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17. Juli 2017

Event

Schluchsee feiert ein Fest mit 550 Triathleten

Timo Hackenjos wird am Schluchsee in der ersten Liga Zweiter / Adrian Schuler meistert Premiere.

  1. Timo Hackenjos – Triathlet mit Potenzial Foto: Ruoff

  2. Die Bammeldisziplin geschafft: Adrian Schuler nach dem Schwimmen Foto: Ruoff

  3. Schwimmen und orientieren lauten die Anforderungen in der ersten Triathlondisziplin. Foto: Ruoff

TRIATHLON. Auf die Wassertemperatur angesprochen sagt ein Starter in der ersten baden-württembergischen Liga vor dem Schwimmen: "Es geht, aber den See werde ich nie mögen." 19, 20 Grad sind doch ganz ordentlich für den Schluchsee, in den frühen 1980er-Jahren war er manchmal mit 17 Grad viel garstiger zu den Ausdauerdreikämpfern und Neoprenanzüge, die heute Standard sind, gab es damals noch nicht.

Timo Hackenjos vom SV Kirchzarten, der in der Bundesliga und ersten baden-württembergischen Liga für Neckarsulm startet, fühlt sich sofort wohl im größten Schwarzwaldsee. Er setzt sich an die Spitze des Erstliga-Elitefelds und meistert die 1500 Meter in 18:28 Minuten. Der junge Mann ist 21 und studiert in Freiburg Informatik. Als Jugendlicher hat er eine superbe Triathlon-Ausbildung genossen. Er besuchte das Schwimmtraining der FT 1844 Freiburg, startete mit dem Mountainbike im Schwarzwälder Kidscup und nahm auch an Laufveranstaltungen teil. Er ist groß, hat günstige Hebel und sein Potenzial dürfte noch lange nicht ausgeschöpft sein. Beim Radfahren auf der selektiven 18-Kilometer-Runde, die zweimal zu absolvieren war, bildet Hackenjos mit zwei anderen Triathleten die Spitze. Das Trio kommt zusammen zum Wechsel, Hackenjos hat die Laufschuhe am schnellsten an den Füßen und stürmt auf die abschließenden zehn Kilometer. Es scheint so, als könne sich Hackenjos der Angriffe seiner flinken Verfolger erwehren, aber nach der Hälfte der Distanz lassen sich erste Anzeichen von Erschöpfung in seinem Gesicht erkennen. Markus Rolli (TV Forst), der die zehn Kilometer in 33 Minuten abspult, überholt Hackenjos in der dritten von vier Laufrunden und gewinnt das Rennen mit 14 Sekunden Vorsprung vor dem Dreisamtäler.

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20 Wochenstunden investiert Timo Hackenjos wöchentlich in das umfangreiche Triathlontraining, "mein Fokus liegt derzeit auf Sprintrennen und der olympischen Kurzstrecke, aber irgendwann werde ich auf die Langstrecke wechseln, weil dort beim Radfahren nicht im Windschatten gefahren werden darf". Die Neckarsulmer Mannschaft (vier Starter kommen in die Wertung) belegte am Schluchsee den ersten Platz vor dem TV Mengen und dem Tri-Team Heuchelberg. Der Triathlon am Schluchsee war der letzte Wettkampf der fünfteiligen LBS-Cup-Serie in Baden-Württemberg, in der ersten Liga sicherte sich der TV Mengen den Gesamtsieg vor Neckarsulm.

Das Team Heilbronn/Neckarsulm gewann am Schluchsee den Wettkampf in der zweiten Liga vor Ravensburg und dem TV Dettingen. Das Tri-Team Freiburg (Florian Adami, Stephan Petrik, Fabian Zimmer, Manuel Rombach) belegte den fünften Platz, TNB Malterdingen (Sven Bockstatt, Daniel Iannetta, Stefan Stolpe, Alexander Zügel) wurde Zehnter. Da aufgrund der Neustrukturierung des Ligensystems vier Mannschaften aus der zweiten BW-Liga aufsteigen, hatte TNB Malterdingen vor dem Finale am Schluchsee als fünftplatziertes Team noch Aufstiegschancen, die mit Rang zehn im Tagesklassement jedoch vergeben wurden.

