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19. Juli 2013 15:16 Uhr

"Ein Keller, der Fritz Keller alle Ehre macht"

Das neue Weingut von Fritz Keller in Oberbergen ist eröffnet

Der Kaiserstuhl ist um eine Attraktion reicher: Nach einer Bauzeit von 20 Monaten wurde am Donnerstagabend das neue Weingut von Bettina und Fritz Keller in Oberbergen im Beisein von mehreren Hundert Ehrengästen offiziell eröffnet.

  1. Architekt Michael Geis (links) übergab Fritz Keller den Schlüssel für das neue Weingut und Bettina Keller ein Gästebuch. Foto: Gerold Zink

  2. Das neue Weingut Foto: Gerold Zink

Dabei gab es viel Anerkennung und Lob für die Bauherren und ihr imposantes Bauwerk.

EIN PRÄGENDER VERLUST

"Die äußerst schwierige Traubenlese im Jahr 2006 hat den Anstoß zu dem Projekt gegeben", sagte Fritz Keller. Damals hätten die Trauben rasend schnell geerntet und verarbeitet werden müssen. Da dies in den beengten Verhältnissen am bisherigen Standort des Weingutes in der Oberbergener Ortsmitte nicht möglich war, sei fast die Hälfte der Ernte verloren gegangen. Diesen Verlust habe er nicht noch einmal erleben wollen. Am neuen Standort sei man nun fünfmal schlagkräftiger.

Bei vielen Auslandsreisen habe er zudem festgestellt, dass Deutschland und auch Baden bei der Traubenverarbeitung technisch zulegen müssten, um international konkurrenzfähig zu bleiben. Schließlich ermögliche der Neubau, die Trauben von zahlreichen kleinen Rebparzellen, zum Beispiel in der Lage Oberbergener Bassgeige, individueller auszubauen. Keller ist sich sicher, dass dabei der Geschmack der verschiedenen Vulkanböden noch stärker in den Weinen wiederzufinden sein wird.

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DIE FAMILIENTRADITION
"In unserer Familie hat jede Generation immer etwas für die nächste getan", erläuterte Keller. Mit dem Neubau, der einen höheren einstelligen Millionenbetrag gekostet hat, sorgen Bettina und Fritz Keller dafür, dass ihre 3 Söhne später einmal eine sehr gute Basis für die Weiterführung des Unternehmens vorfinden. Insgesamt sind in dem Weingut, im Weinhandel und in den 3 Gastronomiebetrieben Schwarzer Adler, Rebstock und Kellerwirtschaft rund 100 Personen beschäftigt. Die Kellerwirtschaft und der Weinverkauf wurden in das neue Weingut integriert (die BZ berichtete bereits). 7 bis 8 neue Stellen sind durch den Neubau hinzugekommen.

IN DIE NATUR EINGEBETTET
Aus dem Architektenwettbewerb für das neue Weingut ging das Freiburger Architekturbüro Geis und Brandtner einstimmig als Sieger hervor. Nach Angaben von Michael Geis mussten vor allem 2 Vorgaben umgesetzt werden: eine möglichst schonende Weinbereitung und eine optimale Integration des Gebäudes in die Landschaft. "Denn wir leben von und mit der Natur", fügte Keller hinzu.

Das neue Gebäude fügt sich treppenartig in die Landschaft ein. Dadurch können die Trauben behutsam verarbeitet werden und der Most fließt ohne Pumpvorgang in die Fässer. Das rund 4000 Quadratmeter große Bauwerk verfügt über 3 Stockwerke: Oben werden die Trauben angeliefert, in der Mitte verarbeitet und unten der Most in Holz- und Edelstahlfässern gelagert.

Das Gebäude, das 135 Meter lang, 32 Meter breit und bis zu 15 Meter tief ist, steht auf einem 11 000 Quadratmeter großen Grundstück. In ihm können die Trauben von 60 Hektar Weinbergen verarbeitet werden, was bei Keller 380 000 bis 400 000 Flaschen entspricht.

"Die schwierigste Frage lautete: Wie kann man 4000 Quadratmeter in die Landschaft integrieren, so dass sie fast nicht sichtbar sind?", sagte Geis. Der Architekt ließ einfach ein großes Loch in das Tal buddeln, in das das Gebäude quasi versenkt wurde. 50 000 Kubikmeter Löss mussten dafür auf anderen Grundstücken in der Region verteilt werden, was den Nachbarn einigen Staub und Dreck bescherte. Keller lobte in diesem Zusammenhang den Gemeinschaftssinn der Oberbergener Bürger. So habe es weder im Vogtsburger Gemeinderat noch aus der Nachbarschaft Einwände gegen das Großprojekt gegeben.

Damit die Lösswände am Berg halten, mussten 56 Betonpfähle bis zu 20 Meter tief in die Erde getrieben werden. Fast ohne technische Hilfsmittel wird eine gleichbleibende Temperatur von 12 bis 14 Grad in dem Gebäude erreicht, die für die Lagerung der Weine optimal ist.

