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20. Juni 2015

Zeugnisse silberner Vergangenheit

"Das Silber von Todtnau" – Rundgang mit Benno Dörflinger durch die Ausstellung des Kulturhaus-Vereins im Gewölbekeller.

  1. Ausstellungsmacher: Stadtchronist Benno Dörflinger (rechts) hat sich seit 40 Jahren mit der Geschichte des Todtnauer Bergbaus befasst, links Bernd Schneider vom Kulturhaus-Verein Foto: Hermann Jacob

  2. Silberhaltiger Bleiglanz aus der Grube Brandenberg. Foto: Hermann Jacob

  3. Relikt aus Bergbautagen in der Grube Brandenberg: Eine Fördermaschine der Gewerkschaft Finstergrund in 82 Meter Schachttiefe, die zuletzt Flussspat abbaute. Foto: Hermann Jacob

  4. Einstieg zu St. Anna: Den Verlauf der Gruben hat Benno Dörflinger in einer Karte eingezeichnet. Foto: Hermann Jacob

  5. Der Schatzstein mit dem Rad-Zeichen, Symbol für Radschacht (=Radschert) wies auf die Erzgänge hin. Foto: Hubert Döbele

  6. Ein solches Kehrrad gab dem 200 Meter tiefen Radschacht (Radschert) seinen Namen. Foto: Hermann Jacob

  7. Das Todtnauer Wappen (links), bekannt seit 1339, ist eine der ältesten Bergbaudarstellungen auf einem Siegel in Deutschland. In der Mitte das vor 500 Jahren von Todtnauer Silberbergwerks-Besitzern gestiftete „St-Annen-Fenster“ des Freiburger Münsters, das in der Ausstellung „Das Silber von Todtnau“ im Gewölbekeller des Rathauses einen zentralen Platz einnimmt. Rechts einer der Stifter des Fensters, Ulrich Wirtner. Foto: Hermann Jacob/BZ

  8. Foto: Hermann Jacob

  9. Foto: Hermann Jacob

TODTNAU. Die Ausstellung "Das Silber von Todtnau", vom Kulturhaus-Verein am 12. Juni eröffnet, weckt im Gewölbekeller des Rathauses die Faszination für die Zeit des Silberbergbaus und erinnert an den Beitrag zum Bau des Freiburger Münsters. Benno Dörflinger, der die Ausstellung mit seinem großen Wissen aus 40-jähriger Beschäftigung mit der Bergbaugeschichte maßgeblich gestaltete, erläuterte bei einem Rundgang mit Bernd Schneider die Exponate.

Am Eingang steht die Schatzgräber-Figur der Narrenzunft, die nach historischen Vorlagen zeigt, wie die Bergleute einst wohl aussahen. Das sogenannte "Arschleder" diente zum Schutz des Bergmanns beim Sitzen und Rutschen auf nassen Brettern und Balken. Gezeigt werden auch Bergmannswerkzeuge und das "Geleucht" vom Kienspan bis zur Karbidlampe. Eine Tafel ist dem Geheimnis des Todtnauer Schatzsteins in der Nähe des Wasserfalls gewidmet, eine Grubenkarte in Stein gemeißelt, die auf die Lage der Erzgänge vom Radschert aus hinweist. Anfangs wurde das Erz aus einem Schacht geholt und mit einem wasserbetriebenen Rad nach oben befördert (Radschacht). Der Schacht befand sich etwa unterhalb der heutigen Jugendherberge. Das Wasser wurde vom Radwuhr (vom Stübenwasen/Langmoos) und aus der Rotwiesen bei Brandenberg zum Radschert geleitet. Beim Herrihof in Todtnauberg befand sich eine Abraumhalde. Erst als eine bestimmte Tiefe erreicht war, wurde begonnen, den Berg durch Gruben von der Seite her zu erschließen.

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Eine von Benno Dörflinger gezeichnete Karte zeigt den Verlauf der Gruben im Raum Todtnau. Eine Liste führt die Namen von 30 Bergwerken bis 1516 auf. Im Jahr 1285 erwähnt ist die Grube "Ze der alten Fron", 1309 "Ze dem alten Tottenstein", 1314 "Silberberge ze Totenowe". Zu sehen ist auch eine Kopie der ältesten Bergbauurkunde von Todtnau aus dem Jahr 1309.

In alten Darstellungen wird das Schmelzen, Treiben (Trennen von Blei und Silber) und Probieren (Feststellung des Silbergehalts) veranschaulicht, und historische Zeichnungen vermitteln ein Bild, wie des zu Bergwerkszeiten im 16. Jahrhundert zugegangen ist.
Im Mittelalter wurde der Erzabbau auch im Tagebau betrieben- wie etwa im Zimmerwinkel am Silberberg. Ein Foto zeigt hölzerne Schienen, auf denen die Gruben-Loren früher durch die Stollen geschoben wurden. Entdeckt wurden sie bei der Freilegung eines zugeschütteten Gangs im St.Nikolaus-Stollen aus dem 18. Jahrhundert im Mauswald (Brandenberg, gegenüber Schwimmbad).

Aus einem Plan der Vogtei Todtnau von 1772 wird ein "Poch- und Schmelzwerk" gezeigt. Eine "Poche" war eine Anlage zum Zerkleinern des Erzes. In einer Vitrine sind Mineralienfunde aus allen Todtnauer Ortsteilen zu sehen, darunter silberhaltiger Bleiglanz aus Brandenberg.

Ein Originalstück ist ein silberner Rappen, geprägt unter Herzog Albrecht III. 1387. Der Begriff "Rappen" ist übrigens, wie Benno Dörflinger erläutert, dadurch entstanden, dass der Adler auf einer Freiburger Münzprägung eher einem Raben ähnelte.

Zu sehen ist ferner eine Kopie der Urkunde von Kaiser Maximilian mit der Erwähnung der Grube St. Anna zum Gauch, ebenso gezeigt wird die Urkunde des späteren Kaisers Konrad II. von 1025 mit der ersten Erwähnung von Todtnau.

Ein Blickfang der Ausstellung ist die ausführlich erläuterte Darstellung des St.-Annen-Fensters aus dem Freiburger Münster, vor 500 Jahren gestiftet von vier Anteilseignern der Todtnauer Silbergrube St. Anna zum Gauch – Rudolf von Blumeneck, Georg Dörfel, Ludwig Spilmann und Ulrich Wirtner. Gezeigt werden Details aus zwei weiteren, noch älteren "Bergbaufenstern" des Freiburger Münsters, ebenfalls von Unternehmern des Silberbergbaus (Schauinsland) gestiftet.

Eine weitere Besonderheit ist der Film "Der Silberberg" , der die Geschichte des Bergbaus im österreichischen Schwaz (Tirol) zum Inhalt hat. "Genau so war es auch in Todtnau", sagt Benno Dörflinger über die eindrucksvolle Dokumentation. Zu erfahren ist in den informativen Erläuterungen der Ausstellung, dass der Silberbergbau um 1580 durch den Preisverfall wegen eines Überangebots von Silber aus Amerika zum Erliegen kam.

Öffnungszeiten: Bis 12. Juli im Gewölbekeller des Todtnauer Rathauses. Donnerstag/Freitag 14 bis 17 Uhr, Samstag/Sonntag 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, Eintritt frei.

Autor: Hermann Jacob