UNTERM STRICH: Gierige Algorithmen

Markus Hofmann

Von Markus Hofmann

Mi, 04. Oktober 2017

Kolumnen (Sonstige)

Monopoly-Fans können jetzt mit dem Computer konkurrieren / Von Markus Hoffmann.

Freunden wir uns mit dem Gedanken an, dass Computer-Algorithmen bald vieles besser können als wir Menschen – etwa Aktien analysieren oder Krankheiten diagnostizieren. Schon lange besiegen uns Computer am Schachbrett. Früher oder später werden wir auch bei einem Brettspiel chancenlos sein, das dem menschlichen Wesen in seiner Gier nach Geld am nächsten kommt: Monopoly.

Der frühere britische Premier Edward Heath war ein Monopoly-Fan. Um bei diesem Immobilienpoker zu gewinnen, brauche es, so Heath, drei Dinge: "Die Verhandlungskunst von Marco Polo, das Durchsetzungsvermögen von Machiavelli und das Glück des Teufels." Wer bei Monopoly gewinnen will, muss Grundstücke erwerben, Häuser bauen, Wucherpreise verlangen und listig verhandeln. Erst wenn bis auf einen Spieler alle pleite sind, ist das Spiel zu Ende. Kapitalismus in Reinform. Mathematiker haben analysiert, was die Siegchancen erhöht. Die Britin Hannah Fry hat 2016 in ihrem Buch "The Mathematics of Christmas" verraten, wie man mit Mathe Monopoly gewinnt. Einige Erkenntnisse: Die Rendite von Bahnhöfen ist attraktiv. Die orangen Straßen sind besonders wichtig, weil die Spieler dort oft Halt machen (und Miete zahlen). Hotels zu bauen, ist dagegen weniger lukrativ. Gleiches gilt für Immobilien auf der berüchtigten Schlossallee.

All dies lässt sich mit der Wahrscheinlichkeitstheorie berechnen. Dieses Wissen hat der Australier Sergey Khrustalev jetzt in Quadropoly einfließen lassen – eine Art Monopoly-Klon auf dem Smartphone. Khrustalev glaubt: Monopoly bestehe nur zu 20 Prozent aus Glück – wichtiger seien Taktik und Verhandlungsgeschick. Quadropoly ist eines der ersten Monopoly-Spiele, bei denen Menschen mit einem Computer konkurrieren, der wie ein Mensch denkt. Echte Menschen haben aber noch eine Fifty-Fifty-Wahrscheinlichkeit, den Computer zu besiegen. Allerdings entwickelt Khrustalev bereits eine neue Version – einen gefühllosen Super-Bot, der kaum zu bezwingen ist.