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28. Juli 2009

"Immer wieder ein Stückchen Glück"

BZ-INTERVIEW mit Monika Schückher und Susan Gluth, Hauptdarstellerin und Regisseurin der Dokumentation "Wasser und Seife"

  1. Monika Schückher mit Hund Bonnie Foto: marion pfordt

TITISEE-NEUSTADT. Die Dokumentation "Wasser und Seife", die in der vergangenen Woche im Krone-Theater in Neustadt gezeigt wurde, beleuchtet das einfache Leben der unbeachteten Heldinnen des Alltags einer in die Jahre gekommenen Wäscherei. Der Zuschauer nimmt Anteil am Leben der drei Arbeiterinnen, die sich trotz geringen Lohns ein Stück Glück vom Leben erobern. Marion Pfordt sprach mit einer der Haupdarstellerinnen, Monika Schückher, und der Filmemacherin Susan Gluth, deren Film das Prädikat "besonders wertvoll" erhielt.

BZ: Frau Schückher, Sie sind keine Schauspielerin, sondern eine einfache Frau aus dem echten Leben. War es nicht seltsam, in einem Film mitzuwirken?

Schückher: Ja ich bin Arbeiterin. Ich kenne die Regisseurin Susan Gluth schon sehr lange, seit 1978. Für jemand anderen hätte ich das ja nie gemacht.

BZ: Die Kamera hat sie durch ihren Alltag begleitet, hat das nicht gestört?

Schückher: Nein, nein, die Susan hat ja selbst gefilmt, das war schon in Ordnung. Sie hat 100 Stunden gedreht, war auch beim Tierarzt dabei und zu Hause, der Film ist aber nur 85 Minuten lang.

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BZ: Werden sie denn jetzt auf der Straße erkannt?

Schückher: Nein. Ich kann mein Leben ganz normal weiterführen. Aber komisch war das schon, sich so auf der Leinwand zu sehen. Zuerst dachte ich: Oh, Gott, was hab ich für eine versoffene tiefe Stimme. Die hört sich da schon anders an. Aber sonst haben mir die Aufnahmen gut gefallen.

BZ: Wie kamen Sie überhaupt zu dem Job in der Wäscherei?

Schückher: Eigentlich wollte ich ja nur drei Wochen in der Wäscherei aushelfen, daraus sind dann über 20 Jahre geworden. Was man hat, hat man. Der Chef ist ja auch nett. Er schimpft mal, das ist aber nach fünf Minuten wieder vergessen. Der hilft uns auch schon mal bei Problemen.

BZ: Sie sind alleine mit der Regisseurin auf Tour?

Schückher: Ja, die Gerdi und die Tatjana müssen ja noch arbeiten, ich bin inzwischen in Rente. Ich bin mit dem Zug aus Hamburg gekommen. Den Schwarzwald kenne ich bereits aus meinem Urlaub, ich war schon öfter hier. Ich kenn ja auch noch das Hotel vom Eddi Arendt, aber das hat er ja nun nicht mehr. Jetzt bin ich im Hotel Jägerhaus untergebracht, das kann ich ja nur empfehlen. Die Zimmer sind so sauber, das Essen war auch gut – und viel! Ich bin sehr zufrieden.

BZ: Frau Gluth, Sie zeigen in ihrem Film sehr private und völlig alltägliche und somit fast intime Momente der Menschen, die Sie darstellen.

Gluth: Ja genau. Ich habe ihnen die Aufnahmen vor der Veröffentlichung gezeigt. Sie haben gesagt: Ja, so isses halt. Das ist somit schon in Ordnung. Da ist nichts beschönigt und nichts übertrieben. Durch den Film erfährt das einfache Leben der Mitwirkenden eine gewisse Würdigung.

BZ: Verändert sich nun das Leben der Darstellerinnen?

Gluth: Sie verdienen jetzt auch nicht mehr Geld als vorher, sind nicht berühmt und haben keine Angebote bekommen, das sicher nicht. Aber das Gefühl, auf einer Bühne zu stehen und den Applaus zu erfahren, ist schon etwas Besonderes. Dass ihre Arbeit von außen wahrgenommen und gewürdigt wird, stärkt das Selbstbewusstsein der Frauen.

BZ: Wie reagiert das Publikum?

Gluth: Immer wieder begegnet mir das Wort Demut. Nach meinem Film denken die Leute über ihr eigenes Leben nach, sind vielleicht etwas bescheidener, dankbarer. Manchmal treffe ich Leute, die schon drei-, viermal im Film waren und, wie sie sagen, immer wieder Neues entdecken. Die Leute empfinden Bewunderung für Monika, die mit solch einer Kraft durchs Leben schreitet.

BZ: Ist Ihr Film auch Sozialkritik?

Gluth: Der Film ist in einer Zeit entstanden, als die Diskussion um ein Hamburger Nobelhotel entbrannte, das seinen Zimmermädchen nur 2,50 Euro Stundenlohn bezahlte und der daraus resultierenden Mindestlohndebatte. Schauen Sie: Sie und ich, wir sind doch in unserer Berufswahl relativ privilegiert. Meine drei Heldinnen des Alltags aber nehmen die Stelle, die frei ist. Und was sich eben ergibt. Sie arbeiten körperlich schwer für ihren Lohn. Ich wollte zeigen, wie gut man auch damit umgehen kann und wie sie sich trotzdem immer wieder ein Stückchen Glück holen. Wenn Sie das als Gesellschaftskritik sehen, so ist das für mich in Ordnung.

Autor: mp