Alltägliche Hilfe für Migranten

Dorothea Scherle

Von Dorothea Scherle

Mi, 19. September 2018

Waldkirch

Susanne Kissler ist seit zehn Jahren Migrationsberaterin.

WALDKIRCH. Bereits seit zehn Jahren ist Susanne Kissler für den Caritasverband Emmendingen als Migrationsberaterin für erwachsene Zuwanderer (MBE) im Elztal tätig. Sie begleitet Flüchtlinge über einen Zeitraum von drei Jahren ergänzend zum Integrationskurs, der für alle Flüchtlinge verpflichtend ist.

140 Menschen betreut sie derzeit. Unter den Betreuten sind nicht nur Menschen, die direkt nach einem langen Fluchtweg in Deutschland ankommen, sondern auch Menschen, die ein Daueraufenthaltsrecht für andere EU-Länder haben, etwa für Italien, und nach einigen Jahren nach Deutschland weiterziehen. Für sie gelten besondere Bestimmungen. Nach drei Monaten müssen sie einen Arbeitsvertrag haben, sonst müssen sie in das Land zurückkehren, aus dem sie gekommen sind.

Susanne Kisslers Aufgabe besteht zuerst einmal darin, die Menschen zu fragen, was sie bisher gemacht haben, ob und welche Schullaufbahn sie haben, was sie gearbeitet haben. Oft gibt es in den Herkunftsländern Berufe, die es hier nicht gibt. Umgekehrt kennt man in Deutschland eine unüberschaubare Vielzahl von Berufen, von denen Flüchtlinge nichts wissen.

Auch die in Deutschland übliche dreijährige Ausbildung existiert in den Herkunftsländern nicht. Man lernt einen Beruf wie Bäcker oder Schreiner, indem man beim Cousin oder Onkel mitarbeitet. Ein Bewerbungsschreiben ist dafür nicht nötig. So muss Susanne Kissler den Flüchtlingen beibringen, wie man eine Bewerbung schreibt und darüber informieren, dass man während der Ausbildung nicht so viel verdient wie nach der Gesellenprüfung. Bei jedem einzelnen muss geklärt werden, welches Sprachlevel fürs Weiterkommen nötig wird. Für eine Ausbildung reicht B1, für die Zulassung an der Universität sind je nach Anbieter des Sprachkurses C1 oder C2 nötig.

Aber Kisslers Beratung erstreckt sich auch auf Alltägliches. Wie geht die Anmeldung für den Kindergarten? Welche Schule kann ein Kind besuchen? Wie finde ich eine Wohnung? Die Menschen, die sie betreut, leben in Privatwohnungen, sind kommunal untergebracht oder leben in Obdachlosenunterkünften. Kissler ist zu 65 Prozent als Migrationsberaterin tätig und zu 25 Prozent als Integrationsmanagerin. Caritas, Landratsamt und DRK beschäftigen im Landkreis neben den Migrationsberatern Integrationsmanager. Ihr Aufgabenfeld ist dem der Migrationsberatung gleich, jedoch werden Integrationsmanager vom Land und Migrationsberater vom Bund finanziert, und ihre Stellen sind befristet, weil davon ausgegangen wird, dass sie mit nachlassenden Flüchtlingszahlen nicht mehr gebraucht werden. Susanne Kissler bietet dienstags und donnerstags von 9.30 bis 13 Uhr und von 14 bis 16 Uhr offene Sprechstunden im Roten Haus an. Die Sprechstunden finden bewusst parallel zu den Integrationskursen statt.