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31. Juli 2010
Sie muss die Besucher locken
BZ-PORTRÄT: Die Neustädterin Bettina Tritschler ist heimgekehrt, um das Badeparadies in Titisee zu vermarkten.
TITISEE-NEUSTADT. Ganz unwirklich erscheint das rote Band von weitem. Wie ein grell leuchtender Aufkleber auf dem grauen Beton, der an diesem Nachmittag noch düsterer wirkt als an hellen Tagen. Schnurstracks führt Bettina Tritschler den Besucher dorthin, umkurvt sicher die Pfützen und überwindet federnd alle Stufen, unterwegs wirft sie jedem Arbeiter ein freundliches Hallo zu. Bitteschön: "Free Fall", (fast) freier Fall aus achteinhalb Metern Höhe mit 70 Sachen – die erste der 18 Rutschen für die Galaxy, die Erlebniswelt des Badeparadieses, ist montiert. Diese und die anderen Attraktionen anzupreisen ist die Aufgabe der 45-Jährigen als Josef Wunds Marketingleiterin in Titisee.
Der Name! Richtig, Wund hat nach der Geschäftsleitung mit Jochen Brugger aus Löffingen auch für die zweite wichtige Schaltstelle eine einheimische Besetzung gewählt. Bettina Tritschler Elternhaus steht in Neustadt. Nach 20 auswärtigen Jahren ist sie in die Heimat zurück gekehrt und will ein Projekt mit aufbauen, das aus ihrer Sicht eine "unglaubliche Chance" für den Hochschwarzwald bietet, als Ferienregion im internationalen Wettbewerb einen großen Sprung nach vorne zu machen. "Überfällig" gewesen sei so ein Impuls für die Region, findet sie.Werbung
Die Erwartungen sind groß, 500 000 Besucher jährlich das hoch gesteckte Ziel – mindestens. Um es zu schaffen und auf Dauer zu halten, braucht es Attraktionen, die auch in einer von Superlativen so vollen Event-Welt den Namen verdienen, gepaart mit höchster Qualität. Doch Bettina Tritschler hat nicht den leisesten Zweifel. Das Produkt sei "genial", schwärmt sie über "ein Konzept, das bis zum Ende durchdacht ist". Die Menschen arbeiteten heutzutage hart, da gönnten sie sich auch gerne ein Wohlfühlen als Belohnung, das wirke wie ein kurzer Urlaub.
Nachdem sie zum 1. Juli ihre Stelle angetreten hatte, verbrachte sie die ersten Wochen in Erding und sah, welchen Ansturm das Bad dort täglich erlebt. Die Eindrücke und Erlebnisse "habe ich wie ein Schwamm aufgesogen". Auch Bad Wörishofen, Wunds zweite Vorzeigeadresse, hat sie kennengelernt. Und Titisee nun wird wie keins der Genannten alle Angebote vereinen. "Ich freue mich riesig und bin stolz darauf, für Herrn Wund das Bad vermarkten zu dürfen!"
Wer nun glaubt, nichts anderes als derlei Lobeshymnen seien von einer Marketingleiterin zu erwarten, sollte wissen, dass Bettina Tritschler für die Anstellung bei Wund einen interessanten, verantwortungsvollen Job aufgegeben hat. Als stellvertretende Geschäftsführerin einer Agentur für Events und Incentives in Mainz trug sie sich zwar schon mit der Idee, mit Mitte 40 nochmal Neues zu wagen. "Irgendwo in Süddeutschland", war ihre Vorstellung – aber dass es Titisee werden würde, darüber schüttelt sie nur den Kopf, aber lachend und voller Zufriedenheit, wie sie sagt.
ganzen Welt zeigen,
dass wir da sind!"
