Rocker, Gigolos und ein einsamer Bauer

Ute Kienzler

Von Ute Kienzler

Do, 19. November 2015

Titisee-Neustadt

Die A-cappella-Gruppe "Ohrwürmer" erzählt mit ihren Darbietungen unterhaltsame Geschichten.

NEUSTADT. Die "Ohrwürmer", die älteste Boygroup zwischen Zastler und Notschrei, müssten sich umtaufen lassen, wenn nicht jeder Zuhörer ihres Konzertes mit einem Ohrwurm nach Hause ginge. Vorlagen für einen solchen gab es genügend beim Neustädter Auftritt des Ensembles, welches aus dem Männergesangverein Oberried hervorgegangen ist. Zum zweiten Mal hatte Leopold Winterhalder die A-cappella-Gruppe ins Krone-Theater eingeladen und Chorleiter Michael Weh bedankte sich dafür. "Auch wenn es an diesem Abend angesichts der Terroranschläge in Paris schwerfällt, lockere Unterhaltung zu bieten", so Weh zu Beginn, "wir möchten unseren Gesang den Menschen widmen, die ihre Liebsten bei dem Anschlag verloren haben."

Im Rhythmus fingerschnipsend zog der Chor auf die Bühne und hieß im vollbesetzten Saal das Publikum "Willkommen-bienvenue-welcome au Cabaret". Angesiedelt zwischen den Comedian Harmonists und den Mainzer Hofsängern zeigte die zwölfköpfige Gruppe ihr vielfältiges Können als mehrstimmiger Chor und bei etlichen Soloparts. Weil dieser Herbst ja eher ein Sommer ist, war der Song "Jetzt ist Sommer" durchaus passend und das Publikum begleitete den sich wiederholenden Text durch Klatschen. Bei den dann folgenden Stücken persiflierten sich die Chormitglieder selbst. Muskelprotzend und doch voller Selbstmitleid sangen sie Grönemeyers "Männer". Bei "King of the road" mutierten die Sänger zu Pistenschweinen, mussten aber wegen des zum Schluss moralisierenden Inhalt des Textes wieder zurückrudern. Der Chor brachte zwar keinen Duschvorhang als Requisit mit auf die Bühne, widmeten ihm jedoch einen ganzen Song, "denn manchmal ist er der Einzige, der an einem hängt". Und auch der Bauer, der eine Frau sucht, fehlte nicht. Er warb singend um eine Partnerin, die doch im Publikum zu finden sein müsste.

Innerhalb des Chors seien alle Berufsgruppen vertreten, erläuterte Michael Weh. So auch ein Gigolo, den die Männer vorschickten, um mit "I got nobody" und "I’m so lonely and sad" seine Einsamkeit beklagen zu lassen. Trotz einer Choreographie, die im folgenden Stück eher von verhaltenem Temperament zeugte, zeigten die Männer Selbstbewusstsein mit "She is mine, oh mine", einem aus einem Film entlehnten Song. Als Hommage an das Krone-Theater überraschten sie mit aufgesetzter Krone und träumten davon, was sie machen würden, wenn sie Könige wären. Ein echter Mann muss auch mal eine Lederjacke anziehen und sich in eine enge Lederhose zwängen (dürfen), zumindest trauten sich die Ohrwürmer das auf der Bühne: Rockig und fetzig schmetterten sie "We will rock you". Mit "Don’t worry, be happy" intonierten sie gefühlvoll einen Song des amerikanischen Jazzsängers Bobby Mc Ferrin. Selbstkomponiert war ihr Dankessong an die deutsche Pharmaindustrie, die dank der unzähligen Medikamente zum Zustand "aber sonst gesund" verhelfe. Zum Grönemeyer-Song "Mambo" spielten die Chormitglieder die verzweifelte Suche nach einem Parkplatz nach und verabschiedeten sich mit dem Frauenbetörer "Bratislava lover". Das begeisterte Publikum erklatschte sich die Zugabe "Only you" und verstand diesen Song als augenzwinkernden Hinweis, das Lieblingspublikum der Boygroup gewesen zu sein.