"Es muss mehr möglich sein"

Verena Wehrle

Von Verena Wehrle

Fr, 20. März 2015

Todtnau

Rund 50 Eltern, Lehrer und fast alle Gemeinderäte kamen zu einem Gespräch über den Umbau der Gemeinschaftsschule.

TODTNAU. Elternvertreter der Gemeinschaftsschule (GS) am Standort Todtnau luden am Mittwochabend zu einem Treffen mit Stadt und Gemeinderat ein. Sie wollten ihre Bedenken zu den geplanten Umbauarbeiten an der Schule äußern. Rund 50 Eltern, zahlreiche Lehrer und fast der komplette Gemeinderat sowie Schulamtsdirektor Helmut Rüdlin waren anwesend.

Die Eltern hatten ganz bewusst mit Betriebswirtin Sonja Saad und Architekt Albrecht Müller vom Mediation-Netzwerk Freiburg zwei neutrale Moderatoren für diesen Abend engagiert. Sie nahmen die Luft aus den Aggressionen, sorgten für einen geordneten Ablauf. "Es darf nicht um gegenseitige Schuldzuweisungen und persönliche Belange gehen, wir müssen einen Konsens finden, damit die Gemeinschaftsschule zum Erfolg wird", so Gisela Hilbrecht vom Elternbeirat. Als die Erwartungen an den Abend abgefragt wurden, wurde der hohe Informationsbedarf sowie der starke Wunsch nach Mitgestaltung durch die Eltern und Lehrer deutlich. Große Unzufriedenheit herrschte im Raum. Schulamtsdirektor Rüdlin erinnerte an die Vorgeschichte der GS mit viel Widerstand. "Die Marke zu gefährden wäre das Schlimmste, was jetzt passieren könnte", so Rüdlin.

Die Bedenken der Eltern
Siggi Kunz präsentierte die Ergebnisse der Elternvollversammlung mit den Bedenken zu den aktuellen Planungen. So habe man in der geplanten Gemeinschaftsschule keinen Raum für eine Bibliothek, keine Mediathek. Mit Auslagerung des Musikunterrichts ins Haus des Gastes seien die Wege sehr weit. Des Weiteren seien nur zwei Differenzierungsräume vorgesehen, eigentlich bräuchte jede Klasse solch einen Raum für Gruppenarbeiten im Flüsterton. Nur ein Input-Raum für sechs Klassen sei zu wenig.

Da das Foyer für die Unterbringung des Lehrerzimmers aufgeteilt wird, wird auch die Kommunikationszone kleiner. Darüber hinaus fehle ein Ruheraum. Für die Lehrer gebe es zu wenig Besprechungszimmer. Die Neuaufteilung der Räume zögen außerdem enorme Aufsichtsprobleme nach sich. Der Neubau sei für die geplante Doppelnutzung als Aula und Mensa zu klein und auch nicht erweiterbar.

Siggi Kunz betonte, dass die Eltern an den Standort und eine zukünftige stabile Zweizügigkeit glauben. "Der Lebensraum Schule" sei aber nicht erfüllt, nicht alle Ressourcen seien genutzt. Für ihre Ausführungen erhielt sie großen Applaus, und Eltern standen später auf, um zu zeigen, dass sie hinter der Schule stehen.

Zum Thema Computerraum hielt Helmut Rüdlin entgegen, dass die erfolgreichste Gemeinschaftsschule keinen Computerraum habe – dort habe jeder Schüler einen Tablet-PC, von den Eltern finanziert (großes Gelächter).

Unmut der Lehrer
Auch die Lehrer drückten ihren Unmut über die aktuellen Planungen und ihren Wunsch nach flexiblen Räumen aus. Anne Berger wünschte sich kreative Ideen von einem Fachplaner, Thomas Maier sprach die fehlende Praktikabilität der Räume an. Außerdem sei die Attraktivität des Standorts ein Argument für Lehrer und Schüler, die weiten Fahrtwege auf sich zu nehmen. Wenn diese nicht gegeben sei, wechsle das Kollegium und Kontinuität sei dann schwierig. Lehrerin Ursula Müller: "Wenn man nur noch überall Kompromisse macht, dann ist es wahnsinnig anstrengend".

Marion Vomstein (Schulleitung) erzählte, dass die Räume bereits mehrfach genutzt werden, noch mehr zusammenzulegen sei schwierig. Ein Krankenzimmer könne kein Besprechungszimmer sein. Außerdem dürften die Fachräume nicht von allen Lehrern benutzt werden. "Für 2,5 Millionen muss mehr Schule möglich sein". Auch Konrektor Reiner Trojan zeigte sich verärgert. "Die Kreativität im Unterricht gelingt uns mäßig, weil die Räumlichkeiten uns jetzt schon das Leben schwer machen". Er forderte von den Geldgebern Kreativität, um mehr Raum zu entwickeln.