirkungen die Auerwildschutzgebiete auf die abschließende Beurteilung des Themas Windkraft haben. Sollte das Fachbüro in der Lage sein, beide Themen schlüssig zu bearbeiten, bekommt es den Auftrag. 10 000 Euro sind dafür veranschlagt, ein Tausender pro Gemeinde, und das liegt in der Entscheidungshoheit der Bürgermeister.

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Für den 1. Februar ist eine gemeinsame Sitzung aller Gemeinderäte in der Löffinger Festhalle geplant, öffentlich für die Bürger der zehn Gemeinden. Dort sollen die Ergebnisse der Untersuchung vorliegen, Fachleute sollen beigezogen werden und man hofft auch den Windenergieerlass der Landesregierung vorliegen zu haben, verweist Armin Hinterseh (Titisee-Neustadt) auf die "Hausaufgaben", die in Stuttgart noch zu machen seien. Dann hätte man belastbare Grundlagen und könnte schauen, wie man weitermacht.

Hinterseh will die Grünen überholen

Die Nutzung der Windkraft im Hochschwarzwald war auch eines der Themen beim Antrittsbesuch des Landtagsabgeordneten Reinhold Pix (Grüne) in Neustadt mit Bürgermeister, Amtsleiten und den Sprechern der Gemeinderatsfraktionen (die BZ berichtete). Pix hegte Bedenken, ob die Gründung des Planungsverbands zur weiteren Behandlung der Frage der richtige Weg sei; ihn plagte die Sorge, dass es auf eine Verzögerungs- oder gar Verhinderungstaktik hinauslaufen soll. Es sei zwar richtig, dass man gemarkungsübergreifend vorgehen wolle, meinte er. Er sehe aber "durchaus Bedenkenträger unter den Bürgermeistern", fuhr er fort und sprach von "vorgeschobenen touristischen Gründen". Dabei gehe es ausdrücklich nicht darum, den Schwarzwald zu verspargeln. Die Region habe aber viele "richtig ertragreiche Standorte", die von den Gemeinden und von Bürgergenossenschaften genutzt werden könnten. Pix will, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt und nicht die Großen der Branche den Rahm abschöpfen. Sollte der Hochschwarzwald die Gelegenheit nicht nutzen, stehe die Schwäbische Alb bereit. Pix rief zur Zusammenarbeit auf und führte den "Windbürgermeister von Breitnau" als leuchtendes Beispiel an. Er verdeutlichte aber, dass es ihm nicht um Schnelligkeit gehe, sondern um harmonische und saubere Verfahren im Einvernehmen mit der Bevölkerung.

Bürgermeister Hinterseh nahm ihm jedoch buchstäblich den Wind aus dem Rotor: "Es könnte sein, dass wir Sie auf der grünen Spur rechts überholen", erwiderte er süffisant und sagte klipp und klar, dass der Hochschwarzwald keine Verhinderungspolitik betreiben wolle und werde, sondern an einer Positivplanung arbeite. Allerdings hätten acht der zehn Gemeinden mindestens eine der anderen Gemeinden als Angrenzer. Die Frage Windkraft jeweils über die Flächennutzungspläne zu klären, würde mehr Zeit kosten, als sie in einem Planungsverband zu voranzutreiben. "Man wird sich wundern, wie viel wir damit erreichen können und wie schnell", machte Hinterseh deutlich und betonte: "Es gibt niemanden, der die Windkraft boykottieren will."

Fürsatzhöhe wäre ein regional verankertes Projekt

Regionale Wertschöpfung wäre das Vorhaben von Hansjörg Straub und Landwirt Karl Winterhalder auf der Fürsatzhöhe. Geplant ist eine Anlage mit der Nabenhöhe von 138 Metern und dem Rotordurchmesser von 82 Metern. Das würde eine absolute Höhe von 179 Metern bedeuten. Die Investition für die Leistung von 2,3 Megawatt ist mit vier Millionen Euro umrissen. Der Standort liegt auf 1100 Metern Höhe, 400 Meter nördlich des Fürsatzparkplatzes in Richtung Weißtannenhöhe und ähnlich weit entfernt von der nächsten Stromleitung zur Einspeisung der Energie. Bei dem Gelände handelt es sich um eine Fläche, der Material für den Wegebau entnommen wurde, südöstlich davon grenzt eine Schneise an, die der Orkan Lothar geschlagen hat, sodass Straub und Winterhalder den Eingriff in die Landschaft als geringfügig ansehen. Angrenzer sind der Benediktenhof, der Gaisbauernhof und der Heiligbrunnenwirt, die laut Straub den Plänen wohlwollend bis nicht ablehnend gegenüberstehen. Er und Winterhalder sehen die Verbindung von der Fürsatzhöhe zum zweieinhalb Kilometer entfernten Fahrenberg, auf der bis zu sieben Anlagen denkbar wären. Auch in Breitnau stehen mehrere Landwirte mit Bauherren und Betreibern bereit.

Autor: Peter Stellmach