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21. April 2010 20:19 Uhr

Nicht kränker heraus als hinein

Verordnung soll tödliche Infektionen in Kliniken eindämmen

Mit einer neuen Hygieneverordnung will das Land gegen die große Zahl an Infektionen in den Krankenhäusern vorgehen. Besonders gefährlich sind sogenannte multiresistente Erreger. Die Verordnung soll Anfang kommenden Jahres in Kraft treten.

  1. Hygieneregel Nummer eins: Händewaschen Foto: helios-klinik

Gesundheits- und Sozialministerin Monika Stolz plant, den Schutz vor gefährlichen Krankenhauskeimen mit Hilfe einer für alle Kliniken verbindlichen Hygieneverordnung deutlich zu verbessern. "Es darf nicht sein, dass man kränker aus einem Krankenhaus herauskommt, als man hineingegangen ist", sagte die CDU-Politikerin bei der Vorstellung des Jahresberichts des Landesgesundheitsamtes. Die Verordnung wird derzeit erarbeitet und soll Anfang 2011 in Kraft treten.

Stolz sieht aufgrund der immer stärkeren Verbreitung von antibiotikaresistenten Keimen wie dem Multiresistenten Staphylococcus Aureus (MRSA) großen Handlungsbedarf. Die Resistenzen entstehen laut der Ministerin nicht zuletzt deshalb, weil in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern häufiger Antibiotika verschrieben werden. Bundesweit stecken sich nach Schätzungen jährlich mehr als 500.000 Menschen in medizinischen Einrichtungen durch multiresistente Erreger (MRE) an.

Tödliche Infektionen

"Man geht zu einer eigentlich unproblematischen Operation ins Krankenhaus, aber wenn man sich dort einen Infekt einfängt, verlängert sich der Aufenthalt im Schnitt um fünf, sechs Tage", berichtete Stolz. Oft sei die Leidenszeit aber viel länger. In bundesweit 20.000 bis 40.000 Fällen pro Jahr enden die Infektionen sogar tödlich. Um das Risiko zu mindern, sollen verbindliche Standards her.

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Dazu gehören feste Hygienepläne und Ansprechpartner sowie Beauftragte, die sich um Einhaltung der Vorschriften kümmern. "Es fängt schon damit an, wo die Desinfektionsspender stehen", so Stolz. Weitere Punkte der noch nicht ausformulierten Verordnung könnten eine verbindliche Untersuchung auf Erreger bei Einlieferung in die Klinik und gezielte Schulungen des Pflegepersonals sein, ließ der Leiter des Landesgesundheitsamts, Günter Schmolz, durchblicken. "Mir sind verbindliche Vorschriften im Interesse der Patienten wichtig", sagte Stolz.

Händehygiene als Mittel der Wahl

Die ersten Reaktionen auf die Ankündigung einer Krankenhaus-Hygiene-Verordnung fielen unterschiedlich aus. Der Landeschef der Techniker Krankenkasse, Andreas Vogt, nannte den Schritt richtig: "Die Patienten haben ein Anrecht auf ein effizientes Hygienemanagment. Dafür stehen die Krankenhäuser in der Pflicht." Schließlich erhöhe eine MRSA-Infektion, die zu Lungenentzündungen, Wundinfektionen und Blutvergiftungen führen könne, das Risiko, während des Klinikaufenthalts zu sterben, um den Faktor 2,7. Das wirksamste Mittel um die Ausbreitung der MRSA-Infektion zu begrenzen, sei eine optimale Händehygiene. Als positives Beispiel nannte Vogt das Universitätsklinikum Freiburg. Andere Krankenhäuser sollten dem folgen. Die niedergelassenen Ärzte forderte Vogt auf, Antibiotika nur zu verschreiben, wenn dies unbedingt notwendig sei.

Skeptischer fällt das Urteil des Vorstandsvorsitzenden der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft, Thomas Reumann, aus: "Eine Hygieneverordnung ist kein Allheilmittel und wird für sich betrachtet zu keiner Verbesserung der Situation im Land führen." Es reiche nicht aus, "dass die Krankenhäuser allein gegen die Keime kämpfen". Alle Einrichtungen, in denen Menschen behandelt oder gepflegt werden, sollten an einem Strang ziehen.

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Autor: Roland Muschel