Schnellste Triathletin am Schluchsee war Anne Reischmann (DAV Ravensburg) vor Lisa Miksch (TV Mengen) und Henriette Grassmann (TB Cannstatt). Die Teamwertung bei den Frauen gewann der TV Mengen (drei Starterinnen), der auch die Gesamtwertung zu seinen Gunsten entschied, vor Ravensburg und Echterdingen.

"Es gibt noch viel

Optimierungsbedarf."

Adrian Schuler zu seiner Premiere
Nach 1,5 Kilometern Schwimmen, 36 Kilometern mit dem Rennrad und zehn Kilometern Laufen beim Triathlon um den Schwarzwaldcup liegt Adrian Schuler regungslos in der Sonne. Wie fühlt sich Triathlon an? "Anstrengend", sagt der ehemalige Skilangläufer, der in den Nachwuchsklassen zu den Besten hierzulande zählte. Oft hatte der 21-Jährige als Helfer beim Triathlon mitgewirkt und irgendwann den Entschluss gefasst, es auch mal mit dem Ausdauerdreikampf zu versuchen. Vor dem Schwimmen hatte er etwas Bammel, Radfahren und Laufen hatten auch als Skilangläufer zu seinem Trainingsprogramm gehört. Nach den ersten 750 Metern Schwimmen müssen die Triathleten am Schluchsee kurz an Land, ein paar Meter laufen und auf der anderen Seite geht es wieder rein ins Wasser. Adrian Schuler wirkt etwas benommen, als er nach der ersten Schwimmschleife, wieder Boden unter den Beinen spürt. Die ersten Schritte torkelt er mehr, als dass er läuft. "Ja, da war ich nicht ganz auf der Höhe", erzählt er, "ich bin meistens Brust geschwommen und nur ab und zu gekrault, eigentlich war das andersherum geplant". Er schmunzelt. Kurzentschlossen hatte er sich doch noch für das Tragen eines Neoprenanzugs entschieden, "alle haben gesagt, ich soll". "Und wegen des Auftriebs natürlich", ergänzt er.

Das Radfahren sei "ganz gut gegangen", erzählt der junge Mann, der in Blasiwald aufgewachsen ist. In der ersten Runde konnte er noch nicht so auf die Tube drücken, wie er wollte, die Beine brauchten ihre Zeit nach dem Schwimmen, bis sie leistungsbereit waren. "Die zweite Runde war schneller", sagt Schuler. Als er das Rad in der Wechselzone abstellt und dynamisch losläuft, bringt er endlich die PS auf den Boden, die in ihm stecken. In 37:30 Minuten spult er die zehn Kilometer ab und erreicht bei seiner Triathlonpremiere als Achter das Ziel. Respekt. "Es gibt noch viel Optimierungsbedarf", sagt er, "aber jetzt habe ich Erfahrungswerte und weiß, wie ich trainieren muss". Alexander Färber (SV Ewattingen) beendet den Schwarzwaldcup als 23.

Für Peter Mayerlen, den Geschäftsführer des Triathlonverbandes Baden-Württemberg (BWTV), ist der Wettkampf am Schluchsee eine Konstante – hier weiß er stets, was er bekommt: gut organisierte Triathlonrennen in herrlicher Schwarzwald-Landschaft. "Wir sind und waren hier immer zufrieden", sagt Mayerlen, per Handschlag wird meistens das Ligarennen fürs nächste Jahr besiegelt. Ob es wieder das Finale der baden-württembergischen Serie sein wird, weiß Mayerlen noch nicht, aber Wiederkommen will der Verband auf jeden Fall.

Autor: Jürgen Ruoff