Macht auf die Tür ...

Im Alamannen-Museum in Vörstetten wird Geschichte zum Leben erweckt – ein Besuch bei Astrid Nothen

Anja Kunz

Von Anja Kunz

Fr, 15. Dezember 2017

Vörstetten

Astrid Nothen empfängt Besucher gerne in ihrer historischen Gewandung. Der Stoff ist handgewebt, die Glasperlen ihrer Kette selbst geblasen, die Verzierungen am Hornlöffel, den sie am Gürtel trägt, selbst geschnitzt.

Astrid Nothen empfängt Besucher gerne in ihrer historischen Gewandung. Der Stoff ist handgewebt, die Glasperlen ihrer Kette selbst geblasen, die Verzierungen am Hornlöffel, den sie am Gürtel trägt, selbst geschnitzt. "Und die Gewandung ist sogar richtig warm", freut sich Nothen, als sie fürs Foto in den eisigen Dezemberwind nach draußen tritt.

Geschichte erlebbar machen, das möchte das Alamannen-Museum in Vörstetten. Deshalb sind auch Erfahrungen, ob man etwa vor 1600 Jahren im gewebten Umhang gefroren hat, ein Teil des Museumskonzeptes. Denn schriftliche Überlieferungen gibt es von den Alamannen nicht. Historisches und archäologisches Wissen wird verknüpft mit Erfahrungen.

Das Gehänge, das Nothen an ihrem Gürtel trägt, die Glasperlen der Kette, der Lederbeutel mit den Amuletten – das hat sie sich alles zusammengetauscht. Eben so, wie es die Alamannen früher taten. "Ich koche dafür einen Eintopf für alle" – natürlich aus Kräutern und Gemüse aus dem museumseigenen Garten. Denn bei der so genannten Hofbelebung, die in der warmen Jahreszeit einmal im Monat auf dem Museumsgelände stattfindet, wird alles so gemacht wie einst im frühen Mittelalter. "Wir haben dann hier eine Zeitschranke", sagt Nothen. "Das heißt, alles was aus unserer heutigen Zeit stammt, muss draußen bleiben." Und sie ergänzt: "Wir sind ein lebendes Museum. Durch das eigene Erfahren bekommen wir ganz viel Aufschluss darüber, wie die Alamannen ihren Alltag bestritten haben."

Astrid Nothen ist seit einem Jahr Mitglied im gemeinnützigen Museums- und Geschichtsverein Vörstetten, der Träger des Museums ist. Sie hat sich mit der historischen Forschung vertraut gemacht, um Museumsführungen anzubieten. "Wir haben ein unheimlich schönes Vereinsklima", sagt Nothen, die an der Freiburger Universität als Fachbereichsleiterin am Sprachlehrinstitut arbeitet. "Jeder bringt hier seine Stärken ein." So wird altes Handwerk gepflegt, indem Vereinsmitglieder Körbe flechten, schmieden, drechseln, weben oder töpfern. Ausprobieren können das auch die Museumsbesucher. Neben der monatlichen Hofbelebung veranstaltet das Museum ein Frühlingsfest zur Saisoneröffnung im April. Im Mai wird der internationale Museumstag begangen und im November mit dem Thema "Feuer und Licht" das Museumsjahr im Freigelände beschlossen. "Für Kinder ist es immer besonders spannend, wenn sie hier eine Lehmwand bauen dürfen", erzählt Nothen. "Ihnen macht das so viel Spaß, den Lehm zu stampfen, und sie lernen zudem, was alles nötig ist, damit so eine Lehmwand am Ende auch stabil ist." Geschichte erfahrbar machen eben.

Informationen zum Museum: http://www.alamannen-museum.de oder Tel. 07666/8820042; weitere Artikel zur Serie unter mehr.bz/adventstueren