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11. Oktober 2017

500 Jahre Klosterleben

Neues Buch von Andreas Haasis-Berner zur Geschichte von St. Margarethen.

  1. Andreas Haasis-Berner bei der Vorstellung seines neuen Buches. Foto: Helmut Rothermel

  2. Musikalisch und schauspielerisch begleitet wurde der Abend durch die Schwarzenberger Herolde, die Türmergruppe Waldkirch sowie Biggi Bernhardt und Stefan Schmidt. Foto: Fotos: Helmut Rothermel

WALDKIRCH. Wissenschaftliches Neuland hat Andreas Haasis-Berner mit seiner Geschichte des Waldkircher Klosters betreten, denn der promovierte Historiker und Archäologe hat damit die allererste Monographie über ein Breisgauer Frauenkloster vorgelegt. Das Werk, betonte der Leiter der städtischen Kulturabteilung, Gregor Swierczyna, bei der Buchvorstellung im Elztalmuseum, habe hiermit ein schwarzes Loch in der Stadtgeschichte geschlossen. Es erscheint als Band 2 in der von der Stadt herausgegebenen Reihe "Waldkircher Stadtgeschichte".

Oberbürgermeister Roman Götzmann dankte Andreas Haasis-Berner, der vier Jahre lang unzählige Stunden ehrenamtlich investiert und mit seiner Veröffentlichung eine wichtige Grundlage zur würdigen Gestaltung der 1100-Jahrfeier der Klostergründung im Rahmen der Heimattage 2018 geleistet habe.

Der seit 27 Jahren in Waldkirch lebende Autor erklärte, dass sein persönlicher Zugang zur "Heimat" ein historischer sei und er stets wissen wolle, wie das Heute aus dem Gestern entstanden ist. Bei der Abfassung des Buches habe er sich auf frühere Veröffentlichungen stützen können sowie auf eine Quellensammlung des ehemaligen Stadtarchivars Rudi Allgeier, die im Verlauf der Arbeit erheblich erweitert wurde. Die Schriftquellen bestehen aus Schenkungsurkunden, Besitzbestätigungen, Verkaufsurkunden und einem Berain (Güterbesitz- und Gütereinkünfteverzeichnis).

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In einem Vortrag fasste Haasis-Berner die wesentlichen Aussagen des Buches und wichtigsten neuen Erkenntnisse zusammen. Als Entstehungszeit des Klosters lasse sich der Zeitraum zwischen 918 und 926 festmachen. Gründer waren Burkhart I., Herzog von Schwaben, sowie seine Frau Reginlind. Das Zentrum des Herzogtums befand sich im frühen 10. Jahrhundert im westlichen Bodenseeraum, von dort aus gesehen waren die herzoglichen Gebiete jenseits des Schwarzwalds Peripherie. Die Klostergründung diente demnach der Sicherung der Gebietsansprüche und der Machtposition Burkharts im Breisgau.

Ein weiterer Aspekt ergebe sich aus der Tatsache, dass die bedeutenden Klöster in Schwaben alle Königsklöster waren, auf die Burkhart keinen herrschaftlichen Zugriff hatte. Mit Waldkirch wollte der Herzog ein Familienkloster gründen, das als Familiengrabstätte und Ort des Totengedenkens geplant war. Allerdings wurde nie ein Mitglied der Herrscherfamilie hier bestattet, die Gründe dafür sind unklar. Der Konvent umfasste nie mehr als sechs Frauen, die nach der Regel des Hl. Benedikt lebten und zu Beginn alle aus dem alemannischen Hochadel kamen. Aus der 500-jährigen Geschichte des Klosters sind zwölf Äbtissinnen namentlich bekannt, die im ersten Jahrhundert wohl alle aus der Herrscherfamilie stammten. Zur Unterhaltung wurde das Kloster mit Landbesitz und Rechten im Elztal ausgestattet.

Mehr als sechs Frauen waren nie gleichzeitig im Kloster

Eine neue Epoche begann, als St. Margarethen 994 durch Erbschaft von Herzog Burkhart II. und seiner Frau Hedwig an Kaiser Otto III. gekommen und somit Reichskloster geworden war. Als solches war es reichsunmittelbar, das heißt, es unterstand direkt dem Kaiser, war von keinem Fürsten lehnsabhängig und genoss Immunität (Befreiung von Abgaben und Lasten oder weltlichen Eingriffen). Weitere Privilegien waren Zollfreiheit, freies Verfügungsrecht über das eigene Vermögen, die freie Wahl der Äbtissin, die hohe Gerichtsbarkeit und die freie Vogtswahl. Die Vögte vertraten das Kloster in weltlichen Angelegenheiten, verwalteten das Kirchengut und gewährten Schutz und Schirm. Seit etwa 1100 übten die Herren von Schwarzenberg dieses Amt aus.

Schon vor dem Übergang zum Reichskloster konnte St. Margarethen seinen Besitz durch Schenkungen von Kaiser Otto I. vergrößern. Zum geschlossenen Besitz im Elztal kamen Gebiete bei Freiburg, im Kaiserstuhl, der Ortenau und dem Markgräflerland. In 24 Orten hatte der Waldkircher Konvent die Patronatsrechte inne. Diese enthielten die Pflicht zur Unterhaltung einer Kirche und Pfarrstelle in der Gemeinde, aber auch das Recht, den jeweiligen Pfarrer einzusetzen und damit Einfluss auf die Verkündigung des Glaubens zu nehmen.

Nach dem Ende der Ottonen (Otto III. starb 1002) rückte St. Margarethen zusehends aus dem Blickfeld des Reiches und die Vögte gewannen an Einfluss. Diesen gelang es zunehmend, sich klösterlichen Besitz und klösterliche Rechte faktisch anzueignen. Verheerend wirkte sich die Krise des 14. Jahrhunderts (mit Klimaverschlechterung, Verfall der landwirtschaftlichen Preise, Pestepidemien) auf das Kloster aus. Zwischen 1275 und 1324 verlor es 80 Prozent seines Einkommens. Güter mussten verkauft werden, Neueintritte blieben aus und 1430 starb die letzte Äbtissin in Armut.

Gut 500 Jahre klösterlichen Lebens, welches das Elztal stark geprägt hatte, waren zu Ende gegangen. Dass die Umwandlung in das seit 1431 und bis 1806 bestehende Kollegiatsstift rasch und unproblematisch vonstatten ging, lasse, so Haasis-Berner, auf eine schon früher begonnene Planung und gute Vorbereitung schließen.

Info: Andreas Haasis-Berner, Das Kloster St. Margarethen in Waldkirch, 500 Jahre klösterliches Leben im Elztal, Waldkirch 2017; Subskriptionspreis bis 11.10.2017: 28 Euro, dann 35 Euro.

Autor: Helmut Rothermel