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09. Februar 2010

Tod im Tiefschnee des Feldbergs

Junger Belgier verirrt sich nach Snowboard-Unfall.

FELDBERG. Die Befürchtungen der Suchmannschaften haben sich bestätigt: Ein seit Samstag am Feldberg vermisster Snowboarder ist tot. Die Polizei fand die Leiche des 28-jährigen Automechanikers aus dem belgischen Eeklo gestern Mittag in einem entlegenen Bachbett, ein gutes Stück unterhalb der Talstation des Lifts Zeller I. Todesursache und -zeitpunkt stehen nicht fest. Die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen wollte zunächst keine weiteren Auskünfte geben.

Der Fundort liegt auf der Gemarkung Menzenschwand und nach Auskunft der Polizei ungefähr vier Kilometer vom Zeigerlift entfernt, wo der Mann nach einem Skiunfall die Piste verließ und im Wald verschwand. Die Stelle liegt auch außerhalb des Gebiets, das die Bergwacht in der Nacht zum Sonntag durchkämmte.

Nachdem am Sonntag Nebel die Suche aus der Luft verhindert hatte, konnte am Montagmorgen der Polizeihubschrauber bei klarer Sicht in die Luft gehen. Als die Meldung vom Fund beim Polizeiposten Feldberg einging, warteten dort Angehörige des Vermissten; der junge Mann und seine Freundin gehörten zu einer sechsköpfigen Gruppe, die für drei Tage zum Skiurlaub in den Hochschwarzwald gefahren war und in Hinterzarten wohnte. Der Vater war am Wochenende nach Deutschland geeilt.

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Der Hergang des Pistenunfalls, nach dem der junge Mann verschwunden war, stellt sich nach Angaben der Polizei so dar: Bei dem Belgier löste sich das Snowboard vom Fuß und schoss, da nicht mit Fangriemen gesichert, die Piste hinab, bis es ein 13-jähriges Mädchen traf. Die Jugendliche trug schwere Prellungen davon und wurde in die Klinik nach Freiburg geflogen.

Die Beamten vermuten hier den Auslöser für den tragischen Fortgang der Ereignisse: Der 28-Jährige sei stark alkoholisiert gewesen, möglicherweise haben ihn der Unfall und die Angst, dafür verantwortlich gemacht zu werden, in Panik versetzt, sodass er Snowboard und Rucksack liegen ließ und sich absetzte. Als er sich von der Piste entfernte, hielten sich die Freundin und die übrigen Begleiter am Fuß des Hangs auf. Sie bekamen von dem Skiunfall nichts mit.

Welchen Irrweg der 28-Jährige danach hinter sich brachte, ist unklar. Die belgische Zeitung Het laatste Nieuws hat gestern Angaben der Bergwacht bestätigt, dass es am Samstag noch Handy-Kontakt gab. Er habe seiner Freundin gesagt, er erfriere und brauche sofort Hilfe; seine Finger seien eingefroren, und er könne nicht mehr weiter gehen, er habe Angst, im tiefen Schnee zu versinken. Später habe sie weiter versucht, ihn zu erreichen, einige Male mit Erfolg, aber nur kurz, möglicherweise, weil sein Handy-Akku leer war.

Irgendwann muss der Mann die Bundesstraße 317 überquert haben. Nicht mehr klären lassen wird sich, ob er die Straße in der Nacht erkannte oder sie auf der Skibrücke passierte. Die Straße hätte ihm vielleicht den rettenden Weg weisen oder sogar Hilfe bringen können. Unklar ist, ob er es war, der sich Zutritt zur Talstation des Lifts verschaffte. Und wenn ja, warum er nicht den Schutz nutzte, sondern sich wieder auf den Weg machte.

Autor: Peter Stellmach