Später stieg sie in die Agentur einer Freundin ein, zwischendurch war sie bei anderen Agenturen tätig. Aus dieser Zeit kennt sie Josef Wund. Als es nach der Expo 2000 nämlich darum ging, den Reifenhersteller Michelin wieder in die Formel I zurückzuführen, fragte sie bei ihm an, ob sie für diese Präsentation den von ihm erbauten Expo-Deutschland-Stand nutzen könne. Schon damals, erzählt sie, "hat mich seine Architektur und seine Persönlichkeit fasziniert".
Vor zwei Jahren bekam sie bei einem Besuch ihrer Mutter mit, "dass da etwas geht in Titisee". So kam es, dass sich plötzlich eine Mainzerin für die Bürgerinformation im Kurhaus interessierte. Abgesehen von dem Konzept war sie besonders beeindruckt von der "erstaunlichen Leistung", alle zehn Gemeinden an einem Strang mitziehen zu lassen.
Dieses Frühjahr dann wurde sie beim Vorbeifahren an der Baustelle erneut aufmerksam. Nun ging alles schnell. Sie bewarb sich und bekam bald die Einladung zum Vorstellungsgespräch, bei dem sich zeigte, "dass wir in die gleiche Richtung denken" – und zu dessen Ende hin Wund meinte, man sei sich also einig.
"Wir müssen der ganzen Welt zeigen, dass wir da sind!" So beschreibt Bettina Tritschler das erste Ziel. Bis zur Eröffnung zum Jahresende geht es vor allem darum, das Bad im Hochschwarzwald ins Bewusstsein der Menschen zu bringen ("Ich glaube, alle sind sehr gespannt darauf") und über die Medien, von der Tageszeitung bis online, vom Radio bis Fachzeitschriften die Reichweite zu vergrößern. Eine Zusammenarbeit mit den Medienleuten der FH Furtwangen ist geplant. Außerdem gilt es Kooperationspartner zu finden: Die HTG, Hotels und alle anderen Vermieter ebenso wie Busunternehmen, die Deutsche Bahn, Reiseveranstalter, Europa-Park, und, und und. Sie selbst ermittelt gerade, wie viele mögliche Besucher in einem Radius von eineinhalb Stunden Fahrzeit wohnen und spannt den Bogen von Stuttgart über Zürich, Basel und Freiburg nach Straßburg. Sie untersucht die Zielgruppen – hier die Kids, die das Erlebnis suchen, dort das Publikum, das Entspannung und Erholung sucht. Was die Jungen betrifft: Das Badeparadies in Titisee steht noch nicht, aber im Internet gibt es schon Foren, die über die Superrutschen der Galaxy diskutieren. Sie selbst übrigens hat in Erding das volle Programm probiert: alle Rutschen, Wellness, Saunawelt. Privat entspannt sie und tankt Energie beim Laufen, Biken, Skifahren oder dem geliebten Tauchen.
wie die Menschen
hier ticken."
Josef Wund ist allgegenwärtig mit seinen Visionen und den Vorstellungen, die er aus ihrer Sicht mit großer Sicherheit anregt oder veranlasst. Und sie arbeitet im Schulterschluss mit Geschäftsleiter Jochen Brugger und hat mit dem technischen Leiter Thomas Kokoska zu tun. Die Regionalität des Teams findet sie richtig und wichtig: "Wir wissen, wie die Menschen hier ticken." Sie schüttelt ein wenig den Kopf und lacht: Früher, da wollte sie nichts wie weg, und heute? "Wenn mich jemand gefragt hätte, was ich mir wünsche – dann genau das!"
Spricht’s und nimmt den Besucher wieder mit. Vom Sportbecken zur lichtdurchfluteten Kuppel des Vitalbads und zurück zum Container, der gerade ihr Büro ist. Gerade ist der Himmel aufgerissen, und als sich ein Arbeiter wundert über das Wetter, lacht sie nur: "Das ist doch schön im Hochschwarzwald." Die rote Rutsche, sie sticht jetzt richtig hervor.
Autor: Peter Stellmach


