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02. September 2011

Prozess in Bielefeld beginnt

Ehemaliger Todtmooser Hotelier muss sich wegen gewerbsmäßigem Betrug verantworten.

  1. Vor dem Landgericht in Bielefeld muss sich ab kommendem Dienstag ein ehemaliger Todtmooser Hotelier verantworten. Mit dem Urteil wird erst im kommenden Jahr gerechnet. Foto: dpa

TODTMOOS/BIELEFELD. Gegen den ehemaligen Todtmooser Hotelier, der seit dem 29. Juni vergangenen Jahres wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs in Bielefeld in Untersuchungshaft sitzt, sowie gegen zwei weitere Angeschuldigte wird am Dienstag, 6. September, der Prozess eröffnet. Verhandlungsort ist die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Bielefeld. Bisher bestreiten die Angeklagten die gegen sie erhobenen Vorwürfe, erklärt Klaus Pollmann, Pressesprecher der Schwerpunktabteilung für Wirtschaftsstrafsachen der Staatsanwaltschaft Bielefeld.

Dem Trio wird vorgeworfen, zwischen März 2009 und Januar 2010 in mehr als 300 000 Fällen Lastschrifteinzüge in Höhe von jeweils 55 Euro wegen angeblicher Gewinnspielbeteiligungen veranlasst zu haben. Von Callcentern in Bielefeld und Paderborn aus wurden Kunden angerufen, denen man vormachte, sie hätten bei einem Gewinnspiel mitgemacht, das bis jetzt kostenfrei gewesen sei, für das sie ab jetzt aber zu bezahlen hätten. Diese angeblichen Gewinnspiele haben aber wohl nie stattgefunden. Zahlreiche Kunden fielen auf die Masche herein. Rund 40 Prozent der angeblichen Kunden wurden misstrauisch und ließen sich den Betrag zurückbuchen. Im Zusammenhang mit dem Gewinnspielbetrug wird auch gegen Verantwortliche eines Bankinstituts in Ostwestfalen ermittelt. Dort wurden die Lastschrifteinzüge abgewickelt. Die Ermittlungen gegen das Bankinstitut dauern noch an, sagt Klaus Pollmann.

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Ähnliche Verfahren laufen auch bei anderen Staatsanwaltschaften

Gewinnspielbetrug im großen Stil ist ein Thema, das die Staatsanwaltschaften und Gerichte in Deutschland und anderen europäischen Ländern aktuell beschäftigt. Ähnliche Verfahren laufen auch bei anderen Staatsanwaltschaften der Bundesrepublik, teilte Klaus Pollmann mit.

Zum ersten Mal an die Öffentlichkeit gelangten behördliche Ermittlungen im Zusammenhang mit dem ehemaligen Todtmooser Hotelier im April 2010 nach einer Razzia in dem Hotel, das der Angeschuldigte bis Ende April vergangenen Jahres in dem heilklimatischen Luftkurort führte. Festgenommen wurde er am 29. Juli 2010 in Lörrach, wo er zu einem Verhandlungstermin am Arbeitsgericht erschienen war, bei dem ein ehemaliger Angestellter Lohnforderungen geltend gemacht hatte. Die Festnahme sei vermutlich das Ergebnis einer örtlichen Fahndung im Auftrag der Staatsanwaltschaft Bielefeld gewesen, hatte damals Klaus Pollmann gegenüber der Badischen Zeitung erklärt. Ermittlungen wegen des Gewinnspielbetrugs führte die Staatsanwaltschaft Bielefeld auch gegen zwei weitere Personen, die sich ab dem 6. September ebenfalls vor dem Landgericht Bielefeld verantworten müssen. Einer der beiden Mitangeschuldigten, ein Deutscher, der zuletzt auf einer spanischen Mittelmeerinsel lebte, war zunächst flüchtig und wurde im November 2010 in Zürich festgenommen.

Bis zur Urteilsverkündung wird nun einige Zeit vergehen. Wie lange der Prozess genau dauern wird, sei noch völlig offen, erklärte Klaus Pollmann gegenüber der Badischen Zeitung. Bis Anfang nächsten Jahres sind zunächst ein bis zwei Verhandlungstermine pro Woche vorgesehen.

Autor: Susanne Filz