Strahlenmobil macht Halt am Titisee

vfdw

Von vfdw

So, 31. Juli 2016 um 16:57 Uhr

Titisee-Neustadt

Die belebte Seepromenade am Titisee scheint auf den ersten kein geeigneter Ort zu sein, um sich mit wie Strahlenschutz und Hautkrebs zu befassen. Trotzdem konnten Passanten genau das jetzt tun.

Das Infomobil des Bundesamts für Strahlenschutz hatte Station im Hochschwarzwald eingelegt.

"Wir haben uns den Ort ausgesucht, weil hier natürlich viele Leute Urlaub machen, an den See liegen und sich eben der Sonne aussetzen", sagt Dr. Thomas Jung vom Bundesamt für Strahlenschutz, der mit seinen Kolleginnen und Kollegen im Infomobil für alle Interessierten Rede und Antwort steht. Dort sind neben Infomaterial rund um das Thema Strahlung auch informative Kurzfilme zu sehen, die etwa über UV-Strahlung informieren.

Wie hoch die UV-Strahlung vor Ort am Titisee ist, veranschaulicht eine Sonde, die auf dem Dach des Infomobils angebracht ist und die Daten für eine Informationsgrafik im Mobil liefert.

Am Freitagvormittag hängen über der Promenade zwar ein paar kleine Wolken, trotzdem erreicht der UV-Index einen hohen Wert von sieben, bei dem man sich zum Schutz eincremen und eine Sonnenbrille tragen sollte. Als die Wolken für einen Moment am See vorüberziehen, liegt der UV-Index schon bei neun. "Bei so einem Wert sollte man über die Mittagszeit besser im Haus bleiben."

Erhöhte Radioaktivität liegt am Uran in den Böden

Doch nicht nur eine erhöhte UV-Strahlung lässt sich im Hochschwarzwald finden, auch die Radioaktivität in der Luft ist "relativ hoch", so Jung. "Das liegt daran, dass die Mittelgebirge in ihren Böden mehr Uran enthalten." Der saure Regen der Atomkatastrophe von Tschernobyl vor 30 hingegen zeige sich zwar noch durch erhöhte Cäsium-Werte, die im Boden zu finden seien, "alle Werte liegen aber in einem normalen Bereich." Sollte radioaktive Strahlenbelastung einmal überschritten werden, wird das Bundesamt für Strahlenschutz umgehend von seinen Messsonden informiert, die in ganz Deutschland verteilt sind. Eine davon steht auch auf dem Feldberg, und die Daten können, wie bei allen anderen Sonden, jederzeit online abgerufen werden.

Und was möchten die Menschen, die zum Infomobil kommen, von den Experten wissen? "Hier in der Gegend kommen natürlich mehr Fragen zum Thema Evakuierung und Schutz, weil wir mit Fessenheim und Leibstadt zwei Atomreaktoren in der Nähe haben", sagt Jung.

"Die Leute haben manchmal falsche Vorstellungen"

Der Hochschwarzwald gehöre im Fall eines radiologischen Notfalls zum erweiterten Evakuierungsradius und es müsste an zentralen Stellen Jodtabletten an die Bevölkerung vergeben werden. "Die Leute haben manchmal falsche Vorstellungen und denken, man könnte dann eh nichts mehr machen. Das ist nicht richtig. In Fukushima hat die Evakuierung auch funktioniert", sagen die Infomobil-Mitarbeiter. Auffällig sei, dass es in Süddeutschland mehr elektrosensible Menschen gebe, sprich "Leute, die besorgt sind über Mikrowellen, Handys oder Stromleitungen." Diese Ängste könne man den Menschen meist trotz wissenschaftlicher Studien, die bisher keine negativen Einflüsse feststellen können, nicht nehmen, was viel Fingerspitzengefühl erfordere.

"Unser Problem ist natürlich, dass alles, was Strahlung betrifft, nicht zu sehen ist und das die Folgen der Strahlung meist erst Jahre später auftreten", so Dr. Cornelia Baldermann, die vor allem über die Gefahren der UV-Strahlung informieren möchte. In Deutschland gebe es jährlich fast 300 000 neue Hautkrebserkrankungen, so Baldermann, "und es steigt von Jahr zu Jahr, obwohl die UV-Strahlung nicht zunimmt." Allerdings würden sich die Menschen immer öfter der Sonne aussetzen, weswegen auch schon junge Leute am schwarzen Hautkrebs erkranken. Um der Gefahr vorzubeugen, empfiehlt Baldermann regelmäßige Hautkrebsscreenings, die auch von ausgewiesenen Allgemeinmedizinern gemacht werden können. Eine Vorbeugemaßnahme ist auch das Auftragen von Sonnencreme und – "ganz wichtig" – eine Sonnenbrille, die vor UV-Strahlung schützt.