Den eigenen Weg finden – mit Hund

Claudia Bachmann-Goronzy

Von Claudia Bachmann-Goronzy

Mi, 11. Oktober 2017

Vörstetten

Über die Herausforderungen, die ein Vierbeiner mit sich bringt, gibt es ein Buch von Anna Meißner aus Vörstetten.

VÖRSTETTEN. Bin ich die Falsche für meinen Hund? Muss ich meinen Hund abgeben? Muss ich Hundetrainerin werden? Das waren die Fragen, die Anna Meißner aus Vörstetten zu einer Kehrtwende im Leben mit ihrem Hund veranlassten. Jetzt hat sie über die Erfahrungen ein Buch geschrieben.

Einen Hund in ihr Leben zu holen, entschied Anna Meißner 2008. Mit Cosmo, dem heute zehnjährigen Podenco-Mix (spanische Windhundrasse), schien der richtige Partner mit der kalten Schnauze gefunden zu sein. Cosmo war ein Welpenimport aus Spanien, der vom Lehener Tierheim vermittelt worden war. Von Anfang an versuchte Anna Meißner alles richtig zu machen. Sie besuchte mit Cosmo die Hundeschule, er war lernwillig und machte gut mit, solange sie in der Hundeschule waren. Doch im Alltag sah das leider etwas anders aus, Cosmo funktionierte nicht so, wie sie sich das vorstellte.

Viele Hundehalter kennen das: Man liebt seinen Hund, würde alles für ihn tun, doch der Hund honoriert das nicht. Stattdessen schafft er es immer wieder, seinen Halter in unangenehme Situationen zu bringen, in denen er nur hilflos danebenstehen kann. Alles, was man in Hundeschulen und bei Hundetrainern gelernt hat – und was dort funktioniert hat – funktioniert nicht mehr. In diesen Momenten ist man dem Hund und der Situation ausgeliefert, schlimmstenfalls wird man noch von Passanten und Betroffenen beschimpft oder belehrt und möchte im Erdboden versinken.

Anna Meißner bemühte viele Hundetrainer, "von denen ich auch viel gelernt habe", beteuert sie. "Jeder zeigte mir seine Methode." Doch diese gewissen Momente blieben. Die Aussage der Trainer war schließlich: "Dann liegt es an dir." Meißner fragte sich: "Bin ich die Falsche für meinen Hund?" Sie überlegte, Cosmo abzugeben. Cosmo hatte sie an ihre Grenzen gebracht.

Anna Meißner begann sich auf das zu besinnen, was sie gelernt hatte und womit sie schon viele Jahre erfolgreich arbeitete. Zu ihrer bisherigen Berufserfahrung als Diplom-Sozialpädagogin und Mediatorin machte sie eine Coaching-Ausbildung und verwirklichte sich damit einen lang gehegten Wunsch. "Gleichzeitig passierte etwas Seltsames", berichtet sie. "Mit der Coaching-Ausbildung lösten sich die Probleme mit Cosmo nach und nach auf." Sie erfuhr während der Ausbildung viel über sich selbst und stellte fest, dass Cosmo so etwas wie ihr Spiegelbild war. "Mein Hund reagierte auf einen Stress, den ich selbst noch gar nicht als solchen wahrgenommen hatte und der entstanden war, weil ich dachte, ich müsste meinen Hund auf eine bestimmte Art und Weise führen. Doch Hunde folgen uns, wenn wir wissen, was wir fühlen, denken und wollen und wenn wir es nicht wissen, motivieren sie uns, es herauszufinden", sagt Meißner.

"Ich darf ich selber sein!" Das war für sie das Wesentlichste, was sie aus dieser Zeit für sich mitnahm und was seither für sie auch immer über allem steht. "Auf das eigene Bauchgefühl zu hören" sei etwas Grundsätzliches, sagt Meißner, und sich nicht in Situationen zwängen lassen, die einem nicht gut tun oder die man sich selbst noch gar nicht zutraut.

Wenn jemand sagt, der Hund müsse einen überall hin begleiten, man aber spürst, dass man das nicht kann oder will, dann gehe es nicht darum, den eigenen Weg zu finden – einen Weg des Vertrauens und vor allem Selbstvertrauens.

Ein Blog über ihre Erfahrungen

Vor drei Jahren begann sie einen Blog zu schreiben über ihre Erfahrungen und Sichtweisen. Immer mehr Leser verfolgten ihre Erlebnisse und nach etwa einem Jahr interessierte sich auch der Hundeverlag Fred & Otto für ihr Gedankengut. Anna Meißner bekam eine Anfrage, ob sie ein Buch zu dem Thema verfassen wolle. Ja, Anna Meißner wollte. Etwa ein Jahr dauerte der Prozess, "der nicht immer einfach war". Nicht immer war sie sich mit ihrem Verleger über den Inhalt einig. Das Buch entwickelte sich während der Zeit, in der sie bereits Coachings und Workshops für Menschen mit Hund gab.

Im Dezember letzten Jahres wurde das Buch schließlich veröffentlicht. "Ein Buch, das Mut machen soll", sagt sie. Man sollte bereit sein, sich auf seine eigene Entwicklung einzulassen, dann könne das Buch ein Geländer bieten, das einem hilft, mit dem Hund einen eigenen Weg zu finden. Über ein großes Hundenetzwerk kommen mittlerweile viele Menschen zu ihr, denen es ähnlich geht, wie ihr damals.

Anna Meißner: Dein Hund – Deine Chance: Wie wir mit unseren Hunden persönlich wachsen, Hundeverlag Fred & Otto.
Weitere Infos unter http://www.strukturgeberin.de