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03. Juli 2013

Lauschige Gartenparty mit Bundespräsident und Landesvater

Zum Abschluss seiner Reise durch den Südwesten traf sich Bundespräsident Gauck mit Ministerpräsident Kretschmann im Weingut von Gleichenstein in Oberrotweil.

  1. Vogtsburgs Bürgermeister Gabriel Schweizer (links) und Hausherr Johannes von Gleichenstein hießen (Zweiter von links) hießen Bundespräsident Joachim Gauck und Ministerpräsident Winfried Kretschmann in Oberrotweil willkommen. Foto: benjamin bohn

VOGTSBURG-OBERROTWEIL. Joachim Gauck outete sich am Montagabend in Oberrotweil als Weinfreund. Bei einem Empfang des Landes Baden-Württemberg hieß Ministerpräsident Winfried Kretschmann den Bundespräsidenten und seine Mitreisenden aus aller Welt im Weingut Freiherr von Gleichenstein in Oberrotweil willkommen.

Um 17.50 Uhr trifft die dunkelgrüne Limousine mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann auf dem Gutsgelände ein. Kretschmann schüttelt Hände und begrüßt die Gäste, die zum Empfang des Landes gekommen sind. Um 18.10 Uhr fährt dann die schwarze Limousine mit dem Kennzeichen "0-1" vor. Der Staatskarosse des Bundespräsidenten folgen die Busse mit den Diplomaten.

"Wie schön", ruft Joachim Gauck, sichtlich angetan von der Landschaft des Kaiserstuhls und dem idyllischen Garten des Weinguts Gleichenstein und läuft mit ausgebreiteten Armen Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann sowie Johannes und Christina von Gleichenstein entgegen.

"Es freut uns wahnsinnig, dass der Empfang des Landes für den Bundespräsidenten bei uns stattfindet", betont von Gleichenstein. Vor rund 8 Wochen sei die erste Anfrage eingegangen. Das Bundeskriminalamt habe das Areal dann geprüft. "Es ist wie eine Gartenparty", sagt seine Frau, Christina von Gleichenstein. "Joachim Gauck strahlt eine wahnsinnige Herzlichkeit aus und ich glaube, er freut sich wirklich hier zu sein", betont sie.

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Für die Feier habe es zwar bestimmte Vorgaben gegeben, aber "es war nichts Außergewöhnliches dabei", erzählt die Hausherrin. Eine Vorgabe war, dass nur hiesige Produkte genutzt werden. Die Gleichensteins begrüßten ihre Gäste mit einem spritzigen Frizzante aus dem Gutskeller, später gab es einen Weißburgunder und den Spätburgunder Baron Philipp ins Glas. Um das Catering kümmerte sich das Schelinger Gasthaus "Sonne", das mit badisch regionalen Spezialitäten die rund 250 Gäste bewirteten – vom Kalbfleischküchle mit Kartoffelsalat und Saiblingstatar über Kaiserstühler Landschinken und hausgebackene Brote bis hin zu Schäufele oder Roastbeef. "So ein Empfang ist schon etwas Herausragendes", freut sich Christina Köpfer. Seit dem Mittag hatten 8 Köche gewerkelt. Schließlich musste auch auf ausländische Geschmäcker geachtet werden – Kalbfleisch statt Schweinefleisch. 12 Servicekräfte brachten das Fingerfood beim Stehempfang unters diplomatische Volk. "Als junger Gastronom den obersten Mann im Staat zu bewirten, das ist schon etwas Besonderes", sagt Stephan Köpfer.

"Ich hoffe, sie hatten einen angenehmen Tag bei uns und konnten viele Eindrücke gewinnen", begrüßt Ministerpräsident Kretschmann nach dem Gruppenfoto die rund 150 Diplomaten im Ländle. Er hebt die Vorzüge des Kaiserstuhls hervor, bezeichnet den Landstrich als "recht explosive Erde". Der Landesvater spielt auf den vulkanischen Ursprung und die Protestbewegung gegen das AKW in Wyhl an, "ein "Markstein für den Beginn der Umweltbewegung und den Atomausstieg". Engagierte Bürger würden neben Wirtschaft und Wissenschaft sowie den starken Regionen das Bundesland ausmachen.

Demo für den Erhalt des SWR-Sinfonieorchesters

"Die Region ist bekannt für ihre aktive Bürgergesellschaft", erwidert Gauck. Der Bundespräsident weiß auch, dass am Kaiserstuhl hervorragende Weine wachsen. "Ich gedenke noch viele Gläser davon zu lehren", scherzt er und bekommt viel Beifall. Nach einem terminreichen Tag erscheint Gauck kein wenig müde, er ist charmant, herzlich und hat keine Berührungsängste. "Ich bin stolz, mit Ihnen hier zu sein", unterstreicht er, und: "Dieses Land ist gesegnetes Land." Die Grenzregion, die früher häufig umkämpft war, sei heute beispielhaft für das tägliche Funktionieren der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Passend singt der deutsch-französische Chor aus Freiburg Stücke wie "Amis, sur cette Terre".

Kein Staatsbesuch ohne Demo: Am Tor des Weinguts protestieren rund 20 Demonstranten mit Banner und Fähnchen für den Erhalt des SWR-Sinfonieorchesters in Freiburg.

STIMMEN

"Joachim Gauck fühlt sich offensichtlich wohl. Für Vogtsburg und die Region ist dies eine wunderbare Chance, sich zu präsentieren. Wir werden dem Bundespräsidenten und dem Ministerpräsidenten auch regionale Produkte, zum Beispiel Wein, auf den Heimweg mitgeben."

"Ich war sehr überrascht, dass Joachim Gauck uns die Hand geschüttelt hat. Das fand ich sehr gut."

"Es ist sehr schön und eine große Ehre, als Chor für diesen Empfang ausgesucht worden zu sein."

"Schöner kann sich der Kaiserstuhl kaum präsentieren. Ich hoffe, dass Joachim Gauck bald wieder kommt. Ich habe ein kleines Souvenir für den Bundes- und den Ministerpräsidenten mitgebracht: eine Dokumentation über den Protest gegen das AKW in Breisach und Wyhl mit Widmung. Das ist eine gute Lektüre für die beiden."

 

Autor: Gabriel Schweizer, Vogtsburger Bürgermeister

Autor: Benjamin Bohn