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25. November 2009 21:40 Uhr

Architektur

Trotz Kritik: Das Vitra-Haus bleibt schwarz

Eigentlich soll es eine architektonische Perle sein – doch nun stößt das Vitra-Haus in Weil am Rhein auf öffentliche Kritik. Grund ist der schwarze Anstrich des verwinkelten Baukörpers, der nach Ansicht von SPD-Stadtrat Jürgen Valley nicht in die Landschaft passt.

  1. Offenbar nicht jedem gefällt die schwarze Fassade des neuen Vitra-Hauses. Sie ist jedoch Bestandteil des architektonischen Konzepts. Foto: jochen fillisch

  2. Nachts aus sich heraus leuchtet das Gebäude. Foto: Hannes Lauber

WEIL AM RHEIN. Valley ist nach eigenen Angaben von verschiedenen Seiten angesprochen worden, teilt die ihm vorgetragene Kritik aber auch. Ohne das Gebäude oder den Bauherren konkret zu benennen, wies Valley in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates darauf hin, dass "das schwarze Gebilde an der Römerstraße" nicht überall auf Gegenliebe stoße. "Das passt nicht in die Landschaft", meinte Valley und empfand den Baukörper in seinem aktuellen Erscheinungsbild sogar als "Provokation".

Da Valley Pläne und Modelle des Vitra-Hauses mit einer hellen Fassade in Erinnerung hatte, wollte er nun von der Verwaltung wissen, ob es dazu eine Regelung gebe und ob die Änderung der Farbe mit der Stadt abgesprochen sei. Beides musste Bürgermeister Eberhardt aber verneinen. Vorschriften seien allenfalls aus einem Bebauungsplan abzuleiten, den es für diesen Bereich nicht gebe, und in der Baugenehmigung sei nichts festgelegt. Da bliebe lediglich eine rechtliche Auseinandersetzung, von der er aber abriet: "Bei den namhaften Architekten, die da am Werk sind, dürfte der Nachweis einer Verunstaltung schwierig werden."

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"GANZ EIGENE MATERIAL- UND FARBWELT"

Marianne Goebel, bei Vitra zuständig für die internationale Öffentlichkeitsarbeit, verteidigte dagegen die dunkle Farbe des neuen Vitra-Hauses. Architekturmodelle hätten generell eine helle, neutrale Farbe, die nie den endgültigen Farbton darstelle. Dass sich diese erst im Laufe des Planungs- und Realisierungsprozesses heraus kristallisiere, sei bei Projekten dieser Art "ganz normal". Ganz bewusst hätten die Architekten Herzog und de Meuron für das Vitra-Haus die Farbe Anthrazit gewählt, denn wie alle Gebäude auf dem Campus, so soll auch dieses eine "ganz eigene Material- und Farbwelt", die sich von den anderen Gebäuden abhebt, erhalten. Vor allem soll das Vitra-Haus zum weiß verputzten Design-Museum einen Kontrast bilden: Während das Museum wie eine Skulptur wirke, die nachts von außen angestrahlt wird, solle das Vitra-Haus ganz von innen heraus leuchten, erklärt Marianne Goebel. Die Außenhaut solle deshalb mit dem Dunkel der Nacht verschmelzen. KEINE BELEUCHTUNG VON AUSSEN

Auf eine Beleuchtung von außen werde im Falle des Vitra-Hauses dementsprechend komplett verzichtet. Durch den Kontrast in Farbgebung und Beleuchtung träten beide Gebäude in einen spannungsvollen Dialog miteinander, was im Konzept der Architekten ein wichtiger Punkt sei. Auf dem Campus gebe es bereits Gebäude mit einer Außenhaut aus Alu-Blech, Sichtbeton, rötlichem Klinker und weißem Verputz. Diese Palette erweitere das Vitra-Haus nun um Fassaden in Anthrazit.

OB Dietz hat auf die Anmerkungen von Valley im Gemeinderat gelassen reagiert. Ihm sei die Kritik auch schon zu Ohren gekommen, ihm sei aber auch bewusst, dass sich Menschen an viel gewöhnten. Bei Baustellenbesuchen habe er zudem in letzter Zeit feststellen können, dass das Innere des Gebäudes sehr hell sei und einen großartigen Eindruck mache und dass dort zudem regionale Handwerker eine tolle Leistung ablieferten.

Autor: Jochen Fillisch und Hannes Lauber