KNEIPE UND FESTSAAL
Erst nach dem Architektenwettbewerb entschieden sich die Kellers laut Geis, ein Restaurant in das Weingut zu integrieren. Dies habe zu einigen nicht einfachen Umplanungen geführt. Schließlich sei es jedoch gelungen, in dem fast ausschließlich aus Beton, Glas und Holz bestehenden Gebäude einen gemütlichen Platz für die Kellerwirtschaft, wie das neue Gasthaus heißt, zu finden. Außerdem können im Bereich der Traubenannahme Veranstaltungen mit bis zu 200 Personen stattfinden. Da dort eine besonders gute Akustik herrscht, sind auch Kulturveranstaltungen geplant. Laut Keller gibt es für die verschiedenen Bereiche des Weingutes bereits Anfragen für Kongresse, Produktpräsentationen, Hochzeiten und Geburtstagsfeiern. Einmal im Jahr wolle er selbst ein Hoffest organisieren. Tage der offenen Tür seien dagegen bislang nicht geplant, "weil das Weingut ja jeden Tag offen hat und der Gast bei uns wie bei einer gläsernen Produktion alles sehen kann".

KAISERSTUHL HAT POTENZIAL
Dass der Schwarze Adler oder der Rebstock unter dem dritten Gasthaus, der Kellerwirtschaft, leiden könnten, diese Angst hat Keller nicht. Denn im Schwarzen Adler werde klassisch, im Rebstock lokal und in der Kellerwirtschaft eher international gekocht. In den vergangenen 4 Wochen seien alle 3 Gaststätten gut belegt gewesen. Der Kaiserstuhl habe sogar noch Potenzial für weitere Restaurants und vor allem für Hotelbetten. Dass Keller irgendwann einmal ein Hotel baut, wollte er nicht ausschließen, geplant sei derzeit allerdings nichts.

Am bisherigen Standort in der Ortsmitte will der Weingutsbesitzer sein umfangreiches Weinlager optimieren. So sind alleine auf der Weinkarte des Sterne-Lokals Schwarzer Adler 2700 Positionen zu finden.



STILVOLLE ERÖFFNUNG
Wer sich mehrere Jahre mit einem großen Neubau beschäftigt hat, der will die Eröffnung stilvoll feiern. Dies ist Bettina und Fritz Keller am Donnerstagabend gemeinsam mit rund 200 Gästen – darunter viel Prominenz aus Politik und Wirtschaft – gelungen.

Schon der Festbeginn im Innenhof des Bauwerks war verheißungsvoll: Mitglieder des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg verdeutlichten eindrucksvoll, warum es nicht aufgelöst werden sollte. Und nachdem Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Alexander Bonde eher unfreiwillig den "Schweinemarsch" dirigiert hatte, ernannte ihn Kabarettist Matthias Deutschmann sofort zum "Kulturbotschafter des Orchesters bei der Landesregierung".

Die beiden Vogtsburger Geistlichen Claus Trost und Werner Häfele segneten das neue Weingut, wobei sich Letzterer bei seinem Vortrag über "Worte und Wein" äußerst wortgewandt zeigte.

Bei den Festreden dankte Bonde der Familie Keller für das "neue und topmoderne Weingut", das er als klares Bekenntnis zum Standort Kaiserstuhl und zum badischen Wein wertete. Norbert Weber, Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, ist sich sicher, "dass dieses Aushängeschild über Baden hinausstrahlt". Vogtsburgs Bürgermeister Gabriel Schweizer bezeichnete das Bauwerk als "Leuchtturmprojekt der Region" und sein Freiburger Amtskollege Dieter Salomon würdigte vor allem die "große unternehmerische Leistung der Familie Keller".

Bevor sich die Gäste mit Speis’ und Trank verwöhnen ließen und den "Bauernhof" (Fritz Keller) näher inspizierten, überreichte Architekt Geis dem Hausherrn symbolisch den Schlüssel für das neue Weingut und Bettina Keller ein großes Gästebuch.

Das neue Weingut ist von Montag bis Mittwoch von 8 bis 18 Uhr, am Donnerstag und am Freitag von 8 bis 20 Uhr, am Samstag von 10 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 15 Uhr geöffnet. Führungen sind für Gruppen nach Vereinbarung möglich. Das Restaurant "Kellerwirtschaft" hat donnerstags bis sonntags von 12 bis 23 Uhr offen (Telefon 07662/933080).


Ein Fotoalbum zur Eröffnung des Weingutes gibt es auf http://www.badische-zeitung.de

Zitate

"Der Bauernhof ist fertig, und wir sind es auch, gell Bettina."

"Fritz Keller ist der Entdecker der Idee, ein Weingut im Löss zu vergraben.""Fritz Keller verkörpert wie kaum ein anderer die badische Lebensart."

"Es ist ein Keller, der Fritz Keller alle Ehre macht."

"Fritz Keller ist wie sein Vater vulkanischen Ursprungs."



Autor: Gerold Zink